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Immer weniger bekommen Heimhilfe

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Kopenhagen
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Foto: dpa

Von Frauen über 65 erhielten 2016 nur noch 13,7 Prozent „Hjemmehjælp“– 2010 noch 20 Prozent. Die Seniorenorganisation Ældre Sagen meint, es sei eine schockierende Tendenz.

Von Frauen über 65 erhielten 2016 nur noch 13,7 Prozent „Hjemmehjælp“– 2010 noch 20 Prozent. Die Seniorenorganisation Ældre Sagen meint, es sei eine schockierende Tendenz.

Neue Zahlen von Danmarks Statistik zeigen, dass in Dänemark immer weniger Menschen Unterstützung durch die kommunale Heimhilfe bekommen. Dabei steigt wegen der sich erhöhenden Lebenserwartung die Gesamtzahl der Senioren, die vor allem als Hochbetagte auf Unterstützung angewiesen sind. Während 2010 noch fast 20 Prozent der Frauen, die älter als 65 sind, in Dänemark kommunale Heimhilfe bekamen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 13,7 Prozent. Bei Männern war der Anteil von fast 10 auf 7,4 Prozent gesunken.

Der bei der Seniorenorganisation ÆldreSagen für den Bereich Heimhilfe und Rehabilitation zuständige Fachmann Olav Feldbo spricht von einer schockierenden Entwicklung. „Die Zahl der älteren Menschen steigt ständig, zugleich kommen im Rahmen der Bemühungen, die älteren Menschen länger in ihren eigenen Wohnungen leben zu lassen und die Selbstständigkeit zu trainieren, weniger Senioren in Pflegeheime“, so Feldbo und verweist darauf, dass bei immer mehr älteren Menschen, denen die Heimhilfestunden verweigert oder gekürzt werden, Angehörige einspringen. Und nur ein kleinerer Teil der Senioren kauft sich privaten Service. Prekär sei die Situation oft für Senioren, die keine Kinder haben oder deren Angehörige weit entfernt leben.

Nach Angaben von Danmarks Statistik kommen vor allem alleinstehende Senioren in den Genuss von kommunaler Heimhilfe.
Der deutlich höhere Anteil von Frauen, die „Hjemmehjælp“ erhalten, erklärt sich durch die Tatsache, dass besonders viele Frauen über 80 Jahre allein leben und Unterstützung benötigen. Während unter den Männern über 70 Jahre 16 Prozent Witwer sind, berichtet Danmarks Statistik unter den Frauen über 70 Jahre von einem Anteil, der verwitwet ist, in Höhe von 41 Prozent. Auffallend ist auch, dass nur 3,2 Prozent der Männer über 70 Heimhilfe bekommen, wenn diese mit einer Partnerin zusammenleben.

Olav Feldbo unterstreicht, dass es sinnvoll sei, die älteren Menschen dabei zu unterstützen, sich so lange wie möglich selbst versorgen zu können. Auch gebe es Erfolge bei den Bemühungen um ein „gesundes Altern“. „Es kommen aber vor allem sehr alte Menschen in die Situation, dass sie Unterstützung durch Heimhilfe benötigen“, betont Olav Feldbo. „Die aktuell gute wirtschaftliche Lage gibt Spielraum für mehr Service für die steigende Zahl älterer Menschen in Dänemark“, so der Experte und erinnert daran, dass die Kommunen vor allem seit der Wirtschafts- und Finanzkrise im Bereich der Älterenunterstützung Geld eingespart haben. Er verweist darauf, dass allein in den Jahren 2008 bis 2015 landesweit sechs Millionen Heimhilfestunden weggespart worden sind.

In Nordschleswig werden die Kommunen Tondern, Apenrade und Sonderburg weniger Geld für die Altersgruppe über 80 Jahre ausgeben als im Vorjahr. Nur in Hadersleben steigen die Ausgaben. Feldbo hofft, dass mit den Sondermitteln aus den Etats „Ældremilliard“ und „Værdighedsmilliard“ eine Trendwende eingeläutet wird. So ist 2016 erstmals die absolute Zahl der Heimhilfeempfänger, sie lag bei 123.334, nicht gesunken.

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