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OECD treibt Metropolregion Hamburg an

OECD treibt Metropolregion Hamburg an

OECD treibt Metropolregion Hamburg an

dpa
Seevetal
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5,3 Millionen Menschen leben in der Metropolregion Hamburg – rund 1,5 Millionen mehr als in der dänisch-schwedischen Öresundregion, die ganz Schonen und Seeland umfasst. Foto: Christoph Mahlstedt/Unsplash

Die Metropolregion Hamburg ist über Jahre immer weiter gewachsen. Ihr Kern ist die Hansestadt, hinzu kommen die Gebiete angrenzender Bundesländer. Laut OECD muss kleinteiliges Denken abgestellt werden.

Für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Metropolregion Hamburg (MRH) zwischen Cuxhaven und Parchim, Neumünster und Uelzen müssen nach Auffassung der OECD Grenzen im Planen und Handeln überwunden werden. „Think big! In größeren Kategorien zu denken, grenzüberschreitend zu planen und zu kooperieren - darin liegt der Schlüssel, um die Metropolregion noch erfolgreicher, attraktiver und nachhaltiger zu gestalten“, sagte der stellvertretende Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Ludger Schuknecht, am Montag im niedersächsischen Seevetal.

„Der OECD-Bericht bringt Stärken und Schwächen klar auf den Punkt“, lobte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die rund 200 Seiten starke Analyse der Organisation. Sie gibt mehr als 50 Empfehlungen zu Innovation, Bildung und Fachkräfte, Digitalisierung, Wohnraum- und Verkehrsplanung, erneuerbare Energien sowie Kultur- und Tourismusmarketing. Die OECD schlägt unter anderem den Aufbau einer Innovationsagentur sowie für die Verkehrs-, Wohnungs- und Raumplanung einen regionalen Planungsverbund vor - statt „fragmentierter Raumplanung“.

Richtige Schlussfolgerung ziehen

Für den niedersächsischen Landeschef beginnt nach der OECD-Vorlage nun die wichtige Phase, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und diese dann umzusetzen. Er will in Zeiten des Klimawandels vor allem Potenziale der Windenergie („Der Wind ist der Rohstoff des Nordens“) und der Wasserstoff-Technologie nutzen. „Wir müssen die Ökologisierung unserer Industrie vorantreiben, dann machen wir es richtig.“

Nach den Worten von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) belegt die Studie die Richtigkeit der Entscheidung, auf die Metropolregion Hamburg zu setzen. „Alle Beteiligten profitieren von der Zusammenarbeit“, erklärte sie in Schwerin. Aufgrund ihrer Eignung für die Erzeugung von Strom aus Windenergie und ihrer industriellen Basis habe die Region das Potenzial, einer der Weltmarktführer auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien zu werden. „Mecklenburg-Vorpommern setzt schon seit vielen Jahren auf die erneuerbaren Energien. Sie sind wichtig für den Klimaschutz. Und sie schaffen und sichern wertvolle Arbeitsplätze auch bei uns im Land“, sagte Schwesig. Eine Schlüsselrolle komme dabei der Wasserstofftechnologie zu, an der auch im Norden geforscht wird.

Bei Digitalisierung noch Luft nach oben

Nach Meinung Weils gibt es etwa bei der Digitalisierung vor allem in ländlichen Gebieten „noch Luft nach oben“. Ebenso müsse die Region beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur schneller vorankommen, ergänzte der aus Hannover angereiste Ministerpräsident, der sich zur Regionalkonferenz durch Stau auf der A7 verspätete. Doch bis neue Schienen oder Straßen von Pendlern und Reisenden genutzt werden können, vergehen meist Jahre bis Jahrzehnte.

Die MRH mit rund 5,3 Millionen Einwohnern in vier Bundesländern, 20 Kreisen bzw. kreisfreien Städten und mehr als 1000 Kommunen ist die erste deutsche Region, die sich einer kritischen Betrachtung durch die OECD gestellt hat, die weltweit Regionen untersucht. Diese hält fest, dass die MRH hinter süddeutsche Regionen zurückgefallen ist, obwohl es hierfür eigentlich keinen Grund gebe, resümierte der OECD-Vertreter.

Deutschlands größter Hafen, leistungsstarke Wirtschaftscluster wie maritime Wirtschaft, Luftfahrt und erneuerbare Energie, Großunternehmen und Startups, renommierte Forschungsinstitute wie European XFEL und DESY, die Lage am Handelskorridor zu Skandinavien sowie eine hohe Lebensqualität zeichnen die Region aus - und dennoch: die Arbeitsproduktivität liege hier niedriger als in den Regionen München, Stuttgart, Göteborg, Kopenhagen und Rotterdam, so die OECD.

„Das Momentum nutzen“

„Wir müssen das Momentum nutzen“, gab sich der Vorsitzende des Regionsrates, Hamburgs Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD), nach der OECD-Lektüre zuversichtlich. Für ihn wäre es wichtig, aus den Innovationsstrategien der Länder zusammenzuführen, „was zusammenpasst“, vor allem im Bereich erneuerbare Energien. Dann hätte die Metropolregion die Chance Weltmarktführer in dem Bereich zu werden. Neue Gremien in der MRH machen aus Rieckhofs Sicht jedoch nur Sinn, „wenn sie auch Beschlusskompetenz haben.“

Doch dazu müsste wohl der ein oder andere Kommunalvertreter eigene Interesse zuweilen hinten anstellen - zumindest auch beim Blick auf Forderungen der Hamburger FDP-Fraktion. Die Metropolgesellschaft müsse zu einer Innovationsagentur ausgebaut werden, große Tourismusprojekte fördern, eine gemeinsame Landesplanung und Ansiedlungspolitik betreiben sowie die Verbindungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft stärken. „Nur so hat Hamburg die Chance, in Zukunft Boden gegenüber anderen Metropolregionen gutzumachen“, meinte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Kruse. „Eine gemeinsame Perspektive zu bekommen, ist ein gewisse Herausforderung“, räumte Niedersachsens Staatssekretärin Anke Pörksen angesichts der OECD-Empfehlungen ein. «Ein Aufgabenkatalog, der es in sich hat». Am Wirtschaftswachstum wird sich künftig unter anderem ablesen lassen, wie die Metropolregion vorangekommen ist.

OECD-Studie zur Metropolregion Hamburg

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