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Deutscher Krisenmodus schwächt dänische Industrieproduktion noch nicht

Deutscher Krisenmodus schwächt dänische Industrieproduktion noch nicht

Deutsche Krise schwächt dänische Industrieproduktion nicht

Ritzau/nlm
Kopenhagen
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Während die Nachfrage nach deutschen Waren abnimmt, sinkt die Zahl dänischer Exporte bisher noch nicht. Foto: Ritzau Scanpix/Free

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Die hohen Energiepreise, die Materialknappheit und die Herausforderungen bei der Beschaffung von Rohstoffen sowie die weniger werdenden Aufträge stellen die deutsche Industrie vor große Probleme. Der deutsche Krisenmodus führt auch in Dänemark zu Sorgenfalten, obwohl die dänische Industrieproduktion noch immer wächst.

Die Belastungen durch die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und der Corona-Pandemie sind in den meisten Teilen der Welt auf vielen Ebenen spürbar. Die Preisexplosionen bei Energie und Rohstoffen, Lieferengpässe bei vielen Unternehmen und der Rückgang bei Aufträgen machen der exportorientierten deutschen Wirtschaft unter anderem schon seit Monaten zu schaffen.

Dänische Industrieproduktion wächst

Gründe dafür, dass die Produktion der dänischen Industrie somit ebenfalls gebremst sein müsste, gibt es viele. Der dänischen Industrie brechen aber bisher noch nicht die Aufträge weg, und auch die Produktion ist überraschenderweise nicht beeinträchtigt. Im August dieses Jahres stieg die Produktion der dänischen Industrie sogar um 2,6 Prozent. Dies zeigen Zahlen von „Danmarks Statistik“.

Deutsche Industrieproduktion sinkt

Auf der südlichen Seite der deutsch-dänischen Grenze ist die Industrieproduktion von Juli auf August hingegen um 0,8 Prozent gesunken. Und am Wirtschaftshimmel über Deutschland ziehen nach Meinung des Chefökonomen von „Dansk Industri“, Allan Sørensen, auch weiterhin dunkle Wolken auf.

„Deutschland steht vor großen wirtschaftlichen Problemen und zählt zu den OECD-Ländern, die in diesem Jahr voraussichtlich das geringste Wirtschaftswachstum erleben werden. Im kommenden Jahr werden die Herausforderungen für Deutschland sogar noch größer. Alle Prognosen weisen darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft 2023 massive Verluste hinnehmen muss“, meint Sørensen.

Die „OECD“ (Organisation for Economic Co-operation and Development) ist eine internationale Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit, der 38 Mitgliedstaaten angehören.

Wir verkaufen Kleidung, Möbel und Reisen an Deutsche, woran Dänemark üblicherweise 30 Milliarden Kronen jährlich verdient. In diesen Bereichen werden wohl auch in Dänemark Probleme auftreten ...

Las Olsen, Chefökonom von „Danske Bank“

Nachfrage hinsichtlich vieler dänischer Waren derzeit größer

Eine Ursache für die derzeitigen Unterschiede hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation in Deutschland und Dänemark ist, dass in Dänemark auch große Mengen an Waren produziert werden, bei denen die Nachfrage immer hoch ist – zum Beispiel Medizin. Die deutsche Wirtschaft wächst hingegen normalerweise besonders durch den Verkauf von Waren, bei denen die Nachfrage in Krisensituationen kleiner zu werden scheint – wie zum Beispiel bei Autos.

„Das ist aber nicht die einzige Ursache. Dänische Unternehmen haben zudem auch wirklich gute Arbeit geleistet“, sagt der Chefökonom von „Danske Bank“, Las Olsen. Nach Meinung von sowohl Olsen als auch Sørensen sei die Entwicklung auf deutscher Seite aber dennoch auch für die Zukunft der dänischen Wirtschaft besorgniserregend.

Dänische Wirtschaft auch in Gefahr

„Früher oder später wird auch die dänische Industrie vor große Herausforderungen gestellt, die Spuren hinterlassen werden. Zwar hat die Konjunktur nicht so einen großen Einfluss auf die Produktion von Medizin, Windrädern und Lebensmitteln, doch in Dänemark werden auch viele Baumaterialien, Elektronik, Metall und Möbel hergestellt“, erklärt Olsen, demzufolge auch die finanzielle Schwächung deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher in Dänemark zu spüren sein wird.

„Wir verkaufen Kleidung, Möbel und Reisen an Deutsche, woran Dänemark üblicherweise 30 Milliarden Kronen jährlich verdient. In diesen Bereichen werden wohl auch in Dänemark Probleme auftreten, da damit gerechnet werden muss, dass Deutsche in den kommenden Monaten sparsamer mit ihrem Geld umgehen werden“, so Olsen.

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