Deutsche Minderheit

BDN startet Marketing-Kampagne für deutsche Kindergärten

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Sally Flindt Hansen
Kommunikationskonsulentin Sally Flindt Hansen ist für die Marketing-Kampagne verantwortlich.

Der demografische Wandel sorgt für weniger Nachwuchs in den Kindergärten der deutschen Minderheit. Mit einer digitalen Kampagne wird jetzt versucht, Menschen auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, ihr Kind in eine Institution der Minderheit zu schicken. Der größte Vorteil steht dabei im Mittelpunkt: die Zweisprachigkeit.

Die deutsche Minderheit macht ab 1. Februar Werbung für die eigenen Kindergärten – im Netz, auf digitalen Werbetafeln in Nordschleswig und in den Kinos im Landesteil. „Wusstest du, dass es auch deutsche Kindergärten gibt, ist die Botschaft“, sagt BDN-Kommunikationskonsulentin Sally Flindt-Hansen dem „Nordschleswiger“.

„Es kostet Geld, Kunden in den Laden zu bekommen. Aber wenn wir nichts machen, können wir einpacken“, ergänzt sie. Flindt-Hansen spielt damit auf die Konkurrenzsituation der dänischen und deutschen Kindergärten in Nordschleswig und den demografischen Wandel an. Weniger Kinder bedeuten mittelfristig auch mögliche Schließungen – wie zuletzt in Rapstedt (Ravsted), wo Schule und Kindergarten schließen müssen.

„Wir erhoffen uns davon – und es ist leider schwer messbar – dass alle, die einen Kindergarten suchen und nicht wussten, dass es auch deutsche Kindergärten gibt, es nachher wissen“, ergänzt sie. Vielleicht könne man die eine oder andere Entscheidung so beeinflussen. 

Bislang kein Budget für Kita-Werbung

Das es jetzt zu der Kampagne für die Kindergärten kommt, liegt am wachsenden Interesse. In den vergangenen Jahren seien immer mal wieder Leiterinnen und Leiter der Kindergärten auf sie zugekommen und hätten nach Unterstützung beim Marketing gefragt, berichtet sie. Weil aber auch Werbeanzeigen in sozialen Medien wie Facebook Geld kosten, sei nie etwas daraus geworden. Sie habe dann mit Kommunikationschef Harro Hallmann und Generalsekretär Uwe Jessen überlegt, wie geholfen werden kann. Denn der Bedarf an Werbung für die deutschen Institutionen ist durchaus vorhanden. 

Der Hauptvorstand hat nun Geld aus dem Infomittel-Topf zur Verfügung gestellt: 250.000 Kronen. „Ich habe dann ein Konzept erstellt, welche Werbung wir machen wollen“, so Flindt-Hansen. Dass es jetzt Werbung auf Facebook, auf digitalen Werbetafeln von „City Info“ und im Kino geben wird, hat einen einfachen Grund: „Die Kampagne ist bewusst etwas aggressiver, damit die Leute sie mehrmals gesehen haben und es sie quasi verfolgt.“

Die Botschaften werden von Februar bis April und noch einmal im Juli Bürgerinnen und Bürgern beim Einkaufen, im Schwimmbad oder beim Autofahren begegnen. Auf Facebook hingegen wird die Kampagne nur bestimmten Zielgruppen ausgespielt – je nach Alter, Wohnort und Interessen.

Wusstest du, dass es auch deutsche Kindergärten gibt, ist die Botschaft.

Sally Flindt-Hansen

Werbung für die Zweisprachigkeit

Die Slogans sind dabei bewusst kurz und prägnant gehalten. „Unser Sellingpoint ist: Es gibt deutsche Kindergärten“, sagt Flindt-Hansen. Um zu ermitteln, was die Botschaft sein soll, habe sie sich mit je einem Repräsentanten bzw. Repräsentantin aus jedem Kindergarten-Distrikt zusammengesetzt und gefragt: Was macht einen deutschen Kindergarten besonders?

Das Ergebnis sind zwei rotierende Anzeigen, auf denen entweder „Hier wächst dein Kind mit zwei Sprachen auf“ oder „Deutsche Kindergärten: Besuche uns in...“ stehen wird. „Das Motto war: Keep it simple“, sagt die Kommunikationskonsulentin.

Auch der Werbefilm, der künftig alle zwei Tage in den Kinos zu sehen ist, ist mit zehn Sekunden sehr kurz gehalten. Kinobesucherinnen und Kinobesucher sollen aufmerksam auf die deutschen Institutionen werden. Spielende Kinder sind in der Sequenz zu sehen und eine zentrale Botschaft: „Bei uns in den deutschen Kindergärten wachsen die Kinder spielerisch mit zwei Sprachen auf“, heißt es. „Wir wollen mit dem Film ein Gefühl platzieren“, sagt Flindt-Hansen.

Die Anzeigen richten sich an alle Eltern im Landesteil, die für ihr Kind einen Kindergarten finden müssen und an alle, für die der Erhalt deutscher Sprache und Kultur wichtig ist oder die Interesse an deutscher Sprache und Kultur haben. Daher sind die Anzeigen auch bewusst in deutscher Sprache verfasst.

Es kostet Geld, Kunden in den Laden zu bekommen. Aber wenn wir nichts machen, können wir einpacken.

Sally Flindt-Hansen

Interessierte werden auf spezielle Startseiten des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig unter dssv.dk geleitet. „Wer potenziell dort landet, weiß ja im Zweifel nichts über die Kindergärten.“

Erfolg der Kampagne soll gemessen werden

Um überhaupt messbar zu machen, welchen Erfolg die Maßnahmen bringen werden, hat die Kommunikationskonsulentin schon im November alle Leitungen gebeten, eine Statistik anzufangen: Wer ruft an und woher hat die- oder derjenige von deutschen Kindergärten gehört.

„Es gibt keine Saison für die Anmeldung im Kindergarten“, sagt Flindt-Hansen. Daher ist eine Statistik drei Monate vor der Kampagne und während der drei Monate die einzige Möglichkeit, einen Effekt zu bemerken – etwa bei den Anmeldezahlen. 

Gleichzeitig wurde auch Geld freigemacht, um bei Messen, Stadtfesten oder bei Events wie einem Tag der offenen Tür Personal zu haben, dass auf die Arbeit deutscher Kindergärten aufmerksam machen kann. 

In Apenrade darf auf den kommunalen Werbetafeln nicht annonciert werden, weil der DSSV nicht-kommerziell ist. „Wir dürfen daher nur für Events und nicht für die Einrichtungen werben“, so Flindt-Hansen. In Sonderburg (Sønderborg) sei es hingegen erlaubt worden, die Kindergärten zu bewerben. 

Die Kommunikationskonsulentin wirbt auch dafür, dass die jeweiligen Kindergärten im Kampagnenzeitraum Veranstaltungen anbieten – etwa einen Tag der offenen Tür. 

Nach den ersten drei Monaten soll dann eine interne Auswertung stattfinden.