Südschleswig

Dänischer Kindergarten soll schließen: Parallelen zu Lunden und Rapstedt

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Timo Meisterknecht
Timo Meisterknecht ist einer von drei Elternvertretenden in dem Kindergarten auf Eiderstedt.

Auf beiden Seiten der Grenze kämpfen die Minderheiten derzeit um den Erhalt von Bildungseinrichtungen. Die Probleme ähneln sich – Sanierungsstau, fehlendes Fachpersonal und sinkende Kinderzahlen. Auch wenn die Gründe für Standortschließungen zunächst plausibel klingen, haben sie Folgen für die Minderheitengemeinschaft auf dem Land.

Die Debatte um die Schließung der Kindergärten in Lunden und Rapstedt (Ravsted) hat in der deutschen Minderheit den Kampfgeist vieler geweckt, die sich damit nicht abfinden wollen. Mit der Schließung würde die Minderheit im ländlichen Raum weiter ausbluten, sagen die Kritikerinnen und Kritiker, die sich für den Erhalt einsetzen. Wirtschaftlich sei es notwendig, halten die Entscheiderinnen und Entscheider dagegen. 

Doch nicht nur Teile der deutschen Minderheit kämpfen um den Erhalt ihrer Institutionen, auch in Südschleswig gibt es einen ähnlich gelagerten Fall. Wie „Flensborg Avis“ berichtet, soll der dänische Kindergarten in Garding auf Eiderstedt (Ejdersted) schließen – oder zumindest „ruhen“, bis bessere Zeiten kommen. Das hat der Schulverein der dänischen Minderheit (Dansk Skoleforening) beschlossen. Schon ab Januar müssten Eltern ihre Kinder dann ins 12 Kilometer entfernte Tönning (Tønning) bringen, sollte es so weit kommen. 

Weil die Mädchen und Jungen nach dem Kindergarten ohnehin in die Schule nach Tönning müssen, hält man die Distanz für die Eltern für zumutbar. Außerdem sind beide Institutionen schon heute verknüpft und haben eine gemeinsame Leitung.

Parallelen zu Nordschleswig 

Einst gab es auf Eiderstedt fünf Minderheitenschulen, heute ist nur noch Tönning übrig. Die dänische Schule in Garding schloss 2008. Es sind Parallelen zu Nordschleswig erkennbar, wo kleine Schulen im ländlichen Raum ihre Türen nach und nach schließen mussten. 

Sinkende Kinderzahlen, hoher Sanierungsbedarf und die finanzielle Lage des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV) sind der aktuell voraussichtlich tödliche Cocktail für die beiden Minderheiten-Institutionen in Nordschleswig. Der Kindergarten in Wilsbek (Vilsbæk) ist den Entwicklungen bereits zum Opfer gefallen. Viele Verantwortliche und Eltern vor Ort wollen sich damit jedoch nicht abfinden und arbeiten emsig an einem Gegengift, um Lunden und Rapstedt doch noch zu retten.

Die Gründe in Garding sind allerdings nicht nur demografische, sondern vor allem Personalmangel. Daher ist es laut dänischem Schulverein nicht möglich, beide Institutionen zu betreiben. Zudem gebe es in Garding nicht genug Kinder für eine ganze Gruppe, heißt es. Die Kinder und das Personal zu sammeln, sichere verlängerte Öffnungszeiten und minimiere den Einsatz von Vikaren. Arbeitsplätze sollen daher nicht wegfallen. Eine Schließung sei das nicht, sondern eher eine Art Ruhezustand, erklärt es Kommunikationschef Daniel Dürkop gegenüber „Flensborg Avis“. Man hofft auf bessere Zeiten. 

Schwächung der Minderheit

Eltern sehen den Beschluss kritisch. Sie argumentieren, dass die Kinderzahl kein Grund für eine Schließung sein könne, denn es gebe sogar eine Warteliste für 2026, und die Gruppe in Garding sei quasi voll. Die Eltern geben an, dass die Anzahl sogar bis 2028 gesichert sei. Außerdem teilen sie mit, keinen Bedarf für verlängerte Öffnungszeiten zu haben. Generell kritisieren sie die öffentliche Kommunikation des Schulvereins.

