Bonn-Kopenhagen

Festakt auf Schloss Gottorf: „Wir sind enge Freunde geworden“

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Ministerpräsident Daniel Günther

70 Jahre Bonn-Kopenhagener Erklärungen bedeuten heute ein Füreinander zwischen Mehrheit und Minderheit, zwischen Deutschland und Dänemark, zwischen Süd- und Nordschleswig. Das friedliche Zusammenleben und die enge Partnerschaft sind ein wertvolles Gut, das es zu schützen gilt – auch in herausfordernden Zeiten, so der Tenor der Festveranstaltung.

Schloss Gottorf in Schleswig ist für die Feierlichkeiten zum 70-jährigen Jubiläum der Bonn-Kopenhagener Erklärungen nicht zufällig gewählt. Der geschichtsträchtige Ort prägte das Leben der Menschen in Deutschland und Dänemark über Jahrhunderte.

Im Festsaal weiß das auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zu würdigen und betont in seiner Rede die Bedeutung des heutigen Jubiläums. „Die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen markieren einen weitreichenden und bis heute für die Grenzregion prägenden Paradigmenwechsel – und zwar zum Guten. Sie haben eine Minderheitenpolitik begründet, die einen Austausch auf Augenhöhe vorsieht. Dank ihr konnten und können die Minderheiten in der Grenzregion ihre Kultur schützen und ihre Identität bewahren.“

„Wir haben zueinander gefunden“

Günther betont: „Nach Jahrhunderten haben die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen es möglich gemacht, dass Deutsche und Dänen in der Grenzregion und darüber hinaus zueinanderfinden konnten – und das haben wir: Wir haben zueinander gefunden. Wir sind enge Freunde geworden!“

Die beiden Minderheiten seien zentrale Förderer und Vermittler dieser Freundschaft. Das neue Cross Border Panel sei ein Zeichen für diese enge Verbindung.Damit haben wir jetzt erstmals eine feste Struktur zwischen Kopenhagen, Berlin und Kiel, um Grenzhemmnisse zu lösen.“

Die Erklärungen hätten geholfen, das Denken in ausschließlich nationalen Kategorien ein Stück weit aufzubrechen und eine gemeinsame europäische Identität zu betonen, sagte der Ministerpräsident.

Der deutsche Botschafter in Kopenhagen, Pascal Hector, sprach in seiner Rede davon, wie die Bonn-Kopenhagener Erklärungen mittlerweile beinahe die Jahre 1848 bis 1920 überdauern, in denen sich das deutsch-dänische Verhältnis und die Nachbarschaft in der Region auf einem Tiefstand befand, der wohl nur in den dunklen Jahren von 1940 bis 1945 unterboten wurde.

Daniel Günther
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther begrüßt den BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen auf Schloss Gottorf.

Gegenseitiges Vertrauen entscheidend

Hector, der in naher Zukunft aus dem Amt scheidet, um in Kroatien neue Wege zu gehen, blickte auf seine Besuche der vergangenen Jahre zurück: „Jede Reise, jeder Austausch mit unseren Minderheiten in Nord- und aus Südschleswig, aber auch die Treffen und Gespräche mit Mehrheitsbevölkerungen in der Grenzregion waren beeindruckende und positive Erlebnisse.“

Heute sei Vertrauen der entscheidende Begriff für das erfolgreiche deutsch-dänische Minderheitenmodell, für das Zusammenleben im Grenzland und für die deutsch-dänische Nachbarschaft. In einer Welt im Umbruch rückten beide Länder nun noch enger zusammen, betonte Hector.

Bonn Kopenhagen
Markus Bollmohr, Beauftragter für die deutsche Minderheit an der Botschaft in Kopenhagen, Botschafter Pascal Hector, Bürgermeister Mads Skau und Büchereileiterin Claudia Knauer im Gespräch.

