Ausbildung

Tønder Gymnasium: Zahl der Schülerinnen und Schüler könnte sich bis 2030 halbieren

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Die Stadtratspolitikerin Randi Damstedt gehört zum Spitzenteam der SP in Tondern.

Die SP-Stadträtin Randi Damstedt warnt vor einem dramatischen Rückgang der Schülerzahlen am Tønder Gymnasium – und vor einem möglichen „Geistergebäude“ im Herzen der Stadt. Mit Blick auf die neue Gymnasialstruktur möchte sie eine Debatte anstoßen, um das historische Gebäude und das Bildungsangebot in der Innenstadt zu sichern.

„Es klingt wie ein schlechter Witz zu fragen, ob das Tønder Gymnasium in naher Zukunft schließt. Aber das ist auf keinen Fall der Fall“, lautet der erste Satz in einem Leserbrief von Randi Damstedt. 

Die Stadtratspolitikerin der Schleswigschen Partei thematisiert die Zukunft der Bildungsstätte in der Tonderner Innenstadt und schreibt, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler 2030 mit einem Stand von 200 halbiert sein wird. 

Ausschlaggebend seien drei Gründe. Die Tatsache, dass die HF-Ausbildung abgeschafft und der Notendurchschnitt für das allgemeine Gymnasium (STX) angehoben wird sowie die sinkende Kinderzahl in der Kommune Tondern. 

Die Regierung, die Sozialistische Volkspartei und die Dänische Volkspartei hatten im Februar eine Gymnasialreform beschlossen. Sie wird schrittweise umgesetzt und soll ab dem Schuljahr 2030/2031 vollständig greifen. Demnach wird HF eingemottet und durch die ebenfalls zweijährige neue berufs- und praxisorientierte Ausbildung EPX ersetzt.

Hoffen auf neue Ausbildung

Randi Damstedt erläutert dem „Nordschleswiger“, dass in Dänemark viele Gymnasien mit STX und HF hoffen, dass sie die neue EPX-Ausbildung bekommen, damit sie ihre Schulen weiterführen können. 

Andernfalls hätten sie zu große Räumlichkeiten und zu viele Angestellte. Sie weist darauf hin, dass das Tønder Gymnasium als körperschaftseigene Einrichtung (selvejende institution) nicht die Mittel hat, das große rote Ziegelgebäude zu erhalten und zu beheizen, wenn es nur 200 Schülerinnen und Schüler beherbergen würde.

Die Gymnasiallehrerin kennt das 1910 als Preußische Realschule gebaute Gebäude gut, da sie dort tätig ist.

Inputs für die zukunftsorientierte Debatte

Randi Damstedt wünscht sich einen Austausch über die Zukunft der Bildungsstätte.

Mit einer Art Brainstorming mit verschiedenen Szenarien möchte sie die Debatte über die Zukunft der Bildungsstätte anschieben. 

Es sei naheliegend, dass eine andere Ausbildungseinrichtung einziehen würde, damit dort mehr Institutionen unter einem Dach wären. Dies könnte zum Beispiel die neue gymnasiale EPX-Ausbildung sein, die sich an Jugendliche richtet, die eine berufliche oder fachbezogene Ausbildung anstreben.

In dem Fall müssten Werkstatträume im Gymnasium gebaut werden, oder die Schülerinnen und Schüler müssten zwischen dem Gymnasium und Werkstatträumen pendeln.

„Ein anderes Szenario ist, dass Det blå gymnasium einzieht und die zwei Gymnasien zusammengelegt werden. „Oder dass die Overbygningsskole, eine Privatschule, oder vielleicht die dänische und die deutsche Bibliothek einziehen.“

„Ich persönlich halte das Modell, bei dem mehrere weiterführende Ausbildungen unter einem Dach angeboten werden, für die optimale Lösung“, so Randi Damstedt. 

Komplette Schließung keine Lösung

Eine ganz andere Alternative wäre, dass das Tønder Gymnasium komplett schließt. Dann könnten die STX-Schülerinnen und -Schüler zum Beispiel an den Campus beziehungsweise „Det blå gymnasium“ verlegt werden.

„Vor diesem Modell möchte ich aber dringend warnen. Das leere Gebäude wäre ein Schandfleck für die ganze Stadt, und eine Schließung wäre ein Abschied von dem Geist und der Kultur, mit der das historische Gebäude so stark verbunden ist.“

Als Politikerin sehe sie vor allem die neue gymnasiale Struktur aus der Perspektive der Bürgerinnen und Bürger in Tondern. Das historische Gebäude dürfe nicht wie das Seminar leer stehen, nicht mitten in Tondern.

Städtische Perspektive ist wichtig

„Es ist wichtig, die neue Gymnasialstruktur in einem größeren Zusammenhang zu sehen – in einer städtischen Perspektive. Wir müssen sicherstellen, dass junge Menschen in der Innenstadt bleiben und dass ein starkes Jugendumfeld geschaffen wird. Es wäre ein Fehler, wenn sich die beiden Gymnasien nur auf ihre eigenen Interessen konzentrieren“, sagt Randi Damstedt.

„Ein Gymnasium ohne Schülerinnen und Schüler – ein Geistergebäude mitten in Tondern – ist ein Horrorszenario, das wir unbedingt vermeiden müssen“, so die SP-Politikerin.