Deutsche Minderheit

Ein Knicks vor der Prinzessin: Junge Nordschleswigerin veröffentlicht Jubiläumsbuch

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Ditte Johanne Rieder aus der deutschen Minderheit erzählt in ihrem Buch „Dänische Kirche im deutschen Hafen“ die Geschichte der dänischen Seemannskirche in Hamburg.

Ein Moment der Unsicherheit – dann der Knicks. Mit der Übergabe ihres Buches „Dänische Kirche im deutschen Hafen“ an Prinzessin Benedikte erreicht Ditte Johanne Rieders monatelange Schreibarbeit ihren Höhepunkt. Das Werk zeichnet die Geschichte der dänischen Seemannskirche in Hamburg nach und markiert zugleich einen persönlichen Meilenstein.

Der Hamburger Michel ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Nordische Weihnachtskonzert der dänischen Seemannskirche beginnt in wenigen Augenblicken, als Ditte Johanne Rieder zum Eingang gebeten wird. Vor ihr steht Prinzessin Benedikte, die jüngere Schwester von Königin Margrethe II.. In den Händen hält Rieder ihr eigenes Buch.

„Ganz ohne Nervosität war es nicht“, sagt die 26-Jährige rückblickend und lacht. „Plötzlich stand sie da – und dann dachte ich: Oh, jetzt muss ich einen Knicks machen. Im Nachhinein denke ich, ein bisschen Übung wäre wahrscheinlich nicht schlecht gewesen.“

Die Prinzessin reagierte freundlich und positiv überrascht. Rieder überreichte ihr das Buch mit einer persönlichen Widmung und sprach kurz darüber, wie die Geschichte der dänischen Seemannskirche auch mit der Geschichte des dänischen Königshauses verknüpft ist. „Man trifft ja nicht alle Tage jemanden aus der Königsfamilie. Das war schon ein tolles Erlebnis.“

Ditte Johanne Rieder überreicht ihr Jubiläumsbuch an Prinzessin Benedikte

Verwurzelt in der deutschen Minderheit

Ditte Johanne Rieder ist in Felstedt/Tumbüll aufgewachsen und besuchte die Schulen der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Kirche gehörte in ihrer Familie vor allem zum Weihnachtsfest, aber nicht unbedingt zum Alltag. Und doch wusste sie früh, wohin ihr Weg führen würde.

„Seit etwa der sechsten Klasse war mir klar, dass ich Theologie studieren und Pastorin werden möchte“, sagt sie.

2019 begann Rieder ihr Theologiestudium in Kopenhagen und lebte zunächst dreieinhalb Jahre im Collegium 1961 in Hellerup. Im Januar schließt sie nun den Master ab. Daraufhin steht das Pastoralseminar auf dem Plan.

Vom Masterthema zum Jubiläumsbuch

Der Ausgangspunkt für ihr Buch war das 150-jährige Jubiläum der dänischen Seemannskirche in Hamburg 2025. Gesucht wurde jemand, der sich im Rahmen einer Masterarbeit mit der Geschichte der Kirche beschäftigen wollte. Dass Rieder Deutsch und Dänisch spricht, erwies sich dabei als großer Vorteil.

„Am Anfang war nur eine Masterarbeit geplant“, sagt Rieder. Doch daraus entwickelte sich bald die Idee eines eigenständigen Jubiläumsbuches:
„Dansk kirke i tysk havn – Den danske sømandskirke i Hamborg fra 1875–1948“.

Während sich ihre Masterarbeit auf die Jahre 1943 bis 1945 konzentrierte, spannt das Buch einen großen historischen Bogen – von der Gründung der Kirche 1875 bis zur Einweihung des heutigen Kirchengebäudes 1952.

