Deutsche Minderheit

Das wird spannend: Ein Tag im „Maschinenraum“ des Folketings

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Ein Foto vom Jugendparlamentstag im Januar 2020

Eine Schülerin und zwei Schüler der Deutschen Schule Sonderburg werden am Montag ein aktiver Teil des Folketings auf Christiansborg. Sie gehen beim diesjährigen Jugendparlamentstag mit einem grünen Vorschlag an den Start.

Am Sonntag geht es für die Sonderburger Schülerin Linnea Peist Hansen und ihre beiden Schulkameraden aus der 9a, Roman Weiland und David Hoeck, und für die Lehrerin Mette Hvidegaard Zempel mit dem Zug Richtung Kopenhagen. Nach dem Check-In im Hotel verbringen sie in der Landeshauptstadt ein paar freie Stunden, übernachten – und am Montag geht es schon früh morgens ab nach Christiansborg.

Sie wollen mit ihrem an der Schule ausgearbeiteten Gesetzesvorschlag beim alle zwei Jahre stattfindenden Jugendparlament im Folketingssaal punkten. Mit der Einführung eines monatlichen grünen Schultags wollen sie das Klimabewusstsein von Kindern und Jugendlichen in allen dänischen Volksschulen schärfen.

Sich auf den Stuhl der Politiker setzen

Die 179 jungen Politikerinnen und Politiker des Jugendparlaments treffen ab 7.30 Uhr auf Christiansborg ein. Linnea Peist Hansen, Roman Weiland und David Hoeck haben das Folketing schon vor einem Jahr einmal besucht. „Aber damals konnten wir nur dahin, wo die Besucher hindürfen. Am Montag dürfen wir ’runter, wo die Politiker sitzen“, sagt Linnea Peist Hansen.

Wie fühlt sich das an? „Das wird aufregend“, gibt Linnea Peist Hansen erwartungsvoll lächelnd zu. „Das ist etwas Besonderes. Man wird ausgewählt. Darüber freut man sich“, pflichtet auch Roman Weiland ihr bei. Sie müssen vor der Sitzung im Folketingssaal erst im Klima-Ausschuss ihren Vorschlag vorlegen und hoffen, dass dieser so viele überzeugt, dass er zum Folketingssaal in die große Runde gelangt.

Roman Weiland, Mette Zempel und Linnea Peist Hansen

„Aber das schaffen wir schon“, meint Linnea Peist Hansen in der Woche vor dem Besuch in Kopenhagen.

Zehn Vorschläge der deutschen Schule

Die Lehrerin Mette Zempel verspricht, dass sie die Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Sonderburg so gut wie möglich vorbereitet. „Wir haben ja noch Freitag und dann vier Stunden im Zug“, so Mette Zempel augenzwinkernd. Die jungen Politiker müssen argumentieren und die anderen davon überzeugen, dass ihr Vorschlag der Beste ist. Im Falle der Deutschen Schule Sonderburg: am besten für die Jugend und für das Klima.

Die 8b und die 9a der Deutschen Schule Sonderburg DSS hatten unter der Leitung von Mette Hvidegaard Zempel in der Gesellschaftskunde zehn Gesetzesvorschläge erarbeitet, die alle eingereicht wurden. Aber nur der eine Vorschlag wurde für das Jugendparlament ausgewählt.

Auszug aus dem Gesetzentwurf

Dieser Gesetzentwurf zielt darauf ab, das Umwelt- und Klimabewusstsein bei Kindern und Jugendlichen zu stärken, indem ein fester monatlicher Grüner Schultag in der Volksschule eingeführt wird. Der Grüne Schultag wird aus einer Kombination von theoretischem Unterricht und praktischen Aktivitäten bestehen. Die Schüler sollen über Klimawandel, Umweltherausforderungen und darüber lernen, wie unsere Handlungen die Natur und die Gesellschaft beeinflussen. Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen, vor denen die Welt steht, und es besteht ein dringender Bedarf, eine neue Generation zu schaffen, die sich der Umwelt bewusst ist und verantwortungsvoll handeln kann. Ein monatlicher Grüner Schultag kann zu einem erhöhten Verständnis beitragen und junge Menschen inspirieren, Teil der Lösung der Klimakrise zu werden. Wenn Kinder früh über Nachhaltigkeit und Verantwortung lernen, ist es wahrscheinlicher, dass sie diese Werte in ihrem Erwachsenenleben weiterführen.

