Integration

Turbo-Dänisch in Abel: Sprache lernen, Gemeinschaft erleben

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Felix besucht die Tønder Grundskole und die Zwillinge Jule und Lea die Ludwig-Andresen-Schule. In der Jugendschule in Abel lernen sie im Intensivkurs Dänisch.

Drei Wochen intensives Sprachtraining, Spiele, Ausflüge und neue Freundschaften: In der kommunalen Jugendschule in Abel hilft das Angebot „Turbo-Dänisch“ zugezogenen Kindern und Jugendlichen, sprachlich und sozial in der Kommune Tondern anzukommen.

„Ich finde es gut und witzig. Man lernt einfacher als in der Klasse“, sagt Lea Sophie Struck, Siebtklässlerin der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern, an einem Freitagvormittag in Abel. 

Lea Sophie nimmt dort in der kommunalen Jugendschule an dem dreiwöchigen Intensiv-Kurs Turbo-Dänisch für zugezogene Schülerinnen und Schüler teil. Sie und ihre Zwillingsschwester Jule Marie sind vor nicht besonders langer Zeit mit ihrer Familie aus Deutschland nach Uberg (Ubjerg) gezogen.

Sechstklässler Felix Roth von der Tønder Grundskole wohnt mittlerweile seit zwei Jahren in der Kommune Tondern. „Ich finde es schön“, sagt er und schwärmt zudem begeistert davon, dass er in einem großen Bus nach Abel gekommen ist.

Der Transport nach Abel ist geregelt, da die Kinder und Jugendlichen im Nahbereich ihrer jeweiligen Schule abgeholt und wieder zurückgefahren werden.

Acht Teams haben beim Dänischunterricht den Turbo angeworfen

Seit Anfang 2025 läuft in der Kommune Tondern das Angebot mit Turbo-Dänisch. Bislang haben acht Gruppen die dreiwöchige Schulung durchlaufen, wie der Leiter von Tønder Ungdomsskole, Jacob Michelsen, erzählt.

„Ursprünglich war es der Gedanke, ein Angebot der Klassenstufen 7, 8, 9 und 10 ungeachtet der Nationalität zu machen. Die Jugendlichen können zu einem dreiwöchigen intensiven Verlauf hierherkommen und gleichzeitig auch Gemeinschaft erleben. In diesem Forum können andere Sachen ausprobiert werden als in den jeweiligen Klassenzimmern“, erläutert er. 

Das Angebot sei prompt gut aufgenommen worden. „Daher erweiterten wir es, damit es auch die Mittelstufe umfasst. Danach haben wir die Kurse zielgerechter designt und auch auf reine Mittelstufenklassen maßgeschneidert. Wir haben auf die Hintergründe der Kinder geguckt und dann Programme ausschließlich für deutsche oder ausschließlich für ukrainische Schulkinder konzipiert, damit es ergiebiger ist.“

Michelsen betont, dass sich das Lernformat an alle Jugendliche und Kinder richtet, egal ob sie in einer kommunalen Volksschule oder einer Privatschule sind.

Die meisten Kinder kommen aus Deutschland

Jugendschulleiter Jacob Michelsen berichtet über positive Resonanz von den Schulen für das Projekt.

Gegen Jahresende hatten 75 Kinder das Unterrichtsprogramm absolviert. Die Hälfte von ihnen ist Deutsch und 23 kamen aus der Ukraine. 

„Sie kommen jedoch auch zum Beispiel aus China, Ungarn, Polen, aus den Niederlanden oder Äthiopien. In einigen Fällen arbeiten die Eltern bei dem Schuhkonzern Ecco“, so Michelsen.

Er erwähnt, dass ein ganz besonderer Fokus auf den Kindern lag, die im Homeschooling unterrichtet werden. Das seien gegenwärtig um die 60 Kinder und 95 Prozent von ihnen kommen aus Deutschland. Vor vier bis fünf Jahren waren es fünf bis sechs Kinder.

 „Wir haben versucht, für diese Gruppe etwas Besonderes zu machen, und möchten gerne noch mehr für sie tun. Der Weg zur Integration geht natürlich durch die Kommunikation und auch die Kommunikation in der Gemeinschaft. Wir hoffen, dass wir ihnen auf diesem Weg etwas mitgeben können und wollen gerne den Weg ins dänische Schulsystem aufzeigen”, erklärt Jacob Michelsen.

