Deutsche Minderheit

Wencke Andresen vernetzt junge Minderheiten in Europa

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Die Vorsitzende der Jungen Spitzen engagiert sich für das Netzwerken der Minderheiten.

Wie leben junge Menschen in Europa ihre Minderheitenidentität? Und warum ist der Austausch über Grenzen hinweg so wichtig? Wencke Andresen von den Jungen Spitzen erzählt, was die Jugend Europäischer Volksgruppen für sie bedeutet.

„Wir wollen Jugendliche aus Europas Minderheiten stärken“, sagt Wencke Andresen. Die „Junge Spitzen“-Politikerin engagiert sich in der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV). Viele Minderheiten haben Jugendorganisationen, „und wir unterstützen ihren Austausch untereinander und bestärken sie darin, aktiv für sich selbst einzustehen“.

Seit April 2025 ist die Jungpolitikerin Vorstandsmitglied und „Vizepräsidentin für Externes“.

Gegründet wurde die Organisation 1984 auf dem Knivsberg, unter anderem von dem Deutsche Jugendverband Nordschleswig (DJN). Die Jungen Spitzen traten 2004 bei – sechs Jahre nach ihrer Gründung.

Zusammen selbstbewusst

Heute zählt die JEV 42 Mitgliedsorganisationen aus 18 Ländern – von den Friesen über die Ungarndeutschen bis hin zur bretonischen Jugend in Frankreich. Ihr gemeinsames Ziel: sich gegenseitig stärken, voneinander lernen und gemeinsam für Minderheitenrechte eintreten. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Organisation politisch oder kulturell ausgerichtet ist.

Für Wencke Andresen ist das Netzwerk ein Herzensprojekt – und eine wichtige Quelle der Inspiration. „Mich beeindruckt, wie aktiv manche Minderheiten für die eigenen Rechte kämpfen. Die bretonische Jugend zum Beispiel organisiert regelmäßig Demonstrationen, weil sie von der französischen Regierung kaum anerkannt wird.“

Gerade diese Vielfalt mache den Austausch so wertvoll, findet die 20-Jährige. „Man lernt ständig neue Perspektiven kennen. Bei jedem Treffen lerne ich Menschen aus ganz verschiedenen Regionen kennen, erfahre, wie andere ihre Sprache und Kultur leben – und entdecke Gemeinsamkeiten, die verbinden.“

Deutsch ist nicht gleich Deutsch

Doch die JEV ist für Wencke Andresen nicht nur ein Ort, um über Herausforderungen zu sprechen – sondern auch, um das eigene Selbstverständnis zu stärken.

„Es tut gut, Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht. Viele denken, wir Minderheiten-Deutschen seien einfach Deutsche, die im Ausland leben. Aber das stimmt so nicht – wir alle haben auch unsere Identität aus dem Land, in dem wir leben. Dieses Bewusstsein teilen zu können, ist unglaublich schön.“

Zweimal im Jahr organisiert die JEV große Treffen, bei denen junge Menschen aus ganz Europa zusammenkommen. Die Seminare zu Ostern und im Herbst aber auch die kleineren „Activist Skill Training“-Angebote stehen jeweils unter einem Jahresthema – 2025 lautet dieses „Sichtbarkeit“. Dabei geht es darum, Minderheiten in der Gesellschaft, in den Medien und in der Politik stärker wahrnehmbar zu machen.

Auch wenn die JEV als eigenständige Organisation arbeitet, ist sie eng mit der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) verbunden. Sie hat dort einen festen Sitz im Präsidium, Stimmrecht und ist in mehreren Arbeitsgruppen aktiv.