Grenzüberschreitend

Zwischen Färöer und Nordschleswig: Begegnungen, die verbinden

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Eva K. Jacobsen und Lucas Søndergaard.

Wie ähnlich fühlen sich Jugendliche, die über 1.200 Kilometer voneinander getrennt leben? Der Besuch der färöerischen Schülerinnen und Schüler am DGN zeigt, wie sehr gemeinsame Erfahrungen, kultureller Stolz und aktuelle Weltpolitik verbinden.

Rund 1.200 Kilometer Luftlinie trennen Lucas am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN) und Eva am Gymnasium Miđnam á Kambsdali auf den Färöern. Dennoch entdecken beide in dieser Woche überraschend viele Gemeinsamkeiten. 

In der Cafeteria des DGN sprechen Lucas Søndergaard und Eva K. Jacobsen darüber, was sie verbindet – trotz der geografischen Distanz und ihrer unterschiedlichen Lebenswelten.

Die beiden kennen sich bereits ein wenig: Im November war Lucas Søndergaard gemeinsam mit einer DGN‑Delegation auf den Färöern, wo er bei Eva und ihrer Familie wohnte. Nun ist es umgekehrt – Eva ist für eine Woche bei den Søndergaards in Klipleff (Kliplev) eingezogen.

Seit letzter Woche sind Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Miđnam á Kambsdali im Rahmen eines Austauschprojekts am DGN zu Gast.

Jugendliche zwischen Inselidentität und Grenzregion

Ich hätte nie gedacht, dass man in so kurzer Zeit so gute Freundschaften schließen kann

Lucas Søndergaard

Die Jugendlichen beschäftigen sich diese Woche mit Themen wie Zugehörigkeit, Autonomie und Identität und bringen sich dabei selbst ein, mit ihren Alltagserfahrungen, ihren Fragen und ihrer Sicht auf die Welt.

Gerade im direkten Gespräch zeigt sich, wie ähnlich die Gedanken junger Menschen aus Nordschleswig und von den Färöern oft sind.

„Ich sehe vor allem eine Gemeinsamkeit bei Themen wie kulturellem Stolz“, sagt die 18-jährige Eva K. Jacobsen vom Gymnasium Miđnam á Kambsdali.

Beide blicken positiv auf den Austausch. 

„Ich hätte nie gedacht, dass man in so kurzer Zeit so gute Freundschaften schließen kann“, sagt Lucas Søndergaard.

„Dieses Projekt hat mir gezeigt, dass Anerkennung eine weitere Gemeinsamkeit ist: die Färöer Inseln als eigenes Land innerhalb der „Rigsfælleskab“ – und wir als anerkannte Minderheit Dänemarks“, so der 17‑jährige Schüler vom DGN.

Beide meinen, dass ihr jeweiliger Hintergrund ihnen einen anderen Blick auf die Welt gibt, und so setzen beide die Zusammenarbeit in den Mittelpunkt: lokal und global.

Weltpolitik und Großmachtinteressen als Gesprächsthema

Eine Woche werden die Schülerinnen und Schüler in Nordschleswig verbringen.

Für Lucas und Eva rücken neben Fragen der eigenen Identität auch aktuelle weltpolitische Themen in den Fokus. Aus aktuellem Anlass spielt dabei vor allem Grönland eine große Rolle. 

„Natürlich macht man sich auf den Färöern manchmal Gedanken darüber, ob Großmächte uns aufgrund unserer geografischen Lage als das nächste Grönland betrachten könnten. Insgesamt habe ich aber nicht den Eindruck, dass deswegen eine beunruhigende Stimmung auf den Färöern herrscht“, so Eva K. Jacobsen.

„Wir sprechen auch viel über Grönland und haben natürlich auch unsere Bedenken bei der aktuellen Situation“, so Lucas Søndergaard. 

Ein Projekt, das Horizonte öffnet

„Wir erhoffen uns, dass die Schülerinnen und Schüler im Laufe des Projektes ein Bewusstsein für Offenheit, aber auch über ihre identitäre Prägung erlangen“, so Lehrer Gerret Schlaber vom DGN. 

Das Austauschprojekt ist Teil des Nordplus-Junior-Programms und findet zusammen mit der A.P Møller und Duborg-Skolen statt. Bis Freitag verbringen die Schülerinnen und Schüler von den Färöern ihre Austausch-Woche in Nordschleswig, bevor sie mit neuen Eindrücken und Erfahrungen zurück auf die Inseln reisen.