Auslandsstudium

Zwischen Hörsaal und „Hygge“: Wieso Fabian und Moritz in Kopenhagen studieren

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Moritz (links) und Fabian kommen aus Deutschland und studieren an der „Copenhagen Business School“ in der dänischen Hauptstadt.

Studieren in Skandinavien: Wieso zieht es Deutsche zum Studieren nach Kopenhagen? Fabian und Moritz kommen aus Deutschland und absolvieren wie etwa 4.000 andere internationale Studierende ein Studium an der „Copenhagen Business School“. Ein Einblick in ihren dänischen Studienalltag zwischen Großstadtleben und „Hygge“.

Der Regen prasselt auf das Dach des kleinen Universitätscafés in Frederiksberg – drinnen duftet es nach frisch gemahlenem Kaffee. Zwischen aufgeklappten Laptops und leiser Musik, die im Stimmengewirr untergeht, sitzen Fabian und Moritz, zwei deutsche Masterstudenten an der „Copenhagen Business School“ (CBS). Die beiden 23-Jährigen sind vergangenes Jahr nach Kopenhagen gezogen.

„Wir haben zusammen im Bachelor Betriebswirtschaftslehre in Mannheim studiert“, sagt Fabian, der ursprünglich aus Bonn stammt. Beide machen das Masterprogramm in „Economics and Business Administration“ (Wirtschaftswissenschaft und Betriebswirtschaft), aber mit unterschiedlicher Spezialisierung.

Fabian entschied sich für einen Master in „Supply Chain Management“ (Lieferkettenmanagement), „da die CBS sehr viele spezialisierte Studiengänge hat“, sagt er. Sie sei eine der wenigen Universitäten in Europa, die dieses Studienfach anbietet – und auch die Stadt selbst sei ein Anreiz. „Deswegen war es meine erste Wahl“, betont Fabian.

Moritz kommt aus Darmstadt und stimmt zu. Er studiert „Accounting, Strategy and Control“ (Rechnungswesen, Strategie und Kontrolle).

Campus mit internationalem Flair und auf Augenhöhe

Die CBS zählt 2025 rund 21.000 Studierende – darunter sind etwa 4.000 aus dem Ausland. Auch Fabian und Moritz zählen dazu und kommen in Kontakt mit vielen weiteren internationalen Studierenden.

„Wir haben auch viel Kontakt zu anderen Deutschen, die wir aus dem Bachelor kennen“, sagt Fabian. Es gebe auf Instagram eine „CBS German Society“, die Veranstaltungen organisiert. Insgesamt gebe es aber sehr viele Studierende an der CBS, sodass sich ihr Freundeskreis verläuft, erklärt Moritz.

Im Master hätte man kleine Vorlesungsgruppen, es sei interaktiver und persönlicher, stellt Fabian fest, was ihm gut gefällt. Im Vergleich zum deutschen System, das er strenger und stärker durchstrukturiert kennt, empfindet er das dänische Modell als etwas lockerer, allerdings auch etwas uneindeutiger. Das habe Vor- und Nachteile, beschreibt er.

Moritz hebt hervor, dass er das dänische Studiensystem freier wahrnehme und Studierende nicht in starre Strukturen gezwängt würden. Er engagiert sich im „Quality Board“ seines Studiengangs, einem Gremium, in dem Studierende Rückmeldungen an ihre Dozierenden geben können. In Deutschland könnte er sich das weniger vorstellen.

Auch das Verhältnis zwischen Studierenden und Dozierenden sei locker und nahbar, beschreibt Fabian. Man dürfe sie mit ihrem Vornamen ansprechen.

Die Universität sei, „wie alles andere in Dänemark auch“, gut organisiert, nimmt Moritz wahr. Er betont die gute Infrastruktur: Beispielsweise würden die Abfahrtzeiten der Metro im Halbminutentakt angezeigt oder es gebe automatisierte Metro-Züge.

Wieso lohnt sich ein Studium in Dänemark?

Neben der hohen Lebensqualität überzeugt auch die gute akademische Qualität an der Universität, betont Fabian. „Beruflich stehen alle Türen offen, wenn man in Kopenhagen studiert hat“, sagt der CBS-Student. Es sei eine renommierte Universität und biete eine wertvolle Auslandserfahrung, die ihn fachlich und persönlich weiterbringt.

„Man hat an drei Tagen Uni und kann an zwei Tagen arbeiten“, erzählt Moritz. Die Universität biete viele Möglichkeiten, und man treffe auf viele internationale Menschen. Generell sei Skandinavien sehr fortschrittlich. „Das ist eine wertvolle Erfahrung“, betont er.

Wie lebt es sich in Kopenhagen?

