Deutsche Minderheit

Spannende Geschichte Sct. Marie: Vom Hospital zur Kirche

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Die Gäste durften dieses Mal hinter den Altar in der Marienkirche.

Wie wurde aus der Sonderburger Sct.-Jørgen-Kirche die Marienkirche, und warum hängen dort die Modellschiffe „Triton“ und „Virginie“? Pastor Hauke Wattenberg bot den Teilnehmenden bei einer Führung interessante und überraschende Einblicke in die Geschichte.

Wer über die alte Klappbrücke nach Sonderburg fährt, geht oder radelt, kommt immer an dem hoch oben gelegenen, großen roten Gebäude, der Marienkirche, vorbei. Zu ihr kommen die Bürgerinnen und Bürger, wenn sie zum Gottesdienst, zu einer Hochzeit, einer Konfirmation gehen oder von einer Person Abschied nehmen.

Aber warum liegt sie dort? Warum heißt sie Marienkirche, und was verbirgt sich sonst noch hinter den dicken Mauern des stolzen Kirchenhauses? Das wissen seit Kurzem 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die der Einladung des BDN-Ortsvereins Sonderburg gefolgt waren.

Hauke Wattenberg hat sich seit 2010, seinem Antritt als deutscher Pastor in Sonderburg, einen erstklassigen Einblick über die Geschichte des Hauses verschafft. Auf unterhaltsame Weise gab er den in der gemütlich warmen Kirche sitzenden Anwesenden eine Stunde lang unglaublich viele Informationen und Tipps, warum was in der Kirche gerade so aussieht, steht oder hängt. Oder was vielleicht noch geändert werden könnte.

Pastor Hauke Wattenberg vor der Kanzel am sogenannten „Zigarrenkasten"

Schutz gegen Eindringlinge

Die Geschichte der Marienkirche leitete Wattenberg mit der Stadtgeschichte Sonderburgs und dem Kampf gegen die Elbslawen, die Wenden, im 12. Jahrhundert ein. Um sich gegen die Eindringlinge zu schützen, wurde im südlichen Bereich des Alsensunds eine Burg errichtet. Die erste Kirche am südlichen Ende Sonderburgs, die Nikolaikirche, muss ganz in der Nähe der Burg, dem heutigen Schloss, gelegen haben, vermutet Wattenberg.

Aber wie begann es einst mit der Marienkirche? Im Jahr 1307 wurde mit Blick über den Alsensund aus Sicherheitsgründen das etwas von den Sonderburger Bürgerinnen und Bürgern abgelegene Isolationshospital errichtet. Nach dem Krankenhaus wurde dort später die kleine katholische Hospitalskirche mit dem Namen Sankt Jørgen eingerichtet.

Nina und ihre Tochter Louisa Wittmann neben dem Altar. Die Elfjährige hielt es für interessant, was die Kirche alles hat. Ihre Mutter genoss die Mischung von der Geschichte Sonderburgs und der Kirche. „So hat die Geschichte etwas Fließendes", stellte sie fest.

Erst klein, dann groß

1584 erhielt Herzog Hans der Jüngere von seinem Bruder, dem König, die Verantwortung über die Kirchen in Sonderburg, zu der auch die noch ältere Kirche in Ulkebüll (Ulkebøl) gehörte. 1596 begann unter der Leitung von Peter de Castellas der Bau der doppelt so großen roten Marienkirche. Kurz vor Fertigstellung verschwand der Bauleiter. „Entweder verschwand er hier. Dann müsste man erst mal wieder hier graben. Oder er hatte vielleicht etwas mit der Tochter des Bürgermeisters und musste deshalb verschwinden. Keiner weiß das“, so Hauke Wattenberg.

Die Marienkirche hat große Rundbögen, eine Orgel aus Apenrade (Aabenraa), Dekorationen, die wie ein Schiffsbug geformte Kanzel am „Zigarrenkasten“, den großen Altar und Per Kirkebys moderne Mosaikkunst an den wieder geöffneten Fenstern gen Osten. Die Marienkirche wurde unter anderem mit Eichenbalken der früheren Sct. Jørgens Kirche ausgestattet. 400 Jahre sind für gutes Eichenholz kein Problem, so der Pastor.

Eine mit deutscher Schrift ausgestattete Empore für die adeligen Gäste

Turm kam erst 1883 hinzu

Einen richtigen Turm erhielt das Haus übrigens erst 1883 – einen neugotischen Turm mit vier Seitentürmen. Beim ersten Gebäude fehlte das Geld für einen hohen Turm.

In den 1960ern wurde umfangreich renoviert. Unter anderem die vier Seitentürme und die festen Bänke im Kircheninneren wurden entfernt. Nicht alle waren Anhänger für die Neugestaltung des Turms.

Ein Tipp des Pastors: „Schaut euch in den Kirchen immer mal die Schiffe an, und fragt das Personal nach der Geschichte. Diese Modellschiffe hängen dort nicht zufällig. Sie haben allermeist eine besondere Geschichte.“ „Virginier“ wurde wie “Triton“ vor mehreren Jahrhunderten in der Gegend von Mummark (Mommark) gebaut. „Virginier“ sank bei Cap Horn.

So sah der erste große Turm der Marienkirche aus. Er wurde in den 1960er-Jahren zum heutigen Turm geändert.

Den Namen Sct. Marie erhielt die Kirche übrigens erst 1957. „Sie hieß eigentlich Sct. Jørgen. Aber von allen Menschen wurde sie immer Marienkirche genannt“, so Hauke Wattenberg.