Deutsche Minderheit

Zwischen Kreide und KI: Chatbots sollen in Nordschleswig in den Schulalltag einziehen

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Christian Kittel bei seiner Lehrkräfte-Fortbildung über KI.

Wandel: Der DSSV hat es sich zum Ziel gesetzt, den Umgang mit künstlicher Intelligenz in den deutschen Schulen zu fördern. Doch was bedeutet das für die Lehrkräfte in ihrem Schulalltag? Christian Kittel gibt Tipps, wie die neue Technologie sinnvoll eingesetzt werden kann.

Wenn Christian Kittel dieser Tage die deutschen Schulen in Nordschleswig besucht, werden die Lehrkräfte selbst zu Schülerinnen und Schülern. So auch am Dienstag an der Deutschen Schule Buhrkall, wo sie von Kittel – der normalerweise Lehrer an der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern (Tøndern) ist – zum Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI) geschult wurden. Er ist Teil einer „KI-Arbeitsgruppe“, die zurzeit durch ganz Nordschleswig tourt.

„Nutzt KI!“

Sein erster Tipp für die Lehrkräfte ist eindeutig: „Nutzt KI!“ Die Lehrkräfte sollen dazu ermutigt werden, die neue Technologie zu nutzen. Als er in der Runde fragt, wer denn alles schon einmal KI benutzt hat, bejaht die große Mehrheit die Frage. Jedoch wird ein leichtes Zögern bei den Befragten deutlich, bevor sie antworten.

Für Kittel ist dies keine ungewöhnliche Beobachtung. Er erzählt, dass sich viele schämen würden, zuzugeben, dass sie KI nutzen, da es sich für sie wie „Schummeln“ anfühlt. Jedoch betont Kittel klar, dass die Nutzung von künstlicher Intelligenz kein „Schummeln“ ist, sondern eine Ergänzung der eigenen Fähigkeiten. Mit seiner Fortbildung will er den nötigen „Anstupser“ geben, durch den sich die Lehrkräfte ohne ein schlechtes Gewissen an die KI herantrauen und sie ausprobieren.

Das wird selbstverständlich sein, eine KI zu benutzen, so wie man Google nutzt.

Christian Kittel

Endlose Einsatzmöglichkeiten

Dafür hat Kittel ein paar Beispiel-„Prompts“ – Befehle, die der KI gegeben werden – vorbereitet. Die Lehrkräfte probieren es gleich mal aus und vertiefen sich schnell in ganz andere Bereiche. Lehrer Jens zum Beispiel lässt die KI eine Erklärung und ein paar Übungen zu dänischen Verbformen erstellen. Pädagogische Begleiterin Tanja hingegen holt sich Inspiration für einen „Escape-Room“ im Klassenzimmer. Auf der anderen Seite des Raumes hat Lehrer Matthias Online-Spiele mit der KI programmiert. Die Möglichkeiten seien endlos und auch die Einsatzbereiche sind individuell, meint Kittel.

Verschiedene Reaktionen

Doch so unterschiedlich die Funktionen sind, so unterschiedlich fällt auch das Meinungsbild bei den Lehrkräften aus. Tanja hat sich durch die Fortbildung das erste Mal an die KI-Chatbots getraut und sagt: „Wow! Richtig richtig gut.“ Sie ist vor allem begeistert von den schnellen Antworten und den vielen Ideen, die danach individuell angepasst werden können. Für sie steht fest, dass sie die KI weiterhin zur Hilfe ziehen wird.

Auch Lehrer Matthias war von den Funktionen überrascht. Nach ein paar Feinjustierungen könnten die Online-Lernspiele richtig gut im Unterricht funktionieren, sagt er. Lehrer Jens war jedoch nicht so begeistert von den Ergebnissen. Entweder sind die angezeigten Verbformen falsch gewesen oder die gefragte Konjugation würde laut der KI gar nicht existieren. 

KI-Arbeitsgruppe des DSSV

KI nur als Werkzeug und nicht als Ersatz 

Bei solchen Fällen hebt Kittel hervor, dass die KI nur ein Werkzeug sei. Sie solle die eigenen Fähigkeiten ergänzen und nicht ersetzen, sagt er. An dem Beispiel von Lehrer Jens zeige sich zudem, dass die KI noch lange nicht mit den Fähigkeiten von ausgebildeten Lehrkräften mithalten könne. 

„Ich würde mir wünschen, dass Lehrer das nutzen, um keine Ressourcen für das zu verbrauchen, was ihnen schwerfällt. Damit sie dann mehr qualitative Zeit mit den Mitarbeitern und Schülern haben“, sagt Christian Kittel, der die Fortbildung in Buhrkall leitete. Zu den Aufgabenbereichen, die durch KI vereinfacht werden könnten, zählt er: Mails, Inspiration, Differenzierung und pädagogische Aufgaben. 

Künstliche Intelligenz im Klassenzimmer?

Besonders zur Inspiration und Differenzierung wurde die KI bereits von einigen Lehrkräften der deutschen Schule zur Unterrichtsvorbereitung genutzt. Die neue Technologie vereinfacht es sehr, Schulaufgaben für verschiedene Fächer und Altersstufen zu differenzieren. Doch wie sieht es eigentlich in den Klassenzimmern aus? Jens ist Lehrer für die 5. bis 7. Klasse und nutzt mit seiner Klasse gemeinsam KI-Chatbots.

Die anderen Lehrkräfte der niedrigeren Klassenstufen berichten, dass die Schülerinnen und Schüler zu jung wären, um mit den Chatbots arbeiten zu können. Auch Kittel empfiehlt die Nutzung von KI mit den Schülerinnen und Schülern erst ab der Mittelstufe. Für den Umgang mit künstlicher Intelligenz brauche es jedoch unbedingt Regeln, die sowohl für Schulkinder als auch für die Lehrkräfte gelten, sagt Kittel.   

Kein Vorteil ohne Nachteil 

Chatbots sollten nicht unbedacht genutzt werden, appelliert Kittel und hat einige Regeln zum Umgang mit der KI mitgebracht. Diese wurden von einer Arbeitsgruppe des DSSV erstellt, zu dieser auch Christian Kittel gehört. Die Regeln stellt er in seiner Fortbildung vor. Dazu zählt unter anderem, dass die künstliche Intelligenz nur ethisch korrekt und verantwortungsbewusst genutzt, keine persönlichen Daten eingegeben und nur sinnvoll verwendet werden soll.

An diesen Regeln zeigt sich, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit der neuen Technologie gelernt sein muss. Deswegen soll, nach den Plänen des DSSV, zukünftig die korrekte Nutzung von KI in den Klassenzimmern der deutschen Schulen gelehrt werden. „Das finde ich richtig gut, dass die Schüler lernen, damit umzugehen. Das ist die Zukunft. Schon für die 5. und 6. Klasse ist es relevant“, sagt Nathalie Plumhoff, Schulleiterin der Deutschen Schule Buhrkall. 

Nathalie Plumhoff ist Schulleiterin an der Deutschen Schule Buhrkall.

Christian Kittel ist sich ebenfalls sicher, dass die Nutzung von künstlicher Intelligenz in der Zukunft zum Alltag gehören wird, „Das wird selbstverständlich sein, eine KI zu benutzen, so wie man Google nutzt“, weswegen der Grundbaustein für die richtige Nutzung schon früh gelegt werden sollte. 

Der DSSV

Der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) betreibt im schulischen Bereich in den vier Kommunen in Nordschleswig insgesamt 13 Schulen sowie das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade (Aabenraa)