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Radikale ersetzen Mette Frederiksen mit Kristian Jensen

Radikale ersetzen Mette Frederiksen mit Kristian Jensen

Radikale ersetzen Mette Frederiksen mit Kristian Jensen

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Morten Østergaard
Morten Østergaard (l.) und Kristian Jensen. Foto: Scanpix

Zur Neujahrstagung der sozialliberalen Radikale Venstre wird dieses Jahr nicht die Vorsitzende der traditionell alliierten Sozialdemokraten kommen – sondern Finanzminister Jensen von der Regierungspartei Venstre. Zuvor hatte die Radikalen-Abgeordnete Nielsen gesagt, sie ziehe Jensens politisches Projekt dem der Sozialdemokraten vor.

Der Vorsitzende der Radikale Venstre, Morten Østergaard, hat am Sonnabend traditionsgemäß zwei Spitzenpolitiker anderer Parteien zum Neujahrsempfang der sozialliberalen Partei nach Nyborg eingeladen. Besonders ist, dass neben dem Vorsitzenden der nationalkonservativen Dänischen Volkspartei (DF), Kristian Thulesen Dahl, Finanzminister Kristian Jensen von der rechtsliberalen Venstre eingeladen wurde.

Wie der Pressesprecher der Radikalen, Andreas Hemmeth, mitteilt, lädt die Partei jedes Jahr die „relevantesten Akteure der dänischen Politik“ ein. In den vergangenen beiden Jahren war dies neben Thulesen Dahl die Vorsitzende der Sozialdemokraten, Mette Frederiksen. Wie die Sozialdemokraten mitteilen, sei Frederiksen auch dieses Mal eingeladen gewesen, habe aber wegen einer Auslandsreise absagen müssen.

Radikaler Flirt mit Kristian Jensen

Für die Radikalen und Kristian Jensen könnte sich der Empfang so zu einer Möglichkeit entwickeln, die Bande über die Grenzen zwischen blauem und rotem Block enger zu knüpfen. Die Sozialliberalen flirten bereits seit Jahren mit Kristian Jensen, den sie zweifelsohne lieber an der Venstre-Spitze sähen als den jetzigen Parteichef, Staatsminister Lars Løkke Rasmussen.

Im vergangenen April hatte die Partei gar eine ganzseitige Anzeige in der Tageszeitung Berlingske geschaltet, in der ein Bild Jensens mit der Aufschrift „Mach Dänemark größer“ zu sehen war.

In der Partei besteht weiterhin eine Mehrheit dafür, dass die Sozialdemokratin Mette Frederiksen die nächste Regierungschefin wird. Doch sollte Kristian Jensen den Parteivorsitz bei Venstre übernehmen, könnte sich dies ändern. „Dazu beziehen wir Stellung, wenn es soweit ist“, sagte Parteichef Østergaard im April zu Berlingske.

Dänische Volkspartei spaltet die Gemüter

Die Anzeige wurde geschaltet, nachdem die Radikale Abgeordnete und Ex-Ministerin Sofie Carsten Nielsen in Danmarks Radio gesagt hatte, dass sie das politische Projekt Jensens dem Frederiksens vorziehe. Die Sozialdemokraten sind unter ihrer Führung in den vergangenen beiden Jahren deutlich nach rechts gedriftet und haben ihre Zusammenarbeit mit DF intensiviert – was im übrigen roten Block, speziell bei den Sozialliberalen, nicht gut ankommt.

Zugleich ist das Verhältnis zwischen Venstre und DF angespannt, spätestens die Turbulenzen um Haushalt, Steuersenkungen und Ausländerpolitik im Herbst haben dies deutlich gemacht. Thulesen Dahl bezeichnete Jensen damals als „Hemmschuh“ für die Verhandlungen, der Finanzminister habe die Signale von DF nicht gut genug deuten können. Schließlich musste Regierungschef Løkke die Verhandlungen persönlich führen.

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