„Copenhagen Business School“

Im Herzen von Frederiksberg, einer Stadt innerhalb der Hauptstadtregion Dänemarks, liegt eine der renommiertesten Wirtschaftsuniversitäten Europas und eine der neun öffentlichen, staatlichen Universitäten Dänemarks: die „Copenhagen Business School“ (CBS).

Gegründet im Jahr 1917 hat sich die CBS als international ausgerichteter Campus etabliert. Mit mehr als 21.000 Studierenden, darunter etwa 4.000 internationale, bietet die CBS ein globales Lernumfeld. Mehr als 40 Nationalitäten seien bei Studierenden und Dozierenden vertreten, heißt es auf der Website der Hochschule.

Besonders ist der nordische Bildungsansatz, den die Hochschule verfolgt und sich in der „Nordic Nine“-Strategie widerspiegelt. Die „Nordic Nine“ seien neun Fähigkeiten, die die Studierenden inspirieren sollen, „zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beizutragen“ und Mitgefühl für sich selbst, anderen und die Erde zeigen sollen, heißt es weiter.

„Die Stadt an sich ist ein Highlight“, sagt Moritz. Was ihm besonders gefällt: Kopenhagen sei eine Stadt mit internationalem Charakter und habe insgesamt ein sehr junges, dynamisches Stadtbild.

Fabian stimmt zu: Man werde toleriert und spüre wenig gesellschaftlichen Druck. Er nimmt die Stadt als sauber, ruhig, aber stellenweise sogar etwas leer wahr. „Im Winter wissen die Menschen, wie sie es sich gemütlich machen können“, betont Fabian.

Die beiden Studenten aus Deutschland unternehmen viel: Sie machen Bootstouren in den Kanälen der Stadt, gehen ins Fußballstadion oder tauchen in Kopenhagens Nachtleben ein, das laut „Creative Footprint“ das zweitbeste der Welt ist.

Im internationalen „City for People“ Index (CFP) erreicht die dänische Hauptstadt eine Gesamtbewertung von 7,54 von 10 Punkten und liegt damit knapp hinter dem Nachtleben-Spitzenreiter Berlin auf dem zweiten Platz. Der CFP bewertet Städte danach, wie attraktiv sie für Bewohnerinnen und Bewohner sind – hinsichtlich öffentlicher Räume, Gemeinschaft, Kultur und Infrastruktur.

Wohnen am Wasser

Fabian und Moritz teilen sich in der Nähe von Sydhavnen mit einem weiteren Mitbewohner eine Dreier-Wohngemeinschaft mit Blick auf das Wasser eines Kanals. Direkt neben ihrem Haus befindet sich ein Steg, an dem man schwimmen gehen kann. Die Nähe zum Wasser macht das Leben in „der lebenswertesten Stadt des Jahres 2025“ besonders attraktiv:

Fabian nutzt das, um so gut wie jeden Tag schwimmen zu gehen – und das auch bei einer Wassertemperatur von 5 Grad Celsius. Nur an Regentagen geht er nicht ins Wasser.

Bei der Wohnungssuche in Kopenhagen hatten sie Glück, verrät Fabian. Die Wohnung wurde ihnen von anderen Studierenden, die sie aus dem Bachelor in Mannheim kannten, vermittelt. „Aber ich habe gehört, dass es schon teilweise schwierig ist, eine Wohnung zu finden“, berichtet er. Einige würden in Wohnheimen mit sehr hohen Mietpreisen leben.

Wenn Lebensqualität auf Preisschilder trifft

Kopenhagen: Die lebenswerteste Stadt der Welt 2025

Kopenhagen gilt als die lebenswerteste Stadt der Welt. Damit hat die dänische Hauptstadt Wien überholt: Die österreichische Hauptstadt stand drei Jahre in Folge auf dem ersten Platz der Rangliste.

Im „Global Liveability Index 2025“ hat die internationale Wochenzeitung „Economist“ 173 Städte weltweit anhand von 30 Indikatoren und in fünf Kategorien bewertet. Kopenhagen gilt in vielerlei Hinsicht als Vorbild und erreicht dabei nahezu perfekte Werte. In „Stabilität“, „Bildung“ und „Infrastruktur“ erreicht die dänische Hauptstadt den höchsten Wert von 100 Punkten, auch in den Bereichen „Gesundheitswesen“ (95,8 Punkte) und „Kultur und Umwelt“ (95,4 Punkte) erzielt sie ausgezeichnete Ergebnisse.

