Geschichte

Die verbotene Tür: Exklusiver Zugang zur fürstlichen Gruft

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Der verschlossene Eingang zur Grabkapelle im Schloss Sonderburg. Um den Eingang zur Krypta der Herzogenfamilie befindet sich eine kunstvoll gestaltete Verzierung, ein sogenanntes Epitaph.

Das Museum Sønderjylland im Sonderburger Schloss hat in diesem Jahr zum ersten Mal die letzte Ruhestätte der fürstlichen Familie geöffnet. Mit Erfolg! Nun wird das exklusive Angebot auch im kommenden Jahr ins Programm genommen.

Die Schlosskirche an der Nordseite des Sonderburger Schlosses ist wie immer kühl. An der einen Wand fällt eine große vornehme Marmorverzierung mit einer großen Familie und vielen Kindern sofort auf. In der Mitte eine stets hermetisch verschlossene schwarze Holztür. Das ist der Eingang zur fürstlichen Grabkapelle – hier liegen 46 Herzöge, Herzoginnen, Prinzen und Prinzessinnen.

Auf Wunsch des letzten Herzogs Ernst Günther von Augustenburg blieb der Zutritt zur letzten Bleibe seiner Familie für Bürgerinnen und Bürger bislang versagt. Diese Bedingung stellte der Herzog 1920 beim Verkauf der Schlösser an den dänischen Staat.

Bis September dieses Jahres wurde dieses Versprechen eingehalten. Dann machte das Museum die fürstliche Grabkapelle für einige exklusive Gruppen zugänglich. Die Eintrittskarten waren schnell vergriffen.

Herzog öffnete ebenfalls die Kapelle

Für Carsten Porskrog Rasmussen, den geschichtlichen Einheitsleiter des Museum Sønderjylland, ist die Öffnung der Grabkammer im Sonderburger Schloss keine Missachtung der Grabruhe.

„Es ist korrekt, dass Ernst Günther das im Vertrag mit dem Staat eintragen ließ. Aber er selbst hat vor dem Ersten Weltkrieg der Öffentlichkeit ebenfalls Zutritt verschafft.“

Eine besondere Ausnahme gab es außerdem im Jahr 2000. Damals durfte der Freundeskreis des Museums bereits die Grabkapelle besichtigen.

Die Särge der adligen Familie sind aus Holz. Einige wurden mit Filz bedeckt. In den Särgen befinden sich Innensärge aus Zink und Blei, und die Leichen sind bei der Bestattung balsamiert worden. Die Grabkapelle in der Sonderburger Schlosskirche wurde ursprünglich für die erste verstorbene Ehefrau des Herzogs Hans des Jüngeren angelegt. Sie starb 1686.

Museumsleiter Carsten Porskrog Rasmussen hat die behutsame Öffnung der Krypta in die Wege geleitet.

Eine Kapelle voller interessanter Geschichten

Die fürstliche Grabkapelle ist ein Ort voller interessanter Geschichten. „Diese Geschichten der Menschen sind ein wesentlicher Teil, und die Rundgänge bleiben ein exklusives, begrenztes Angebot. Es können immer nur 20 Personen teilnehmen, damit alle den einstigen Begebenheiten folgen können", so Carsten Porskrog Rasmussen.

Rasmussen hat im September und Oktober die Besuchergruppen durch die Räume hinter der schwarzen Tür geführt. Er gab den Besuchenden interessante Geschichten – ob Louisa Augusta oder Herzog Hans der Jüngere, der zwischen seinen beiden Frauen aufgebahrt wurde. Für den Historiker ist der Besuch in der Grabkapelle eine gute Art, die Geschichte auf eine verständliche Weise zu vermitteln. 

Diese Geschichten der Menschen sind ein wesentlicher Teil, und die Rundgänge bleiben ein exklusives, begrenztes Angebot. Es können immer nur 20 Personen teilnehmen, damit alle den einstigen Begebenheiten folgen können.

Carsten Porskrog Rasmussen

Fürstliche Grabkapellen in einer Schlosskapelle sind eher selten. Die meisten Stätten dieser Art liegen typischerweise neben einer Stadtkirche. „In einer Schlosskirche ist es eine ungewöhnliche Konstruktion“, so Porskrog Rasmussen. 

„Vielleicht kommen noch weitere Führungen in den Sommermonaten hinzu. Aber es sollen auch nicht zu viele sein und eine exklusive Angelegenheit bleiben“, so Carsten Porskrog Rasmussen. 

Führungen 2026

An diesen Tagen 2026 um 15.30 Uhr sind Rundgänge in den fünf Räumen der fürstlichen Grabkammer im Sonderburger Schloss geplant: 21. Januar, 12. Februar, 18. März, 16. April, 4. August, 3. September, 8. Oktober und 2. Dezember. 

Karten für einen einstündigen Rundgang zum Preis von 100 bis 315 Kronen können beim Museum Sønderjylland erworben werden.

Harro Hallmann ist begeistert

Wird das Angebot gut angenommen, werden diese Führungen auch in den kommenden Jahren durchgeführt, verspricht der Einheitsleiter des Museums in Sonderburg. 

Der Kommunikationschef der deutschen Minderheit, Harro Hallmann, war im September bei einer der ersten Führungen durch das Gewölbe mit den Särgen dabei. Er kann eine Teilnahme wärmstens empfehlen: 

„Das war wirklich sehr spannend. Carsten Porskrog informiert gut, lebendig und sehr ausführlich über die Dinge, die sonst nicht zugänglich sind.“ 

Neben den sterblichen Überresten der Erwachsenen liegen mehrere Kinder und Jugendliche.