Sportplan für Schleswig

Es fehlt an Sportanlagen in der Stadt

Es fehlt an Sportanlagen in der Stadt

Es fehlt an Sportanlagen in der Stadt

Joachim Pohl/shz.de
Schleswig
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Skateanlage Königswiesen: Auch sie zählt zu den Sportanlagen neueren Typs. Foto: Marle Liebelt

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Die Schleswiger sind sportlich – aber es fehlt an Sportanlagen im öffentlichen Raum. Jetzt liegt ein Konzept vor.

Schleswig ist nicht nur eine freundliche Kultur- und eine Wikingerstadt. Schleswig ist auch eine sehr sportliche Stadt. Das jedenfalls haben die Sportwissenschaftler um Professor Michael Barsuhn vom Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung Potsdam (Inspo) herausgefunden. Nach rund zweijähriger Arbeit haben sie jetzt ihren Vorschlag für einen langfristigen Sportplan für die Stadt vorgelegt. Tenor: Die Schleswiger sind sportlich aktiver als der Durchschnitt – und das, obwohl es an Sportanlagen fehlt.

83 Prozent der Schleswiger sind aktiv.

Demnach sind 83 Prozent der Schleswiger aktiv: 42 Prozent bewegungsaktiv, 41 Prozent sportaktiv und nur 17 Prozent inaktiv. Die Vergleichswerte für den Bundesdurchschnitt liegen bei 44, 36 und 20 Prozent. Mit 20 Prozent sind auch mehr Schleswiger in Sportvereinen organisiert als im Bundesschnitt (16 Prozent).

„Im Ergebnis kann die Stadt Schleswig auf viele Bereiche stolz sein, in denen Themen wie Sport und Bewegung sowie die damit verbundene Gesundheitsförderung bereits aktiv angegangen und erfolgreich umgesetzt werden,“ so der wissenschaftliche Leiter Michael Barsuhn. Positiv sei u. a. der hohe Kooperations- sowie Vernetzungsgedanke der Sportvereine untereinander sowie mit weiteren sozialen Einrichtungen wie bspw. Schulen hervorzuheben. „Dies ist eine klare Botschaft der Vereine, dass sie sich mit den gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen und deren Einflüsse auf ihre Vereinsarbeit auseinandersetzen. Das betrifft neben dem gesellschaftlichen Megathema des demografischen Wandels auch zunehmend die nach wie vor anhaltenden Auswirkungen der Pandemie.“

Es dominieren vor allem Sportformen mit gesundheitlichem Körperbezug, individuellen Leistungskomponenten und Naturbezug.

Auszug aus der Präsentation des Instituts für kommunale Sportentwicklungsplanung

In einem ersten Schritt hatte das Institut den Ist-Zustand analysiert und die Sport-Infrastruktur in der Stadt ermittelt. Demgegenüber stellte es die tatsächlichen sportlichen Aktivitäten der Einwohner, die im Rahmen einer großen Befragung ermittelt wurden. Da wurden auch die Wünsche und Bedürfnisse abgefragt. Das Ergebnis: In Schleswig fehlen rund 570 Quadratmeter an Sporthallenfläche. „Sportinfrastrukturelle Defizite“ sehen die Potsdamer an der Grundschule Nord, der Bruno-Lorenzen-Schule sowie an Dom- und Lornsenschule.

Außerdem bilanzieren die Sportwissenschaftler, dass den Schleswigern ein Großspielfeld fehlt. Im Sinne des Fußballsports schlagen sie vor, entweder einen bestehenden Sportplatz mit einem Kunstrasenplatz aufzuwerten oder einen zusätzlichen Sportplatz anzulegen. Außerdem schlagen sie vor, die Möglichkeit einer sogenannten „Kalthalle“ zu prüfen; dabei handelt es sich um eine witterungsgeschützte, ganzjährig nutzbare Sportanlage. In Frage käme hierfür der Sportplatz der Domschule.

Wichtige Sportstätte in Schleswig: der Sportplatz der Lornsenschule, hier genutzt für die Abiturienten-Verabschiedung. Foto: SN

Unter dem Überschrift „Wandel der Sportarten“ beschreiben Barsuhn und seine Mitarbeiter, wie sich die Schleswiger bewegen und wie sich ihr Sportverhalten vom Bundesdurchschnitt unterscheidet. Beliebteste Sportarten in Schleswig sind demnach Radfahren (39 Prozent) , Fitness/Kraftsport (27), Laufen (19), Spazierengehen (19) und Schwimmen (15). Fußball liegt nur auf Platz 7 mit fünf Prozent, am Ende der Skala liegt Yoga mit zwei Prozent. Handball ist noch nicht einmal aufgeführt. Wenn man allerdings Spazierengehen, Wandern und Walken addiert, kommt man auf 29 Prozent – das wäre Platz 2.

Eine zentrale Aussage der Sportentwicklungsplanung betrifft die Orte sportlicher Aktivitäten. Sie verschieben sich immer mehr von nur eingeschränkt geöffneten und zugänglichen Hallen und Sportplätzen in den öffentlichen Raum, vor allem auf Grün- und Freiflächen. So sind Straßen und Radwege die am meisten genutzten Orte für Sport, gefolgt von Park- und Wanderwegen. Erst dann folgen Sporthallen, Fitness-Studios, Hallenbad und – das Zuhause. Am Ende der Skala rangieren Sportplätze und Tennisanlagen.

Kreative Ideen zur Umgestaltung von Freiflächen

Als Beispiel für eine sportkreative Aufwertung und Umgestaltung öffentlicher Park- und Sportanlagen nennt das Konzept das „Athletic Exploratorium“ in Odense. Die Fotos zeigen auf T-Trägern balancierende Senioren, über aufgespannte Leinen steigende Aktive, eine gebogene Holzbrücke und einen Läufer in einer sehr engen Steilkurve. Die Potsdamer nennen das eine „infrastrukturelle Aufwertung öffentlicher Grün- und Bewegungsräume“.

Beispiel für eine Freilufthalle bzw. Spielfeldüberdachung im Jahn-Sportpark Berlin (Bezirk Pankow), gebaut von „Ahner Landschaftsarchitektur“. Foto: INSPO e.V. / Part G. Prof. Rode / Prof. Barsuhn / Dipl.-Ing.

Zudem schlagen sie unter anderem vor, Sport- und Bewegungsangebote für Familien mit Kleinkindern und Kindern im Vorschulalter auszubauen. Die bestehende Arbeitsgruppe Sportentwicklungsplanung sollte fortgesetzt werden. Und nicht zuletzt empfiehlt das Inspo, den Sport mit einer Personalstelle zu stärken. Diese Fachkraft sollte sich in den kommenden Jahren um die Umsetzung der Planung kümmern.

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