Ohne diese Gesetzgebung riskieren wir, Generationen heranzuziehen, denen das notwendige Wissen und Verständnis für die Klimakrise fehlt. Indem wir Kindern nicht die richtige Bildung und Aufmerksamkeit für den Klimawandel in einem frühen Alter geben, könnten wir einer Zukunft gegenüberstehen, in der Klimabewusstsein und nachhaltige Praktiken mangelhaft sind. Wir denken, dieses Gesetz sollte innerhalb der nächsten 2 Jahre eingeführt werden, um sicherzustellen, dass die neue Generation das Verständnis hat, das den Älteren fehlt.

Ich glaube es ist wichtig, dass wir ein Bewusstsein in der der jüngeren Generation schaffen – dass es den menschengemachten Klimawandel gibt.

Roman Weiland

Aus Dänemark, Grönland und den Färöer-Inseln kamen insgesamt 60 Vorschläge.

Toll, wenn der Vorschlag durchgesetzt wird

Freut auch ihr euch darauf, das im Folketingssaal präsentieren zu können?

„Ich find das schon cool. Damit kann man ja auch ein wenig prahlen. Dann saß ich mal in diesem besonderen Stuhl im Folketing, wo sonst nur die Politiker hindürfen. Was noch cooler wäre: Wenn der Vorschlag durchgesetzt wird“, sagt Linnea Peist Hansen.

„Als ich meinen Verwandten erzählt habe, dass mein Vorschlag ausgewählt wurde, da freuten die sich. Darauf kann man dann auch mal richtig stolz sein“, so Roman Weiland.

Roman Weiland und Linnea Peist Hansen

Politiker werden nicht ausgeschlossen

Folgt ihr immer mit, was in der Politik so passiert?

„Ich binr schon länger politisch aktiv. Ich schau mir viele Politiker und die Parteien an, auf die man achten muss. Zum Beispiel Martin Sonneborn von Die Partei. Ich schau gern, wie es generell abläuft, um ein Gefühl für die Politik zu bekommen. Politiker sein ist einer meiner Berufswünsche“, so Roman Weiland. Er zog vor einem Jahr mit seiner Familie von München nach Dänemark. Roman Weiland war auch schon öfter zu Gast im Europaparlament.

„Nur, wenn es um die Jugend oder die Schule geht oder neue Gesetze erlassen werden. Aber sonst sind wir eigentlich nicht so krass“, gibt Linnea Peist Hansen zu.

Grünes Denken ist notwendig

Die Reisekosten für die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte übernimmt der dänische Staat. „Wir wären ja eigentlich lieber geflogen. Aber das passte dann nicht so richtig zu unserem grünen Thema“, sagt Linnea Peist Hansen und muss lachen.

Ist es wichtig, dass alle künftig mehr grün denken?

„Ich glaube es ist wichtig, dass wir ein Bewusstsein in der jüngeren Generation schaffen – dass es den menschengemachten Klimawandel gibt. Wenn wir das nicht tun, dann denken die Leute: Diese Flugreise kann ich mir jetzt doch erlauben – da passiert ja nichts. Wenn Leute schon im jungen Alter damit anfangen, darüber nachzudenken, dann wird unsere Lebensgrundlage einfach besser erhalten“, so Roman Weiland.

„Zum einen ist es das Bewusstsein. Aber wir wollen ja auch eine Mischung aus dem Praktischen und dem Theoretischen im Unterricht vorschlagen. Dass man zum Beispiel auch zum Strand geht und Müll einsammelt“, so Linnea Peist Hansen.

„Ich werde oben im Folketingssaal sitzen und euch anfeuern“, verspricht die Lehrerin Mette Zempel.

Das Jugendparlament im Jahre 2020

Auch die Schülerinnen und Schüler an der deutschen Schule Sonderburg können Linnea und Roman und David im Folketingssaal auf der Hompepage des Folketings folgen. Ob der Vorschlag von der Deutschen Schule Sonderburg beim Jugendparlament angenommen wird, das wird sich am Montag zeigen.

Diese Schulen sind aus Nordschleswig dabei

Aus Nordschleswig sind außerdem Schülerinnen und Schüler von der Nachschule in Lügumkloster (Løgumkloster), Kongehøjskolen, Lyreskovskolen und der Science Efterskole Nordborg beim Jugendparlamenttag im Folketing dabei.