Einblicke in die Kultur und dänische Traditionen

Ein Blick ins Klassenzimmer, wo sich Maxim und Jule Marie der Fotografin zuliebe an die Tafel stellen.

Die Kinder und Jugendlichen verbringen die drei Wochen in ihrer regulären Schulzeit nicht nur ausschließlich auf der Schulbank. Neben der Theorie stehen Spiele und praktische Aufgaben auf dem Stundenplan. 

Die jeweils unterrichtenden Mitarbeitenden achten verstärkt auf Teambuilding und Gemeinschaft. Bei Teambuildingsübungen geht es darum, in verschiedenen Situationen auf Dänisch zu kommunizieren.

Auch dänische Kochrezepte und die dänische Essenskultur werden vermittelt. Zudem wird über Traditionen gesprochen und sie werden an die Kultur und die Normen herangeführt. Es stehen unter anderem auch Ausflüge nach Röm (Rømø) oder in einen Kletterpark im Programm.

Gestärkt zurück in die Klassen

Lea Sophie ist noch nicht besonders lange in Dänemark, während Felix seit zwei Jahren hier lebt.

„Wir träumen davon, dass die Kinder etwas mitnehmen und ihnen die Augen dafür geöffnet werden, dass sie zum Beispiel auch in Klubs kommen können, um die Sprache weiter zu trainieren. Die Sprache und Integration sind ein Teil davon, um in der Kommune integriert zu werden“, sagt der Jugendschulleiter. 

„Laut dem Feedback von den Schulen erfahren wir, dass die Schülerinnen und Schüler aufblühen und sich eher trauen, etwas zu sagen. Wir haben Kinder gehabt, die auf Wunsch der Schulen mehr als einmal hier gewesen sind“, so Michelsen. Er berichtet, dass mit den Unterrichtsstätten ein enger Dialog geführt wird. 

Als Teilnahmenachweis für die drei Wochen im Kurs bekommen die Schülerinnen und Schüler eine Urkunde. „Dann haben sie einen handfesten Beweis, den sie stolz zeigen können“, sagt Michelsen.

Sprachtraining ohne Unterbrechung

Die Sprache werde die ganze Zeit trainiert, auch während der Pausen, in denen es Aktivitäten gibt.

„An den drei ersten Tagen haben sie fast nichts gesagt“, erzählt der pensionierte Lehrer Keld Johansen, der gemeinsam mit seiner Kollegin die 14 Jugendlichen unterrichtet. 

„Ballspiele machen viel aus, um aufzulockern, und einige freunden sich auf diese Art an“, ist die Erfahrung von Ingelise Dam Jensen, während es die Jugendlichen während der Pause zum Ballsport in die Turnhalle zieht. 

Ingelise Dam Jensen hat ebenfalls ihre Rentnerinnenzeit unterbrochen, um die Jugendlichen zu unterrichten.

An der Jugendschule gibt es 60 Festangestellte und ein Netzwerk mit 60 bis 70 weiteren Personen.

Spaß am Dänischlernen

Jule Marie und Maxim bevor es für sie in die aktive Pause geht.

„Ich traue mich, auf Dänisch zu sagen, welcher Tag es ist und was ich gemacht habe. Es macht Spaß“, erzählt Jule Marie, bevor es in die Pause geht. Die Siebtklässlerin aus der LAS ist in dem Moment die Sitznachbarin von Maxim.

Auch bei ihm findet das Lernen in Abel Anklang. „Ich finde es gut. Durch das intensive Training lerne ich besser Dänisch“ ist die Erfahrung von Achtklässler Maxim. Für den Schüler aus Branderup stellt es kein Problem dar, dass er in der Runde vorher keinen kannte.

Wie es zur Idee kam

LAS-Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg formulierte die Idee mit dem Turbo-Dänisch, da sie es bedauerlich fand, dass jede Schule, egal ob privat oder kommunal, in Sachen zusätzlicher Dänischunterricht ihr eigenes Ding machte. Damit stieß sie bei der kommunalen Direktorin Grethe H. Nielsen, die für die Kinder, Jugendliche und Soziales zuständig ist, auf offene Ohren. 

Zu dem daraus gewachsenen Angebot hat Bonni Rathje Ottenberg dem „Nordschleswiger“ bereits früher gesagt, dass es eine schöne Kontaktfläche sei, um sich zu vernetzen und Freundschaften einzugehen. Zudem handele es sich bei der Jugendschule für alle um eine neutrale Stätte.