Während der Recherche und des Schreibprozesses wohnte Rieder in Hamburg – insgesamt für 13 Monate. „Das waren lange Tage, die eine gute Struktur erforderten.“ Sechs Monate arbeitete sie an der Masterarbeit, fünf weitere am Buch. „Nach der Abgabe habe ich mir ein Wochenende frei genommen und dann direkt weitergeschrieben.“

Ich habe schon als Kind gerne gelesen und geschrieben. Wenn wir in der Schule zwei Seiten schreiben sollten, habe ich fünf geschrieben.

Ditte Johanne Rieder

Die wichtigste Quelle für Rieders Arbeit war das Gemeindeblatt der dänischen Seemannskirchen, das mehrmals jährlich in Dänemark erschien und an die Pastoren verschickt wurde.

Kirche, Hafen und Geschichte

Die dänische Benedikte-Kirche ist bis heute einer der zentralen Anlaufpunkte für die dänische Gemeinde in Hamburg. In Rieders Buch geht es nicht ausschließlich um Kirchengeschichte, sondern auch um das Leben dänischer Seemänner und Familien in einer großen deutschen Hafenstadt nach dem Krieg von 1864, im Ersten Weltkrieg und in den 1930er- und 1940er-Jahren.

„Vieles verändert sich über 150 Jahre – und anderes überhaupt nicht“, sagt Rieder. Der Grundauftrag der Seemannskirche sei geblieben: eine Heimat im Ausland zu schaffen. Verändert habe sich unter anderem das theologische Menschenbild. „Früher versuchten Pastoren beispielsweise aktiv, Seemänner von Bierstuben, der Reeperbahn und St. Pauli fernzuhalten.“

Das Buch erzählt darüber hinaus von der Bereitschaft, Kirche und dänisches Kulturhaus zugleich zu sein. „Nach dem Krieg von 1864 hatte Dänemark nicht nur Schleswig und Holstein, sondern auch Altona verloren“, so Rieder. In Hamburg lebten jedoch noch immer viele dänisch gesinnte Menschen, die sich eine Kirche in ihrer Muttersprache wünschten. Zugleich blieb Hamburg einer der größten Häfen Europas – „das Tor zur Welt“ –, weshalb auch weiterhin zahlreiche dänische Seemänner dort anlegten.

Ditte Johanne Rieder hat ein Jahr in Hamburg gelebt, wo sie die Geschichte der dänischen Seemannskirche recherchierte.

Schreiben als roter Faden

Dass sie einmal ein Buch schreiben würde, überrascht Ditte Johanne Rieder kaum. „Ich habe schon als Kind gerne gelesen und geschrieben. Wenn wir in der Schule zwei Seiten schreiben sollten, habe ich fünf geschrieben.“ Nach der Schule ging sie oft in die Deutsche Zentralbücherei in Apenrade, und auch der deutsche Bücherbus war für sie schon im Kindergarten ein Highlight.

Auch heute füllen Bücherregale ihr Zuhause – zur Hälfte Theologie, zur Hälfte Geschichte, besonders zum Zweiten Weltkrieg. „Sich über einen langen Zeitraum intensiv mit einem Thema zu beschäftigen, ist ein Privileg“, sagt sie. „Und dass man das als Studentin machen darf, ist etwas ganz Besonderes.“

Rückblickend ist Rieder froh, diesen Weg gegangen zu sein. Von Nordschleswig über Kopenhagen und Hamburg führte er sie bis zur Prinzessin – und neue Ziele warten bereits.

Die dänische Seemannskirche in Hamburg

Gegründet: 1875
Auftrag: Seelsorge für dänische Seeleute und Auslandsdänen
Kirchengebäude: 1952 eingeweiht – als Ersatz für die 1943 zerstörte Kirche
Name: Seit der Renovierung 2004 – 2007 offiziell Benediktekirken, mit Zustimmung von Prinzessin Benedikte
Bedeutung: Kirche und kultureller Treffpunkt der dänischen Gemeinde in Hamburg
Besonderheit: Enge Verbindung von Seefahrt und fester Gemeinde – damals und heute
Ort: Ditmar-Koel-Straße, direkt am Hamburger Hafen