Wirtschaft

Grenzhandel lockt noch immer

Helge Möller
Helge Möller Journalist
Kopenhagen
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Foto: dpa

Mit Steuersenkungen wollte die Regierung den Strom kaufwilliger Dänen über die Grenze weiter bremsen. Dies scheint nicht zu wirken.

Trotz Senkung der Abgaben queren Dänen immer noch gern die deutsch-dänische Grenze, um sich mit Süßwaren, Wein, Mineralwasser und Tabak einzudecken, berichtet Danmarks Radio. Die Grenzhandelsunternehmen Fleggaard, Calle sowie Scandlines Bordershop melden nicht nur gleichbleibende Kundenzahlen. „Unsere Geschäfte laufen noch besser als im vergangenen Jahr“, sagt Karsten Olsen, Direktor von Fleggaard zum Sender.

Der Plan der Regierung war ein anderer. Insgesamt sollten 65 Abgabenänderungen im sogenannten Grenzhandelspaket (grænsehandelspakke), welches die Regierung mit der Dänischen Volkspartei und den Radikalen im November vergangenen Jahres beschloss, dafür sorgen, den Strom der Dänen über die Grenze einzudämmen.

Eine geplante Erhöhung der Abgaben auf Schokolade, Kaffee und Süßwaren, die ab Neujahr 2018 in Kraft treten sollte, sagte die Regierung ab. Die Steuern auf Nüsse, Tee und alkoholische Erfrischungsgetränke wurden entweder bereits gesenkt oder werden abgeschafft.

DR zufolge entgehen dadurch dem Staat 310 Millionen Kronen Steuereinnahmen im Jahr 2018, ab 2020 muss der Staat ein Minus von 605 Millionen Kronen pro Jahr hinnehmen.

Kein bloßes Kaufen, sondern ein Ritual

Der Direktor von Fleggaard sieht die Sache gelassen. „Egal, ob Steuern rauf oder runter gehen, unsere Umsätze steigen. Denn wenn über die Abgaben gesprochen wird, sehen die Verbraucher, wie viel sie sparen können, wenn sie über die Grenze fahren“, sagt Karsten Olsen zu DR. Seinen Worten nach stieg der Verkauf von Nüssen in der jüngsten Vergangenheit, obwohl die Steuer in Dänemark halbiert wurde, um 2020 dann ganz abgeschafft zu werden.

Dannie Kjeldgaard, Professor für Verbraucherkultur an der Syddansk Universitet meint, dass die Regierung die Steuern schon sehr drastisch senken müsste, damit der Grenzhandel unrentabel wird – was sehr unwahrscheinlich sei. Kjeldgaard macht auch darauf aufmerksam, dass die Einkaufstour über die Grenze mehr sei als bloßes Kaufen, es sei ein Ritual.

Allerdings ist auf längere Sicht der Grenzhandel mit Genussmitteln seit Anfang der 2000er Jahre um fast die Hälfte geschrumpft.

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