Resozialisierung

Der Sommerhit: Eis aus dem Gefängnis

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Nyborg
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Eis aus dem Gefängnis verkauft sich derzeit gut. Foto: Vibeke Volder/Ritzau Scanpix

Dänemarks Häftlinge liegen in der Sommerhitze nicht nur im Schatten der Schwedischen Gardinen. Sie produzieren Möbel, Kleidung, Öko-Gemüse – und tonnenweise Sahneeis.

Der dänische Strafvollzug ist längst kein reines Absitzen mehr. In den Haftanstalten werden Waren für den freien Markt produziert – und das mit teilweise beachtlichem Erfolg. So werden zum Beispiel im Gefängnis von Nyborg auf Fünen zwölf verschiedene Sorten Eis, vier Sorten Marmelade und neun Sorten gefüllter Schokolade hergestellt.

Innerhalb von drei Monaten hat die „Tuff Food“ genannte Marke aus dem Knast mehr als 2.000 Liter Eis und 6.000 Gläser Marmelade verkauft. Das teilt der Gefängnisverband mit. Und der nächste große Coup der Haftinsassen steht bevor: Die Supermarktkette Coop testet gerade die Marmeladen aus dem Gefängnis und erwägt, sie ins Sortiment aufzunehmen.

„Wir finden, dass wir eine gute Geschichte erzählen"

„Wir haben einen etwas anderen Arbeitsplatz und verheimlichen nicht, wo unsere Produkte herkommen, oder wie sie hergestellt wurden“, sagt Tom Kirkeby Rasmussen, Werkmeister bei Tuff Food und Mitinitiator des Projektes. „Wir finden, dass wir eine gute Geschichte erzählen, und das finden die Läden und Kunden auch“, sagt er.

Die Idee hinter den Produktionsstätten hinter Gittern: Resozialisierung. Die Insassen sollen auf die Wirklichkeit vorbereitet werden, die sie in Freiheit erwartet. Sie erhalten einen symbolischen Lohn, während die Produkte zu Marktbedingungen angeboten werden – wodurch der Wettbewerb mit Privatunternehmen nicht verzerrt werden soll.

Der Stundenlohn in der Eisfabrik vom Nyborger Gefängnis liegt zum Beispiel bei rund 10 Kronen (ca. 1,30 Euro), ein Becher Eis von 1,2 Litern wird für zwischen 55 und 60 Kronen verkauft. „Wir legen ein Paar Prozent extra auf den Preis und gleichen uns damit an den Normalpreis am Markt an“, sagt Rasmussen.

1.000 Gefangene arbeiten täglich

Die Eisfabrik von Nyborg ist nur eines von vielen Beispielen für Produktionsstätten hinter Gittern in Dänemark.

  • Rund 1.000 Gefangene sind in Dänemark beschäftigt
  • Die Betätigungsfelder: Verpflegung, Öko-Gärtnerei und Öko-Landwirtschaft, grafische Erzeugnisse, Metall-, Textil- und Holzverarbeitung, Verpackung
  • Die Werkstätten sollen weitestgehend Arbeitsplätzen in der Gesellschaft ähneln
  • Ziel ist es, den Insassen praktische und wirklichkeitsnahe Arbeitserfahrung zu geben
  • Die Produkte sollen den Marktanforderungen entsprechen
  • 1913 wurde unter dem Namen „Arbejdsdriften i Straffeanstalte“ mit dem Programm begonnen

Quellen: Kriminalforsorgen, Fængselsforbundet.

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