Der Generalsekretär des Schleswigschen Vereins, Jens A. Christiansen, würdigte Hector für die Spuren, die er hinterlassen werde. Gemeinsam mit BDN-Generalsekretär Uwe Jessen führte Christiansen durch die Festveranstaltung, die durch musikalische Beiträge des Schülerchors der A.P. Møller Skolen in Schleswig und durch den Kinderchor Nordschleswig untermalt wurde.

Uwe Jessen (links) und Jens A. Christiansen
Uwe Jessen (links) und Jens A. Christiansen führten durch das Programm.

Willen und richtige Werkzeuge

Der Kinderchor Nordschleswig unter der Leitung von Monika Merz (links).

Hectors Amtskollege, Thomas Østrup Møller, dänischer Botschafter in Berlin, betonte in seiner Ansprache den Willen, den es benötige, Dinge zu verändern. Manchmal brauche es eine Weile, um das richtige Werkzeug zu finden. Am 29. März 1995 sei aber das richtige Hilfsmittel in der dipolmatischen Werkzeugkiste gefunden worden. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“

„Heute sagt man oft, dass wir von einem Gegeneinander zu einem Nebeneinander und letztlich zu einem Miteinander gekommen sind. Die neueste Version, die ich höre, ist, dass wir ein füreinander erreicht haben.“ Der deutsch-dänische Handlungsplan aus dem Jahr 2022, der die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter stärken soll, sei ein Zeichen dafür. Die Menschen und ihr Handeln in der Region blieben aber die Essenz für das gute Zusammenleben, so Østrup Møller.

Thomas Østrup Møller
Thomas Østrup Møller

Erfolgsmodell nicht zwingend ein Exportschlager

Hans Mouritzen
Hans Mouritzen

Hans Mouritzen, Professor am dänischen Institut für internationale Studien, sprach in seiner Festrede darüber, dass erst besondere Umstände das deutsch-dänische Grenzland zum Erfolgsmodell machen konnten.

Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen erfüllten bescheidene Anforderungen. Keine Autonomie, aber Gleichberechtigung und Unterstützung für das kulturelle Leben. Gesinnung statt Sprache – „Minderheit ist, wer will“ – und ein Nationalgefühl statt Nationalismus.

Und es gebe gute Grundvoraussetzungen, die die hiesige Grenzregion von Regionen mit Minderheiten und Minderheitenkonflikten unterscheide. Keine religiösen Konflikte, eine bescheidene Größe der Volksgruppen, die auch noch symmetrisch auf beiden Seiten der Grenze verteilt sind. Und nicht zuletzt das Fehlen unterschiedlicher Temperamente nördlich und südlich der Grenze.

Auch die historischen Bedingungen seien entscheidend gewesen – von der Volksabstimmung über das Abebben der Wünsche nach einer Grenzrevision bis zum guten Dialog und gegenseitigem Verständnis zwischen den Regierungen beider Länder.

Dennoch solle man nichts unversucht lassen, gute Modelle zu exportieren, eine Einzelfallprüfung vorausgesetzt. „Doch statt unrealistischer Exportversuche sollte vielleicht mehr mit anderen ,Erfolgsregionen' zusammengearbeitet werden, um diese Erfolge zu erhalten und weiter auszubauen“, so der Politikexperte.

In einer anschließenden Diskussionsrunde unter der Leitung des Historikers Jørgen Kühl sprachen der Regionsratsvorsitzende Bo Libergren (Venstre), der BDN-Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen, die SSF-Vorsitzende Gitte Hougaard-Werner und der Minderheitenbeauftrage der Landesregierung, Johannes Callsen, neben der Bedeutung der Bonn-Kopenhagener Erklärungen auch über die Übertragbarkeit des Modells. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass Inspiration möglich ist, sich das hier gewachsene Modell aber nicht eins zu eins auf andere Regionen übertragen lasse.

Eine kleine Podiumsdiskussion im Anschluss an die Vorträge.

Was beinhalten die Bonn-Kopenhagener Erklärungen?

Die Erklärungen vom 29. März 1955 garantieren den jeweiligen nationalen Minderheiten in Deutschland und Dänemark grundlegende Rechte. Dazu zählen unter anderem: