Geschichte

Die Vergangenheit nicht einfach unter den Teppich kehren

Die Vergangenheit nicht einfach unter den Teppich kehren

Die Vergangenheit nicht einfach unter den Teppich kehren

Lukas Scherz
Lukas Scherz
Flensburg
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Von links: Dr. Felix Axster, Lars Harms, Kathrin Fischer, Luzie Metzdorf und Prof. Dr. Sybille Bauriedl

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In Flensburg hat man sich dazu entschieden, auch die Schattenseiten der Stadtgeschichte zu beleuchten. Doch wie soll so eine Erinnerungskultur aussehen? Bei einer Diskussionsrunde auf dem Flensburger Museumsberg wurden mögliche Antworten auf diese und weitere Fragen gefunden.

Kurz nach 18 Uhr füllte sich der Saal auf dem Flensburger Museumsberg mit Zuhörerinnen und Zuhörern. Die Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer waren ebenfalls schon vor Ort und warteten darauf, dass sie beginnen konnten.

Der Freitagabend sollte Aufschluss darüber geben, wie eine angepasste Erinnerungskultur an die Kolonialzeit und Flensburgs Rolle darin aussehen könnte.

 

Wer war dabei?

 

Lars Harms ist der Fraktionsvorsitzende des Südschleswigschen Wählerverbands (SSW). Auf Initiative seiner Partei soll sich nun mehr mit dem Thema „Postkoloniale Erinnerungskulturen“ auseinandergesetzt werden. Sybille Bauriedl ist Geografin mit Professur an der Europa-Universität Flensburg. Bei Luzie Metzdorf handelt es sich um die Mitentwicklerin der App „Flensburg postkolonial“. Felix Axster ist als Historiker an der TU Berlin tätig.

Die Pressesprecherin der Europa-Universität Flensburg, Kathrin Fischer, moderierte die Diskussion.

Zu Beginn brachte Sybille Bauriedl an, dass es bezüglich des Erinnerns einen Perspektivwechsel – beziehungsweise eine Perspektiverweiterung in Flensburg brauche. Hierbei schienen sich die Diskussionspartner einig zu sein.

Zu oft würde man lediglich die für Flensburg positiven Seiten der Kolonialzeit herausstellen. Das Leid, welche diese Epoche über viele Menschen gebracht habe, gerate dabei in Vergessenheit, hieß es von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

 

Wie soll auf diese Vergangenheit aufmerksam gemacht werden?

 

Lars Harms sieht Chancen darin, wieder mit den damaligen Kolonien in Kontakt zu treten und einen kulturellen und eventuell auch wirtschaftlichen Austausch auf Augenhöhe anzuregen. Seiner Ansicht nach könnte es so eine Wiedergutmachung durch Weiterentwicklung geben.

 

Ein weiterer Punkt war, dass diese Thematik mehr in den Unterricht an Schulen eingebracht werden sollte und Lehramtsstudentinnen und -studenten bezüglich dieser Thematik intensiver sensibilisiert werden sollten.

 

In diesem Zusammenhang verwies Luzie Metzdorf auf ihre App „Flensburg postkolonial“, die wie ein digitaler Stadtführer funktioniert und sich ihrer Ansicht nach gut zur Nutzung von Lehrern eignet.

 

Wie soll es weitergehen?

 

In Zukunft sollten nach der Auffassung von Sybille Bauriedl die Museen mehr Geld erhalten, da sie es brauchen würden, um die Ausstellungen hinsichtlich der angepassten Erinnerungskultur zu überarbeiten.

 

Lars Harms wünschte sich eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Dänemark und verwies darauf, dass die Verwaltungsämter und die Kommunalpolitik die Initiative stärker unterstützen müssten. Luzie Metzdorf hielt eine stärkere Zusammenarbeit mit Dänemark ebenfalls für nötig.

 

In Dänemark soll die „Queen Mary“ in Kopenhagen an den kolonialen Einfluss Dänemarks auf die Karibik und den Widerstand dagegen erinnern. Die Statue ist ein übernationales Kunstprojekt von La Vaughn Belle und Jeannette Ehlers. Die beiden Künstlerinnen sind verbunden durch ihre karibische Herkunft und die damit zusammenhängende koloniale Vergangenheit.

 

Insgesamt wurde am Diskussionsabend deutlich, dass es einer Veränderung bedarf, und es wurden viele Ideen gesammelt, wie diese aussehen kann. Konkrete Pläne und Handlungskonzepte fehlten jedoch weitestgehend.

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