Dansk-tysk med Matlok

Historiker: Jedes Minderheiten-Mitglied kostet jährlich 28.000 Kronen

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Jørgen Kühl spricht im Interview mit Siegfried Matlok auch über die deutsche Minderheit (Archivbild).

Der dänisch-südschleswigsche Minderheitenforscher Jørgen Kühl hat in einem „DK4“-Interview interessante Zahlen darüber vorgelegt, was die dänische und deutsche Minderheit auf beiden Seiten kosten – und kommt dabei zu einem bemerkenswerten Ergebnis.

Jedes Mitglied der Minderheiten südlich und nördlich der Grenze kostet jährlich durchschnittlich 28.000 Kronen (gut 3.700 Euro). Das hat der Historiker und Minderheitenforscher Jørgen Kühl errechnet, der in einem Interview des Fernsehsenders „DK4“ auf die große Bedeutung externer-ökonomischer Verhältnisse für das Modell im deutsch-dänischen Grenzland hingewiesen hat. 

„Wenn Dänemark und Westdeutschland bzw. das heutige Deutschland nicht zu den reichsten Ländern der Welt gehört hätten, dann wäre es nicht möglich gewesen, die auf beiden Seiten der Grenze entstandenen Parallel-Gesellschaften der Minderheiten zu finanzieren“, betonte der Historiker Kühl im TV-Programm „Dansk-tysk med Matlok“. 

Integration und Segregation

Im deutsch-dänischen Grenzland sei es nach den Worten des auch international anerkannten Minderheitenforschers aus Schleswig (Slesvig) gelungen, „Integration via Segregation herzustellen durch eine Vielzahl eigener Institutionen, aber Vergleichbares in anderen Grenzgebieten Europas zu erreichen ist ja schwierig, wenn man nicht zwei Staaten zur Verfügung hat, die sich diese finanzielle Unterstützung leisten können“.  

Kühl: „Ich habe mal versucht, die Ausgaben für den Betrieb der beiden Minderheiten zu errechnen und komme – seltsam genug – zu dem Ergebnis, dass die Ausgaben für beide Minderheiten fast identisch sind, nämlich 28.000 Kronen jährlich pro Minderheiten-Mitglied. Davon fließt der größte Teil in die Bildungseinrichtungen.“

Dänemark zahlte Löwenanteil für beide Minderheiten

Vom Moderator Siegfried Matlok darauf hingewiesen, dass bei diesen Zahlen doch wohl zu berücksichtigen sei, dass das Königreich Dänemark jahrelang den Löwenanteil der Zuschüsse für beide Minderheiten im Grenzland geleistet hat und diese Tatsache just vom sozialdemokratischen Folketingsabgeordneten Jesper Petersen öffentlich kritisch beanstandet worden ist, sagte Kühl:  „Der Anteil Dänemarks an der Finanzierung der deutschen Minderheit liegt bei 57-58 Prozent, der bundesdeutsche Anteil hingegen bei ca. 20 Prozent. 4 Prozent sind Zuschüsse des Landes Schleswig-Holstein, und der Rest stammt aus eigenen Mitteln. 

Was die dänische Minderheit angeht, so ist hier eine Entwicklung festzustellen. 

Der deutsche Anteil am Gesamthaushalt liegt bei ca. 43-44 Prozent und entspricht damit auch dem Anteil des dänischen Staates an Südschleswig. Die restlichen Mittel sind Eigenbeiträge wie Kontingente etc. 

Wenn man die gesamten Beträge inklusive Eigenmittel dividiert, also auf die rund 50.000 zur dänischen Minderheit zählenden Personen sowie auf die rund 15.000, die zur deutschen Minderheit in Nordschleswig gehören, dann kommt man, wie gesagt, auf einen Durchschnittsbetrag pro Kopf in beiden auf 3.700 Euro.“ 

Kühl erinnert an eine offizielle Berechnung über die Zuschüsse und Ausgaben der beiden Minderheiten, die in den Jahren um 2000 herum durchgeführt wurde. Damals kam man zu dem Ergebnis, dass der dänische Staat sowohl an die dänische Minderheit als auch an die deutsche Minderheit den Löwenanteil getragen hat, nämlich etwa 60 Prozent aller Ausgaben auf beiden Seiten. Das fand man aber auf deutscher Seite eigentlich ganz nett“, so Kühl mit einem Lächeln. 

Jesper Petersens Brief und der Minderheiten-Campus 

Für ihn war es deshalb sehr interessant, dass der sozialdemokratische Folketingsabgeordnete aus Nordschleswig, Jesper Petersen, der Vorsitzender des Unterausschusses für die deutsche Minderheit im Folketing ist, kürzlich vor diesem Hintergrund einen Brief an den Minderheitenbeauftragten der Bundesregierung geschrieben hat. Und just wenige Tage später fand in Berlin dann die sogenannte Bereinigungssitzung über den Bundeshaushalt statt, in der plötzlich eine Bewilligung in Höhe von rund 100 Millionen Kronen für den Bau eines Campus der deutschen Minderheit in Apenrade beschlossen wurde, um diese Balance zu korrigieren.  

„Der Hinweis des dänischen Folketingsabgeordneten auf diese Entwicklung hat also ganz offenbar in Berlin Eindruck hinterlassen“, erklärte Jørgen Kühl abschließend.