Deutsche Minderheit

Auf dem Knivsberg: Jens-Peter und Caspar kicken über Grenzen hinweg

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Der Fußballplatz auf dem Knivsberg wurde für Jens-Peter und Caspar zum Ort der Begegnung.

Ein Projekt, das Grenzen überschreitet: Die deutsch-dänische Fußballschule auf dem Knivsberg bietet Kindern für drei Tage Begegnung durch Sport, Sprache und Kultur.

Laute Rufe hallen über den sattgrünen Rasen des Fußballfelds auf dem Knivsberg – mal sind es deutsche, mal dänische Worte. Ein greller Pfiff ertönt, und Kinder rennen in bunten Trikots über den Platz, treten gegen Bälle, laufen im Slalom um orange-weiße Kegel herum und üben Dribbling, um ihre Ballkontrolle zu verbessern.

„Mega cool“, finden die beiden Fußballbegeisterten Jens-Peter und Caspar dieses Projekt. Sie und 40 weitere Kinder aus den Regionen Lübeck, Seeland und Nordschleswig nehmen an dieser von Interreg geförderten, grenzüberschreitenden Fußballschule teil – um auf dem Platz an ihre Grenzen zu gehen und gleichzeitig jene zwischen Ländern und Sprachen zu überwinden. Auch wenn die Sprachbarriere klar vorhanden ist, so sprechen die Kinder doch alle eine gemeinsame Sprache: Fußball.

Zum Glück gibt es auch einfach verständliche Kommandos, wie „hier!“ oder das Anzeigen mit dem Zeigefinger, wohin der Mitspieler den Ball passen soll. So macht es auch Caspar. Er lebt in Schleswig-Holstein und spricht nur Deutsch.

Jens-Peter (l.) und Caspar

„Ich hab heute schon ein paar Mal beim Übersetzen geholfen“

Jens-Peter hat da einen kleinen Vorteil. Er lebt in Hadersleben, geht dort in die deutsche Schule und spricht beide Sprachen. Er kennt das Leben im Grenzgebiet ganz genau, und deshalb freut es auch den Projektleiter Rehjan Bosniak sehr, dass Jens-Peter an diesem Angebot teilnimmt. Denn die Fußballschule soll den Kindern nicht nur Fußball beibringen, sondern vielmehr eine grenzüberschreitende Begegnung ermöglichen, interkulturelle Kompetenzen fördern und Sprachbarrieren abbauen. Und genau hier kommen Kinder wie Jens-Peter ins Spiel: „Ich hab heute schon ein paar Mal beim Übersetzen geholfen“, verrät er stolz.

Minderheitenkinder als Brückenbauer

Nach den Trainingseinheiten nehmen alle Kinder in gemischten Gruppen an kulturellen Aktivitäten teil. Dazu gehören Quizspiele, verschiedene Workshops und Vorträge rundum die Thematik Deutschland-Dänemark und Fußball. Sie lernen dadurch spielerisch, das Leben im Grenzgebiet und drumherum besser zu verstehen – mit all seinen Möglichkeiten und Herausforderungen. Die Kinder aus den jeweiligen Minderheiten bauen hierbei sprachlich Brücken zwischen. So entsteht ein Austausch über das Leben im Grenzland – und es wird greifbar, was es bedeutet, mit zwei Sprachen und Kulturen aufzuwachsen.

Knivsberg als Symbol

Projektleiter Rejhan Bosniak ist Historiker von Beruf und arbeitet in der Forschungsabteilung der dänischen Zentralbibliothek in Flensburg. Seine Doktorarbeit widmete er der heutigen deutschen Minderheit.

Für Projektleiter Rejhan Bosniak war von Anfang an klar: Die Bildungsstätte Knivsberg ist mehr als nur ein Austragungsort – sie ist ein Symbol. Ein Ort, der wie kein anderer für das Zusammenkommen im deutsch-dänischen Grenzland steht. Hier begegnen sich seit Generationen Menschen beider Kulturen, sei es bei Festen, Bildungsangeboten oder kulturellen Veranstaltungen. Mit seiner offenen Lage, den großzügigen Grünflächen, genügend Schlafmöglichkeiten und Veranstaltungsräumen bietet der Berg ideale Bedingungen für ein Projekt, das Sport, Austausch und interkulturelles Lernen vereint.

Rejhan hofft, dass dieses Projekt als Impuls für zahlreiche weitere interkulturelle Projekte dient, die von den Vereinen künftig selbst organisiert und auch durch das Förderungsprogramm von Interreg unterstützt werden.

Ich wünsche mir, dass die Vereine positive Elemente aus diesem Projekt ziehen und sie weiterführen.

Rejhan Bosniak