Botschafter Meitzner

„Das deutsch-dänische Fundament ist fest und stabil“

„Das deutsch-dänische Fundament ist fest und stabil“

„Das deutsch-dänische Fundament ist fest und stabil“

Kopenhagen
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Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Andreas Meitzner und seine Frau Agnes, verabschiedeten sich aus Kopenhagen. Zum Empfang in der Residenz des Botschafters kamen unter anderem der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, und seine Frau Micky. Foto: Gwyn Nissen

Nach zwei Jahren als Botschafter in Kopenhagen kehrt Andreas Meitzner zum Ende des Monats nach Berlin zurück und tritt in den Ruhestand. Was er aus Dänemark mitnimmt, erzählte er vor seinem Abschiedsempfang dem Chefredakteur Gwyn Nissen im Interview.

Andreas Meitzner war 38 Jahren im diplomatischen Dienst. Die letzten zwei Jahre hat er als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kopenhagen verbracht. Ende des Monats kehrt er mit seiner Frau Agnes nach Berlin zurück und geht in Pension. Was nimmt der Botschafter nach zwei Jahren aus Dänemark mit?

„Jede Menge tolle Eindrücke. Meine Frau und ich sind quer durchs Land gereist und haben uns in Dänemark geradezu verliebt. Wir waren in Skagen, in vielen anderen Teilen Jütlands, auf Fünen und Bornholm ist inzwischen unsere Lieblingsurlaubsdestination geworden. Ich war auf den Färöer Inseln und habe mich dort über die wirtschaftlichen Perspektiven informiert, und auch Grönland war für meine Frau und mich eine ganz tolle Erfahrung. Das sind die persönlichen Eindrücke, die ich mit mir nehme. Dann natürlich die exzellenten Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern, die ungeachtet dessen, dass in Deutschland und Dänemark Wahlen waren, unbeschadet fortgeführt wurden – mit welcher Regierungskonstellation auch immer. Das Fundament ist so fest und stabil, da freut es mich wirklich, dass wir Irritationen und Belastungen aus der Vergangenheit endgültig hinter uns gelassen haben. In einem anderen Zusammenhang habe ich bereits gesagt, dass ich als erster deutscher Botschafter zum Haderslebener Lysfest eingeladen wurde. Das war ein wichtiges Symbol und eine wichtige Geste uns gegenüber zu sagen: wir sind soweit, dass wir diese Vergangenheit nicht hinter uns lassen, aber gemeinsam begehen können und gemeinsam die Lektionen daraus ziehen können.“

„Ein tolles Programm für 2020“

Laut Andreas Meitzner kulminiert die deutsch-dänische Zusammenarbeit 2020, wenn Dänemark das Genforenings-Jahr feiert (die Wiedereingliederung Nordschleswigs in Dänemark) und gleichzeitig das Deutsch-Dänische Kulturelle Freundschaftsjahr stattfindet.

„Das hat uns ziemlich auf Trab gehalten, aber ich finde, es ist aus den Bestrebungen ein rundes Ergebnis geworden. Wir haben ein tolles Programm mit verschiedensten Veranstaltungen vor uns“, freut sich Meitzner über sowohl dänische, deutsche, als auch gemeinsame Schwerpunkte.

Im November wird die McGregor-Ausstellung „Memories of a Nation“ (Erinnerungen einer Nation) in einer adaptierten Ausgabe im dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen von den Außenministern Deutschlands und Dänemarks eröffnet, wenige Wochen später findet die erste große, offizielle Genforenings-Feier statt. Im Frühling kommt das Thalia-Theater auf Gastbesuch, im Juni steigt das Knivsbergfest bei dem hochrangiger Besuch aus Deutschland und Dänemark erwartet wird, um 100 Jahre deutsche Minderheit in Nordschleswig zu feiern, dann folgt die Eröffnung des neuen Museums der Minderheit in Sonderburg/Sønderborg.

„Wir werden das deutsch-dänische Freundschaftsjahr über das ganze Jahr hinweg feiern – und im ganzen Land“, sagt Meitzner. „Wir stellen dabei die deutsch-dänische Partnerschaft und Nachbarschaft in den Mittelpunkt, während im Januar und Juli das Thema der Wiedervereinigung aus der Sicht Dänemarks im Mittelpunkt steht. Das hat aber zu keinem Zeitpunkt zu Irritationen geführt. Von dänischer Seite wurde von vorneherein gesagt, dass es der deutschen Seite frei sei zu sagen, an welchen Veranstaltungen wir teilnehmen möchten und wo wir das Gefühl haben, das ist ein wenig schwierig für uns, wenn es zu stark auf das Thema Wiedervereinigung und einen Rückblick auf die Geschichte zielt. Es war völlig klar, dass man von dänischer Seite auch Rücksicht nimmt auf deutsche Empfindlichkeiten.“

Sie sind sicherlich mit Erwartungen und Vorstellungen nach Kopenhagen gereist. Was hat sie während der zwei Jahre hier überrascht?

