TIPPS VOM HNO-ARZT

Coronavirus oder Allergie? So werden die Symptome richtig gedeutet

Coronavirus oder Allergie? So werden die Symptome richtig gedeutet

Coronavirus oder Allergie? Symptome richtig deuten

Mark Otten/shz.de
Bad Bramstedt
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Wenn die Pollen fliegen, reagieren viele Menschen darauf allergisch und fangen unter anderem an zu husten. In Corona-Zeiten kann das Sorge bereiten. Foto: dpa/Patrick Pfeul

Allergie oder Coronavirus? Ein HNO-Arzt erklärt, auf welche Symptome Betroffene achten müssen.

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) entwickeln im Laufe ihres Lebens mehr als 20 Prozent der Kinder und mehr als 30 Prozent der Erwachsenen mindestens eine allergische Erkrankung. Am häufigsten vertreten ist der sogenannte Heuschnupfen, der durch Pollen oder Hausmilbenstaub ausgelöst wird.

Doch während der Corona-Pandemie können Husten und Erkältungssymptome bei Betroffenen und dem Umfeld gleichermaßen für Unruhe sorgen – selbst wenn dahinter nur eine Allergie steckt. Vor allem beim Husten stellt sich vielen die Frage, ob es nicht doch die vom Coronavirus ausgelöste Atemwegskrankheit Covid-19 sein könnte.

Coronavirus- oder Allergie-Symptome: Was sind die Unterschiede?

Für Laien ist es bei dieser Frage mitunter unmöglich, den Auslöser von Symptomen auszumachen. HNO-Arzt Dr. Jan Löhler aus Bad Bramstedt sagte unserer Redaktion: "Echte Trennschärfe gibt es nicht, weil das neuartige Coronavirus in einigen Fällen mild verläuft. Die Symptome ähneln dann denen eines grippalen Infekts oder eines Heuschnupfens." Das zeigt auch die Übersicht des Allergiezentrums Wiesbaden:

Die unterschiedlichen Symptome im Vergleich. Foto: Allergiezentrum Wiesbaden

Kurz: Häufiges Niesen und juckende Augen sind deutliche Anzeichen für eine allergische Reaktion. Bereits eine erhöhte Temperatur und vor allem Fieber sind jedoch ein Hinweis darauf, dass etwas anderes hinter den Symptomen stecken könnte.

"Wer unsicher ist oder einen Verdacht hat, sollte sich ärztlich beraten lassen und gegebenenfalls einen Abstrich machen lassen", sagte der Landesvorsitzende des HNO-Berufsverbandes in Schleswig-Holstein.

Corona oder Allergie: Spüren Betroffene den Unterschied?

Der HNO-Arzt sagte: "Ein erfahrener Allergiker merkt in der Regel, dass er gerade allergisch reagiert. Das fühlt sich anders an als ein grippaler Infekt oder eine echte Grippe." Bei einem Infekt oder einer Grippe sind Botenstoffe unterwegs, die dem Körper ein schweres Krankheitsgefühl vermitteln. Die fehlen bei einer Allergie. Bei einem milden Verlauf sei es jedoch auch "möglich, dass Corona unbemerkt und neben der Allergie abläuft", sagte Löhler.

Sind Allergiker eine Corona-Risikogruppe?

"Das wissen wir derzeit nicht genau, die Forschung dazu läuft noch. Aber statistisch gesehen haben Menschen mit Atemwegserkrankungen eher Schwierigkeiten mit dem Coronavirus", sagte der Arzt.

Das RKI führt in der Liste der Risikogruppen für einen schweren Verlauf von Covid-19 auch Patienten, die Cortison einnehmen. Cortison kann die Immunabwehr des Körpers herabsetzen und kommt bei der Allergie- und Asthma-Therapie häufig zum Einsatz.

Als weitere Risikogruppen für schwere Verläufe von Covid-19 führt das RKI:

  • ältere Personen
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen:
  • des Herz-Kreislauf-Systems
  • chronische Erkrankungen der Lunge
  • Patienten mit chronischen Lebererkrankungen
  • Patienten mit Diabetes mellitus
  • Patienten mit einer Krebserkrankung
  • Patienten mit geschwächtem Immunsystem
  • vermutlich Raucher (es fehlen ausreichende Belege).

Jucken, Niesen, Husten: Was entscheidet über die Symptome?

Nicht jeder Allergiker reagiert gleich auf eine vergleichbare Pollenbelastung, sagte Löhler: "Ob jemandem nur die Augen tränen, die Nase läuft oder auch Atembeschwerden auftreten, hängt vom individuellen Fortschritt der Allergieerkrankung und der Pollendosis ab. Die Menge der Pollen entscheidet über die Schwere der Symptome." Laut Pollenflug-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes macht Allergikern in ganz Deutschland aktuell vor allem die Birke zu schaffen.

Mehr Schutz, weniger Aufmerksamkeit: Was Allergiker tun können

Wer in Zeiten der Corona-Pandemie im öffentlichen Raum hustet oder krank wirkt, wird teilweise mit strafenden Blicken bedacht. Das kann für Allergiker und Asthmatiker schnell unangenehm werden. Um diese Stigmatisierung zu umgehen, rät Löhler den Betroffenen zum einen, die verordneten Medikamente konsequent einzunehmen, um die Symptome im Griff zu haben, und zum anderen: "Binden Sie sich einen Mundschutz um und halten Sie den Sicherheitsabstand ein. Damit signalisieren Sie anderen Menschen, dass Sie sich Gedanken gemacht haben." Dabei reiche schon ein selbstgemachter Mundschutz.

Ohnehin könne ein Mundschutz Allergikern helfen, so der Arzt. Je nach Schutzklasse hindern die Masken virushaltige Tröpfchen und auch Pollen daran, in die Atemwege und an die Schleimhäute zu gelangen. Allerdings sind Atemschutzmasken in Deutschland seit geraumer Zeit Mangelware – auch für HNO-Ärzte wie Jan Löhler.

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