Bildung und Ausbildung

Wenn Schulbücher nicht helfen – wie die Kommune Tondern jungen Menschen wieder Perspektiven geben will

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Thor fühlt sich in der Arbeitskleidung pudelwohl.

Viele junge Menschen in Tondern und Umgebung haben weder Job noch Ausbildung. Mit dem Start von „Ungeløftet Tønder“ will die Kommune neue Perspektiven schaffen – in enger Zusammenarbeit mit Betrieben, Schulen und freiwilligen Initiativen. Ein Beispiel aus Sonderburg zeigt, wie Alternativen zum Schulalltag Jugendliche wieder stärken können.

Wenn Thor morgens um sechs Uhr aufsteht, tut er das freiwillig. Kein Murren, kein Zaudern – der 15-Jährige aus Sonderburg (Sønderborg) zieht seine orangefarbene Arbeitsjacke mit dem Logo des Tiefbauunternehmens Arkil an und freut sich auf einen Tag mit schwerem Gerät, Teamarbeit und Sinn. Während viele seiner Altersgenossen noch die Schulbank drücken, ist Thor längst auf der Baustelle unterwegs. Der Schulalltag, sagt er, hat ihm nichts gegeben – aber mit der Schaufel in der Hand und festen Aufgaben ist er endlich angekommen: „Das hier ist mein Traum.“ Thor hat die Diagnose ADHS.

Thors Geschichte ist kein Einzelfall – und sie zeigt, dass Bildung und Teilhabe auch außerhalb des Klassenzimmers gelingen können, wenn man jungen Menschen den richtigen Rahmen bietet. Genau darum geht es am Montag, 25. August, wenn die Kommune Tondern zur Auftaktveranstaltung von „Ungeløftet Tønder“ im Campus Tønder einlädt.

Weitere Informationen über Thor und seine Zeit bei dem Tiefbauunternehmen Arkil gibt es hier.

Ziel der neuen Initiative: Jugendlichen, die weder in Ausbildung noch Arbeit sind, neue Wege aufzeigen – mithilfe von Betrieben, Schulen, Vereinen und individueller Betreuung. Allein in der Kommune Tondern betrifft das rund 280 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren.

„Es kann schwerwiegende Folgen haben, wenn junge Menschen keinen Zugang zur Arbeitswelt finden. Deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt gemeinsam mit vielen Partnern aktiv werden“, sagt Theresé Andersen, Fachchefin für Arbeitsmarktfragen in der Kommune.

Politik, Praxis und persönliche Geschichten

Theresé Andersen, Fachchefin für Arbeitsmarktfragen in der Kommune Tondern, setzt sich für individuelle Unterstützung junger Menschen ein.

Zur Veranstaltung wird auch Wirtschaftsministerin Stephanie Lose (Venstre) erwartet, die das landesweite Programm „Ungeløftet“ vorstellen wird. Auf dem Programm stehen außerdem Erfahrungsberichte junger Menschen, die bereits von neuen Bildungs- und Arbeitsmodellen profitiert haben, sowie Einblicke in bestehende Maßnahmen in der Kommune – etwa IPS-Projekte (Individuell geplante Unterstützung in Job oder Ausbildung), bezahlte Arbeitsstunden und Mentorenprogramme.

Seit dem Start der IPS-Initiative Anfang 2024 haben in Tondern etwa 60 Jugendliche daran teilgenommen – mehr als die Hälfte von ihnen hat inzwischen den Sprung in Job oder Ausbildung geschafft. Rückenwind erhält das Programm zudem durch einen Förderzuschuss von rund 4 Millionen Kronen des dänischen Arbeitsministeriums.

„Wir haben in Tønder bereits starke Netzwerke und viele engagierte Akteure. Das gibt uns eine solide Grundlage für diese wichtige Arbeit“, so Theresé Andersen.

Was ist „Ungeløftet“?

„Ungeløftet“ ist ein landesweites Bündnis, an dem sich neben Kommunen auch Unternehmen, Bildungsinstitutionen, Stiftungen und zivilgesellschaftliche Gruppen beteiligen. Ziel ist es, junge Menschen ohne Anschluss an Schule oder Beruf durch lokale Partnerschaften individuell zu fördern – so wie im Fall von Thor.

Dass Perspektivwechsel gelingen können, wenn man hinschaut und passende Angebote schafft, ist Teil der Botschaft, die am 25. August in Tondern im Mittelpunkt stehen wird.