„Ich habe immer den Unterschied zu anderen Hauptstädten geschätzt, diesen Lebensstil. Hier ist es deutlich entspannter und lockerer, allein schon im Umgang der Menschen untereinander, das Duzen, die flachen Hierarchien – ich denke, das ist eine Besonderheit der dänischen Gesellschaft, von der wir viel lernen können. Auf der anderen Seite gibt es auch Dinge, wo ich mich am Anfang gefragt habe: Muss das sein? Die Arbeitszeiten sind sehr arbeitnehmerfreundlich, gerade bei Handwerkern und Dienstleistungsbetrieben – da würde man sich manchmal etwas mehr Flexibilität wünschen. Ansonsten sind die Eindrücke, die ich und meine Frau mitnehmen, durchweg positiv. Wir haben viele Delegationen aus Deutschland zu Besuch gehabt, die gekommen sind, um von den positiven Beispielen zu lernen. Die Städteplanung, das Fahrradwegenetz in Kopenhagen, die Digitalisierung, vor allem im Gesundheitswesen, wo Deutschland hinter Dänemark zurückhängt. Das waren immer wieder Aha-Erlebnisse für die Besucher. Das sind einige der positiven Seiten Dänemarks, die wir nach Deutschland kommunizieren konnten, was wichtig für uns ist, da die Errungenschaften der dänischen Wirtschaft vielleicht nicht allen in Deutschland so präsent sind.“

Das deutsch-dänische Verhältnis ist gut, aber welche Schritte sind nötig, um das Verhältnis weiterzuentwickeln?

„Im Bereich Europa und europäische Integration ist noch Luft nach oben, gerade auch im Verhältnis zu den dänischen Opt-Outs (den vier EU-Vorbehalten Dänemarks, Anm. Red.). Auf längere Sicht könnten sie ein Hindernis für eine noch engere Kooperation zwischen Dänemark und Deutschland darstellen. Die Tatsache, dass Dänemark nicht den Euro hat und dort nicht in den relevanten Gremien mitarbeiten kann, beschränkt die Möglichkeiten Dänemarks. Das gilt noch viel mehr im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, bei der Dänemark fast das einzige Land ist, das nicht an diesem verstärkten Zusammenarbeitsmechanismus beteiligt ist. Ich fand es gut, dass diese Frage auch Teil des EU-Wahlkampfs war und habe die Hoffnung, dass sich dies auf längere Sicht verändern kann. Die Europabegeisterung in Dänemark ist sehr groß, und je mehr man die Vorteile einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik sieht, um so schmerzlicher muss es für ein Land wie Dänemark sein, das Gefühl zu haben, nicht volles Mitglied zu sein. Vielleicht kann man mit diesem ersten Punkt beginnen und dann die weiteren Vorbehalte in kleinen homöopathischen Dosen aufnehmen. Es wird aber eine Weile dauern“, weiß Andreas Meitzner um die dänischen Besonderheiten, wenn es um EU-Themen geht.

Schaden Diskussionen über Grenzkontrollen, Wildschweinzaun, zweisprachige Ortsschilder und jetzt die Fahnenregeln dem deutsch-dänischen Verhältnis?

„Dänemark hat in Teilen der deutschen Öffentlichkeit ein Imageproblem bekommen, vor allem in Schleswig-Holstein, wo man die Grenzkontrollen als lästig ansieht und die Bevölkerung dort unmittelbar betroffen ist. Nach den Grenzpolizisten kamen Soldaten an der Grenze hinzu, was aus deutscher Sicht nicht optimal ist, dann die Grenzhäuser und schließlich der Wildschweinzaun. Aber es wird offen zur Sprache gebracht, wie zum Beispiel als Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther Staatsminister Lars Løkke Rasmussen in Kopenhagen besuchte. Von dänischer Seite wird dann erklärt, wieso und warum, und dass eben auch andere Länder wie zum Beispiel Frankreich und auch Deutschland selbst ebenfalls Grenzkontrollen durchführen. Aber so wird es zumindest angesprochen und auch der Wunsch artikuliert, dass man die Kontrollen perspektivisch vielleicht aufheben könne. Das sind keine Themen, die die Beziehungen in irgendeiner Weise belasten. Man zeigt sogar Verständnis für die andere Seite und lässt es damit auf sich beruhen.“

Welche Pläne haben sie für ihren nächsten Lebensabschnitt?

„Ich freue mich nach über 38 Jahren im diplomatischen Dienst eine neue Perspektive zu haben und Herr des eigenen Terminkalenders zu sein, sowie Hobbys, Neigungen, Sprachen und Reisen nachgehen zu können. Wir ziehen zurück nach Berlin, wo wir ein kleines Haus haben und wo unsere drei Kinder und unser Enkelkind wohnen. Das wird sicherlich auch Teil unserer Freizeit sein. Ansonsten habe ich mir nicht viel vorgenommen, sondern will sehen, in welchen Bereichen ich mich engagieren kann.“

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