Grenzüberschreitendes

Dänische Minderheit kein ideologisches Projekt: Heftige Kritik an DF

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Jens A. Christiansen an seinem Schreibtisch im Flensborghus: Angriff auf DF wegen der offenen Sympathien von Fraktionschef Kofod für die AfD.

SSW für AfD-Verbot: SSF-Generalsekretär Jens A. Christiansen wirft dem Fraktionsvorsitzenden von DF, Peter Kofod, Geschichtslosigkeit vor.

Während der SSW-Abgeordnete Stefan Seidler sich im Bundestag aktiv um ein Parteiverbot der AfD bemüht, hält sich der Generalsekretär der kulturellen Organisation SSF/SSV in der dänischen Minderheit, Jens A. Christiansen, in dieser Frage zurück. Zugleich kritisiert er aber die Dänische Volkspartei wegen offener Sympathien für die AfD auch mit dem Vorwurf: Geschichtslosigkeit.

Im Fernseh-Interview „Dansk-tysk med Matlok“ sagt Christiansen, für ihn gehe es vorrangig darum, „dass die deutsche Politik endlich die Ware liefern muss, um Deutschland in ein vernünftiges ökonomisches Fahrwasser zu bringen“.

DF bisher stets verteidigt

Für die dänische Minderheit gelten übergeordnet Demokratie, Freiheit und Freisinn sowie nordische Prinzipien, so Christiansen, der darauf hinweist, dass er DF stets in Gesprächen mit deutschen Partnern vor einem Vergleich mit der AfD verteidigt habe. Für ihn besteht der Unterschied darin, dass DF auf dem dänischen Grundgesetz basiert und so auch Teil der politischen Kultur im Lande ist. „Da gibt es zwar klare unterschiedliche Meinungen, aber letztlich ist man auch Teil der parlamentarischen Zusammenarbeit. Deshalb habe ich stets die Haltung vertreten, dass wir in Dänemark mit allen Parteien – wörtlich – ,dus’ sind, und dass unsere Zusammenarbeit nicht partei-ideologisch getragen wird, sondern nur als Teil der dänischen Volksgemeinschaft zu betrachten ist.“

Kofod-Jubel und Nazis strapazieren Freisinn

Von Moderator Siegfried Matlok darauf angesprochen, dass der DF-Fraktionschef Peter Kofod den Wahlsieg der AfD in Berlin mitgefeiert hat und kürzlich sogar „Es lebe Deutschland“ ausgerufen habe, meinte der Generalsekretär von „Sydslesvigsk Forening“ SSF/SSV:

„Vor diesem Hintergrund betrachte ich den Angriff von Kofod gegen den SSW als weit über das Ziel geschossen. Das strapaziert sozusagen meinen dänischen Freisinn. Es ist Ausdruck einer Geschichtslosigkeit, und ich bedauere, dass der Fraktionsvorsitzende von DF sich nicht von jener klar rechtsextremen Linie distanziert, die der Verfassungsschutz in der AfD festgestellt hat.“

Diese Einstufung – so Christiansen – sei auch mit dem Hinweis erfolgt, dass die AfD teilweise die parlamentarische Arbeit im Bundestag schikaniere, und alle wissen, dass es Mitglieder im Bundestag gibt, die nationalsozialistisches Gedankengut vertreten. Christiansen: „Deshalb kann ich nicht verstehen, warum sich die Parteileitung von DF davon nicht klar distanziert.“ Das kann man ja machen und gleichzeitig darauf hinweisen, dass es einen breiten Spielraum für den politischen Diskurs geben muss.“

13 Prozent für AfD bei Wahl in dänischer Schule

Im Interview spricht Matlok auch ein kulturell-politisches Dilemma der dänischen Minderheit an: Nach seinen Informationen sind AfD-Mitglieder in Institutionen der dänischen Minderheit beschäftigt, und außerdem gab es vor der jüngsten Bundestagswahl Probeabstimmungen in Schulen, wobei in einer dänischen Schule im Raume Husum sogar 13 Prozent für die AfD gestimmt haben.

Jens A. Christiansen erkennt das Problem, dass sich auch Rechtsextreme der dänischen Minderheit angeschlossen haben. „Wir stehen vor der Herausforderung, eine Balance zu finden, denn die dänische Minderheit ist ja in dem Sinne kein ideologisches Projekt mit einer festen politischen Haltung.“

Dannebrog und Dänisch ohne Ideologie

Christiansen weiter: „Wir haben unsere Partei, den SSW, und deren Linie wird von den politisch Verantwortlichen festgelegt. Da gibt es Leute, die mit dem SSW einig sind oder auch nicht. Der SSW ist aber ein Wählerverein. Wenn man auf die Geschichte zurückblickt, dann gab es einst für den SSW zur Förderung und Anerkennung der Interessen der dänischen Minderheit nur den Dannebrog. Wenn man sich früher über den Kurs gestritten hat, dann stellte in der Diskussion oft jemand nur den Dannebrog auf den Tisch mit den Worten: Freunde, darum geht es!“, so der SSF-Generalsekretär.

„Klar, heute leben wir in einer anderen Zeit, und da muss man ja als Partei auch zu allen Politikbereichen Stellung nehmen, denn eine vernünftige Arbeitsmarktpolitik kommt ja auch den Mitgliedern der dänischen Minderheit zugute. Meine Grundhaltung lautet: Freiheit für Loke und Thor, und in der dänischen Minderheit handelt es sich nur darum, dänisch zu sein ohne eine bestimmte Ideologie.“

Das gesamte Interview gibt es unter diesem Link:Dansk-tysk med Matlok: Jens A. Christiansen