Elternvertreter Timo Meisterknecht sagt „fla.de“: „Das schwächt die Minderheit. Eltern sagen, dass sie sich nicht sicher sind, ob sie im dänischen System bleiben wollen. Und man macht sich Sorgen, dass die Schule in Tönning in einigen Jahren vielleicht auch schließen muss.“

Mit den Sorgen sind sie nicht allein: Frank Gerdsen, stellvertretender Vorsitzender von IF Tønning, äußert Befürchtungen, die auch in Nordschleswig in ähnlicher Art zu hören waren, nachdem die Schließung der zwei Institutionen angekündigt worden war. Er sagt zum Kindergarten in Garding: „Wir sind verdammt noch mal nicht viele hier im Südwesten, und werden wir weniger, überträgt sich das auf das ganze System. Schließen sie den Kindergarten Garding, befürchte ich, dass wir die Eltern an deutsche Schulen und Kindergärten verlieren.“

Nicht-Minderheitler gezielt anwerben

Das SSW-Amtsratsmitglied Dirk Hansen schlägt vor, dass der Schulverein verstärkt deutsche Familien und deren Kinder rekrutieren solle – wenn möglich auch mit einer Werbekampagne. Dabei solle man mit deutschen Institutionen zusammenarbeiten, die auf Eiderstedt ebenfalls mit Problemen sinkender Kinderzahlen und Personalsorgen zu kämpfen haben. Er zeigt sich nicht abgeneigt gegenüber Ideen gemeinsamer deutsch-dänisch-friesischer Institutionen als Lösung. Allerdings: „Der Vorschlag kommt vermutlich zehn Jahre zu früh“, so Hansen. 

„Tatsache ist, dass wir von den neuen Eltern überall in Südschleswig leben. Das bringt wiederum die Herausforderung mit sich, dass die Neuen das Dänischtum nicht mitbringen, sondern sich erst darin einleben müssen“, sagt die Amtsvorsitzende des Südschleswigschen Vereins (SSF) Südwest, Nadine Baumann, der Zeitung. 

Auch in Lunden und Rapstedt sind es mitunter zugezogene Familien, die rückläufige Kinderzahlen auffangen. Auch Baumann kritisiert die Kommunikation des Schulvereins, weil sie die Nachricht über die geplante Schließung aus der Zeitung erfuhr.

Petra Häder reagierte als Leiterin der Kindertagesstätten im Schulverein auf die Kritik. So sei in den Sommerferien vereinbart worden, dass der Vorschlag, die Garding-Abteilung zu schließen, dem Vorstand des Schulvereins vorgelegt werden sollte. Dieser genehmigte den Plan auf seiner Sitzung am 18. September. Erst danach wurde die Entscheidung dem Zusammenarbeitsrat vorgelegt und an die Eltern weitergeleitet. Die späte Information, sie kam erst am 13. Oktober, ist Hauptgrund für die Kritik der Eltern. Nun soll es einen Elternabend in Garding geben, um die Vorgänge zu erläutern. 

Minderheit in Gefahr

Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) sieht mit der drohenden Schließung die Minderheit auf Eiderstedt unter Druck: „Schließt der Kindergarten, ist die Minderheit in Garding in Gefahr“, heißt es. „Wenn eine dänische Einrichtung schließt, verschwindet nicht nur ein Gebäude, sondern auch ein Teil des dänischen Lebens an diesem Ort“, schreibt „Flensborg Avis“-Leser Henry Bohm. 

Wie es in Lunden und Rapstedt weitergeht, wird im kommenden Monat konkreter. Am 24. November sollen die Schulen ihre Konzepte für einen Fortbestand auf der Hauptvorstandssitzung des DSSV präsentieren.