Dansk-tysk med Matlok

Dänische Minderheit sollte evakuiert werden – nach Fünen und Westjütland

Dänische Minderheit sollte evakuiert werden – nach Fünen und Westjütland

Dänische Minderheit sollte evakuiert werden

DN
Kopenhagen
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König Frederik verabschiedet 1947 in Krusau die ersten dänischen Soldaten auf dem Weg nach Deutschland. Foto: Forsvarsakademiet

Im Zuge des Kalten Krieges gab es bisher unbekannte Pläne für eine Evakuierung der dänischen Minderheit aus Deutschland ins Königreich.

Der dänische Historiker und frühere Diplomat Peter Hertel Rasmussen aus Brede hat in einem Fernseh-Interview in der Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok“ auf DK4 ein bisheriges militärisches Geheimnis gelüftet. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Den danske Tysklandsbrigade 1947-1958“ verrät er, dass es 1951 Pläne gab, die dänische Minderheit im Landesteil Schleswig zu evakuieren – nach Dänemark!

Er sei selbst „sehr überrascht“ gewesen, als er bei den Nachforschungen zu seinem Buch auf diesen Plan aus dem Jahre 1951 gestoßen sei, der unter dem Decknamen „Sønderjyden“ lief und der im Zuge des Korea-Krieges von einem möglichen sowjetischen Angriff auf Schleswig-Holstein und damit auch auf die jütische Halbinsel ausgegangen war.

„Besondere Aufgabe"

Nach Angaben von Hertel Rasmussen wurde von den Militärs in Dänemark der Kolonnenchef N. Garde von „Civilforsvaret“ mit der – wie es hieß – „besonderen Aufgabe“ der Ausarbeitung von Plänen für den Fall X beauftragt. Einmal ging es um die Frage einer Evakuierung der vielen Einwohner von Hamburg und Lübeck, die offenbar in Dithmarschen angesiedelt werden sollten, insbesondere aber um die Evakuierung der Bewohner im östlichen Landesteil Schleswig. Dabei drehte es sich natürlich in erster Linie um die dänische Minderheit. Im Rahmen der Geheim-Operation „Sønderjyden“ sollte die dänische Minderheit im Landesteil Schleswig evakuiert werden – per Schiff nach Fünen und nach Westjütland!

Offenbar war man der Ansicht, rund 250.000 Menschen aus dem Landesteil Schleswig durchaus in Dänemark aufnehmen zu können, weil man zuvor eine ähnlich umfangreiche Aufgabe mit den deutschen Flüchtlingen im Lande gelöst hatte: 1949 hatte der letzte deutsche Flüchtling Dänemark verlassen. Die Nato-Pläne für den Ernstfall sahen drei Verteidigungslinien vor: am Nord-Ostsee-Kanal, bei Apenrade und hinter dem Limfjord in Nordjütland. Das dänische Militär sorgte für den Sprengstoff, der u. a. bei einem sowjetischen Angriff die Rendsburger Hochbrücke in die Luft sprengen sollte.

„Den danske Tysklandsbrigade 1947-1958“ ist eine Neuerscheinung aus der Feder des dänischen Historikers und früheren Diplomaten Peter Hertel Rasmussen aus Brede. Foto: DN

Im Interview mit Siegfried Matlok in Svanemøllens Kaserne berichtet Hertel Rasmussen, wie die dänische „Tysklandsbrigade“ 1947 politisch zustande kam. Ohne Vergleich, aber zwei Jahre nachdem deutsche Besatzungstruppen Dänemark verlassen hatten, schickte Dänemark auf Drängen der Briten eine Besatzungstruppe nach Deutschland mit Hauptsitz in Jever (Ostfriesland). Die dänische Regierung wollte in der damals so heiklen Grenzlandfrage wegen der dänischen Minderheit unbedingt eine Stationierung in Südschleswig vermeiden.

Dänische Truppen in Deutschland

Zunächst sorgten dänische Soldaten für Bewachung und Sicherheit, doch schon 1949 wurden die Truppen aus Jever nach Itzehoe verlegt, nun als „dänisches Kommando“, das auch militärische Aufgaben im Rahmen der Nato-Verteidigung übernahm, die damals einen sowjetischen Durchbruch in Schleswig-Holstein befürchtete. Erst 1958 räumte das dänische Militär sein Hauptquartier in Itzehoe; insgesamt wurden von 1947 bis 1958 rund 45.000 dänische Soldaten im Rahmen von „Tysklandsbrigaden“ in Deutschland eingesetzt.

Hier das DK4-Interview mit Peter Hertel Rasmussen.

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