Arktis

In Grönland zeichnet sich ein Machtwechsel ab

In Grönland zeichnet sich ein Machtwechsel ab

In Grönland zeichnet sich ein Machtwechsel ab

Nuuk
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Trotz miserabler Umfragen, setzt Siumut-Chef Erik Jensen auf einen Wahlsieg. Foto: Emil Helms/Ritzau Scanpix

Am Dienstag gehen die Grönländer zu den Wahlurnen. Sollten sich die Umfragen bestätigen, droht der regierenden sozialdemokratischen Regierungspartei Siumut eine herbe Wahlniederlage.

Mitte Februar hatte der grönländische Premierminister Kim Kielsen von der sozialdemokratischen Partei Siumut vorgezogenen Wahlen für den 6. April ausgeschrieben.

Sollte sich eine Umfrage, die das Medienhaus Sermitsiaq.AG am 2. April veröffentlicht hat, bewahrheiten, so könnte die linke Partei Inuit Ataqatigiit (IA) die Regierungsmacht übernehmen.

Laut Umfrage hat IA einen Vorsprung von mehr als zehn Prozentpunkten vor Siumut. Sollte dies geschehen, wäre es fast schon ein historisches Ereignis. Denn seit Grönland 1979 die Selbstverwaltung erhielt, hat Siumut bis auf vier Jahre durchgängig die Regierung geleitet.

Unsichere Prognosen

Trotz des deutlichen Vorsprungs warnen politische Beobachter jedoch davor, das Ergebnis als gegeben zu betrachten. Den zum einen hat ein Drittel der Wählerinnen und Wähler sich noch nicht entschieden und zum anderen hat Siumut bei den drei vorherigen Wahlen einen Rückstand im Endspurt wettgemacht.

„In allen anderen Ländern würde man wohl sagen, IA's Sieg ist sicher. Aber es ist wichtig zu bedenken, dass die Prognosen für Siumut früher häufig zu niedrig lagen“, sagt Rasmus Leander Nielsen von der Universität in Nuuk zu „Politiken“. Er hat die Durchführung der Umfrage geleitet.

Uran als Wahlthema

Die vorgezogenen Wahlen wurden teils durch interne Querelen bei Siumut und, teils durch die Diskussion über ein umstrittenes Minenprojekt ausgelöst.

Im Herbst wurde Kim Kielsen als Vorsitzender von Siumut gekippt und durch seinen Kritiker Erik Jensen ersetzt. Kielsen blieb jedoch zunächst Regierungschef, in Grönland Vorsitzender des Naalakkersuisut genannt.

Die umstrittene Mine ist in Südgrönland beim Fjeld Kuannersuit (Kvanefjeldet) geplant. Hier sollen seltene Erden und Uran gewonnen werden. Siumut hat bislang die Uran-Gewinnung eindeutig befürwortet, doch der neu Vorsitzende Jensen ließ Unsicherheit darüber aufkommen.

Die Streitigkeiten bei Siumut und die Diskussion über das Minenprojekt führten dazu, dass die sozial-liberalen Demokraten die Koalition aufkündigten und Siumut somit die Mehrheit abhandenkam.

Siumut setzt weiter auf Sieg

Trotz der schlechten Umfragen zeigt sich Siumut-Chef Jensen kämpferisch.

„Wir sind nicht überrascht, denn vor Wahlen wird Siumut immer ein deutlicher Rückgang prognostiziert. Aber ich weiß, dass unsere Parteifreunde und Kandidaten hart daran arbeiten, das beste Ergebnis jemals zu erzielen“, sagt er dem grönländischen Sender „KNR“.

In Grönland ist zunächst die größte Partei am Zug, die Regierung zu bilden. Sowohl IA als auch Siumut wären auf einen oder mehrere Koalitionspartner angewiesen.

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