Bildungspolitik

Zwischen Märchen und Notwendigkeit

Zwischen Märchen und Notwendigkeit

Zwischen Märchen und Notwendigkeit

Kopenhagen/Odense
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Studierende an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kopenhagen Foto: Thomas Lekfeldt/Ritzau Scanpix

Der Regierung nach verlassen zu viele ausländische Studierende nach ihrem Abschluss Dänemark, die der Staat während des Studiums finanziell unterstützte. Deshalb sollen Universitäten nun Plätze in englischsprachigen Studiengängen streichen. Für die Radikalen ist die angeführte wirtschaftliche Belastung ein Märchen.

Die Regierung fordert Universitäten im Land auf, Studiengänge zu schließen, in denen auf Englisch unterrichtet wird. Dies berichtet die Zeitung Information, die Hochschulen im Land kontaktiert hatte. Die Reduktion der Studiengänge geschieht auf Anweisung des Ausbildungs- und Forschungsministeriums, das insgesamt 1.000 bis 1.200 Studienplätze bis kommendes Jahr einsparen will.

Hintergrund: Zum einen ist die Höhe der staatlichen Unterstützung SU für ausländische Studierende gestiegen, zum anderen zeigt eine Analyse, dass viele dieser Studierenden in englischsprachigen Studiengängen später nicht in Dänemark arbeiten, sondern das Gelernte in der Heimat anwenden. Auf diese Entwicklung wies im vergangenen Jahr der damalige Ausbildungs- und Forschungsminister Søren Pind (Venstre) hin, und der amtierende Minister Tommy Ahlers geht mit seinem Vorgänger d'accord. Er sagt: „Wir können nicht die Ausbildungsverpflichtung anderer Länder übernehmen.“

Das tut richtig weh, aber wir müssen die Order umsetzen.

Prodekanin Grete Bertelsen, Universität Kopenhagen

An der Universität Kopenhagen verschwinden Information zufolge 120 Studienplätze, vor allem in den Naturwissenschaften, weil dort oft die Unterrichtssprache Englisch ist. Die Prodekanin Grete Bertelsen ist darüber sehr verärgert. „Das tut richtig weh, aber wir müssen die Order umsetzen“, so Bertelsen.

Situation an der Syddansk Universität

An der Syddansk Universität steht noch nicht fest, wie die ministerielle Forderung umgesetzt wird. Die Verhandlungen dazu seien noch nicht abgeschlossen, heißt es aus der Presseabteilung der Universität. Nach Auffassung der Hochschule ist es generell keine gute Idee, eine Höchstgrenze für internationale Talente einzuführen. Die SDU stimmt mit der Regierung überein, in Zukunft ausländische Studierende besser zu binden und Studierende in die Bereiche zu lotsen, in denen ein Fachkräftemagel herrscht. Dieses Problem löse man aber nicht damit, die Menge an Talenten zu verkleinern.

Kritik an der Regierungsvorgabe kommt aus der Politik und aus dem Branchenverband Dansk Industri. Letzterer befürchtet, dass Dänemark Talente abhandenkommen. Die Partei der Radikalen ist gegen die Streichung. Deren ehemalige Ausbildungsministerin Sofie Carsten Nielsen nennt es ein Märchen, ausländische Studierende seien eine wirtschaftliche Belastung für Dänemark. Ihrer Ansicht nach haben die Verantwortlichen stattdessen die Aufgabe, eine Umgebung zu schaffen, in der man sich willkommen fühlt, und in der Studierende eine Verbindung zu den Unternehmen bekommen, in denen sie später arbeiten sollen. Die Dänische Volkspartei unterstützt den Kurs der Regierung.

Im vergangenen Jahr wurden bereits 1.765 Studienplätze in Gewerbeakademien (erhvervsakademi) geschlossen, dort war die Unterrichtssprache ebenfalls Englisch.

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