Insgesamt erreichte Kopenhagen die höchste Gesamtbewertung im internationalen Vergleich – ein Zeichen für die hohe Lebensqualität in der Stadt, die jedoch mit hohen Preisen einhergeht. Kopenhagen gehört zu den weltweit teuersten Städten: Auf der „Cost of Living“-Rangliste 2024 der Unternehmensberatung „Mercer“ über die teuersten Städte liegt sie auf Platz 11.

Wohnen und studieren am Wasser: Fabian und Moritz leben in der Nähe von Sydhavnen in Kopenhagen.

Das Leben in Kopenhagen hat seinen Preis, was auch Fabian und Moritz spüren. „Im Supermarkt ist es schon einen Tick teurer, aber da geht es noch“, sagt Fabian. Vor allem im Restaurant oder bei Dienstleistungen bemerkt er einen Unterschied. Auch Taxifahren oder Getränke in Bars seien teuer, ergänzt Moritz.

Dänemark gehört nämlich zu den teuersten Ländern weltweit. Im Jahr 2024 lagen laut „Eurostat“ die Preise für Konsumgüter und Dienstleistungen bei 43 Prozent über dem Durchschnitt der Europäischen Union – so hoch wie in keinem anderen EU-Staat. Besonders teuer sind Restaurant- und Hotelbesuche: In dieser Kategorie lag Dänemark 2024 mit einem Preisniveau von 148 Prozent des EU-Durchschnitts an der Spitze.

„Wir haben den Vorteil, dass wir vom dänischen Staat einen Zuschuss bekommen, weil wir nebenbei arbeiten“, erzählt Fabian, der parallel zum Studium bei einem Hersteller für Medizintechnik arbeitet. Moritz arbeitet neben dem Studium bei einem pharmazeutischen Unternehmen, das unter anderem Antidepressiva herstellt.

Die staatliche Bildungsförderung in Dänemark, „Statens Uddannelsesstøtte“ (SU), unterstützt dänische Studierende mit monatlichen Zuschüssen in Höhe von etwa 7000 Kronen, was ungefähr 950 Euro im Monat entspricht.

Dänische Bildungsförderung für Studierende aus Deutschland

Internationale Studierende aus Ländern der EU, wie Moritz und Fabian aus Deutschland oder des Europäischen Wirtschaftsraums, können unter bestimmten Voraussetzungen genauso wie dänische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger gefördert werden –etwa, wenn sie neben dem Studium in Dänemark einen Job haben oder seit mindestens fünf Jahren im Land wohnhaft sind.

Das Geld hilft den Studierenden, die teuren Mieten und Lebenshaltungskosten in Kopenhagen zu tragen und auszugleichen. „Das greift einem etwas unter die Arme“, sagt Fabian.

Herausforderungen: Was ist anders?

Ein Auslandsstudium bringt nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen mit sich: Für Fabian und Moritz bedeutet das Studium an der CBS, sich an ein anderes Hochschulsystem, neue Lernformen und kulturelle Unterschiede zu gewöhnen. Aber: „Es dauert nicht lange, sich einzuleben“, so Fabian.

Im Alltag spüren sie kulturelle Unterschiede im sozialen Miteinander: „Man merkt, dass die Dänen gerne unter sich bleiben“, sagt Moritz.

Insbesondere internationale Studierende würden sich aktiv am Sozialleben neben den Lehrveranstaltungen beteiligen, während der Zugang zu den dänischen Kommilitoninnen und Kommilitonen oder Arbeitskolleginnen und -kollegen im Joballtag schwieriger sei, verrät der Student aus Südhessen. Über einen Fußballverein hat Moritz allerdings Anschluss zu Dänen gefunden.

Auch Fabian bestätigt diesen Eindruck: Zwar nehmen die dänischen Studierenden an sozialen Veranstaltungen teil, wirken aber zurückhaltender und im ersten Moment etwas distanziert; viele hätten bereits ihre festen Freundesgruppen. Fabian hat internationale Freunde aus Schweden, Norwegen oder Deutschland kennengelernt.

Mehr als ein Studienort

„Man hat ein Studentenleben, das eine hohe Lebensqualität mit sich bringt“, sagt Fabian. Das Leben gehe mit einer guten Zeit einher, und man könne sich frei entfalten. Sprachbarrieren gebe es kaum, da die Menschen hervorragend Englisch sprechen, sagt er.

„Es ist ein Geben und Nehmen“, meint Moritz. Einerseits werde einem viel gegeben, aber andererseits erwartet, dass man sich beispielsweise an die Regeln beim Fahrradfahren hält, erzählt er mit einem Augenzwinkern. „An sich kann man in Kopenhagen ein schönes Leben haben“, sagt er.

Ein Studium in Kopenhagen würden die beiden deutschen Masterstudenten weiterempfehlen.