Infrastruktur

Deutsch Bahnanbindung für Fehmarnquerung wird dreimal so teuer

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Blick in die Zukunft: So soll das Portal des Fehmarnsundtunnels auf Ostholsteins Festland einmal aussehen.

Kostenexplosion am Fehmarnsund: Der geplante deutsche Ostseetunnel wird mehr als dreimal so teuer wie bisher geplant. Das gefährdet in Schleswig-Holstein andere Großprojekte.

Die Deutsche Bahn hat die Kosten des geplanten Fehmarnsund-Tunnels zwischen der Insel und dem ostholsteinischen Festland öffentlich bisher stets auf 714 Millionen Euro beziffert – doch nun stellt sich heraus: Das kombinierte Straßen- und Schienenbauwerk verteuert sich drastisch.

„Die Kosten für die Fehmarnsund-Querung werden derzeit mit 2,306 Milliarden Euro kalkuliert“, sagte unserer Redaktion am Mittwoch ein Sprecher der staatlichen Projektgesellschaft Deges, die im Auftrag des Bundes die vierspurige Bundesstraße durch den Tunnel plant.

Der gut zwei Kilometer lange Absenktunnel unter der Ostsee wird damit mehr als dreimal so teuer wie geplant – und sogar teurer als der sechs Kilometer lange Tunnel der A20 unter der Elbe, der bei Glückstadt gebohrt werden soll und 1,95 Milliarden Euro kostet. Durch ihn hindurch werden allerdings keine Gleise verlegt.

Dagegen soll der Fehmarnsund-Tunnel nach Eröffnung des deutsch-dänischen Fehmarnbelt-Tunnels sowohl den Zug- als auch den Autoverkehr auf der Vogelfluglinie aufnehmen. Über die 62 Jahre alte Sundbrücke sollen dann nur noch Fahrräder oder Trecker fahren und Fußgänger gehen.

Minister Schnieders vielsagender „Zusatzhinweis“

Dass der Sundtunnel teurer wird als geplant, hat auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder vor zwei Wochen angedeutet, als er seine Unionsfreunde im Bundestag darauf aufmerksam machte, dass vielen Autobahnprojekten in Deutschland wegen Geldnot das Aus drohe.

In Schleswig-Holstein listete Schnieder den Weiterbau der A20, A21 und A25 als gefährdete auf – und gab den „Zusatzhinweis“, dass er im Land schon viel Geld für den Ausbau einer Bundesstraße investiert: „Für die Fehmarnsundquerung im Zuge der B207 beträgt der Finanzierungsanteil für die Straße aktuell circa eine Milliarde Euro.“ Zusammen mit dem Schienenanteil sind es nun also 2,3 Milliarden.

Schnieders Ressort wollte am Mittwoch auf Anfrage keinen konkreten Betrag bestätigen. „Wir bitten um Verständnis, dass wir interne Unterlagen grundsätzlich nicht kommentieren“, sagte ein Sprecher nur. Eine Bahnsprecherin erklärte, man werde nächste Woche Neuigkeiten mitteilen.

Kosten für Gleise zum Belt steigen auf 6,3 Milliarden

Nicht nur der Sundtunnel, sondern auch der Rest der deutschen Hinterlandanbindung zum künftigen Fehmarnbelt-Tunnel wird deutlich teurer als geplant. Das zeichnete sich schon im April ab. Da veröffentlichte unsere Redaktion Zahlen aus einer internen Liste der Bahn, die die Überschrift trug: „Gesamtwert-Entwicklung der Infrastruktur-Großprojekte.“

Aus ihr ging hervor, dass die 88 Kilometer lange Neu- und Ausbaustrecke der Bahn zwischen Lübeck und Puttgarden mindestens 6,3 Milliarden Euro kostet statt der bis heute stets genannten 3,5 Milliarden. Auch Schnieders Sprecher nennt jetzt abermals nur diesen Betrag.

Klarheit nach deutsch-dänischem Krisengipfel?

Die Karten auf den Tisch legen wollen Bund und Bahn wohl erst nach einem Krisengespräch zwischen Minister Schnieder und seinem dänischen Amtskollegen Thomas Danielsen am 10. Oktober. Dabei geht es vor allem um die dreijährige Verzögerung bei der deutschen Hinterlandanbindung, an denen ebenfalls der erst spät beschlossene Bau des Sundtunnels schuld ist.

Aber es geht auch um den Verzug in Dänemark, wo der staatliche Bauherr Femern AS inzwischen den ursprünglichen Eröffnungstermin für den rund sieben Milliarden Euro teuren Belttunnel im Herbst 2029 ebenso zu reißen droht – um anderthalb Jahre.

In Schleswig-Holstein droht Gefahr für A20-Weiterbau

In Schleswig-Holstein droht die drastische Kostensteigerung beim Sundtunnel und bei der Hinterlandanbindung zudem den übrigen Autobahnausbau noch weiter zurückzuwerfen.

Bereits jetzt wackeln wegen der Geldnot des Bundes große Projekte wie der voraussichtlich sieben Milliarden Euro teure Weiterbau der A20 von Bad Segeberg bis nach Niedersachsen samt Glückstädter Elbtunnel. Wenn nun aber schon der Fehmarnsund-Tunnel mehr Geld verschlingt als der A20-Tunnel, dürfte es Schleswig-Holstein künftig noch schwerer haben, im Ringen mit den anderen Ländern weiteres Geld vom Bund für die A20 und andere Autobahnen ins Land zu lenken.