Bildung

Dänemark führt handyfreie Schulen ein

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Pause ohne Bildschirm: Dänemark verbannt das Smartphone vom Schulhof (Archivbild).

Smartphones sollen künftig aus Volksschulen und Jugendangeboten verbannt werden. Regierung und Opposition sehen in den Geräten ein Störfaktor im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Ein breites Parteienbündnis hat nun ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Konzentration, Gemeinschaft und Ruhe stärken soll.

Die Regierung hat sich gemeinsam mit der Sozialistischen Volkspartei, der Liberalen Allianz, den Konservativen, der Dänischen Volkspartei und Radikale Venstre auf eine gemeinsame Linie verständigt: Schulen, Freizeit- und Jugendangebote müssen künftig frei von Smartphones sein.

„Mobiltelefone in Schulen und Freizeitangeboten sorgen für Unruhe und stören den Alltag von Kindern und Jugendlichen“, erklärt Kinder- und Unterrichtsminister Mattias Tesfaye (Soz.) in einer Pressemitteilung. „Ich freue mich, dass wir jetzt damit aufräumen und uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren können – nämlich auf Vertiefung, Gemeinschaft und Ruhe.“

Lokale Umsetzung statt starrer Vorgaben

Das Gesetz verpflichtet Schul- und Elternräte dazu, eigene Regelungen für den Umgang mit Handys zu erarbeiten. Betroffen sind Smartphones und andere internetfähige Geräte. Computer und Tablets bleiben erlaubt, sofern sie aktiv im Unterricht eingesetzt werden.

Um Ablenkungen zu reduzieren, sollen Schulen ihre Netzwerke künftig jedoch so filtern, dass nur noch unterrichtsrelevante Webseiten zugänglich sind.

Ausnahmen aus pädagogischen und gesundheitlichen Gründen

Das Handyverbot gilt nicht uneingeschränkt. Wo gesundheitliche oder pädagogische Gründe es erfordern, dürfen Schülerinnen und Schüler weiterhin mobile Geräte nutzen. So können etwa Kinder mit Diabetes ihr Blutzuckergerät verwenden oder Jugendliche mit Legasthenie digitale Hilfsmittel einsetzen.

Unterstützung durch Musterregelung

Zur Orientierung will das Ministerium eine Standardpolitik entwickeln, die Schulen als Vorlage nutzen können. Letztlich bleibt es jedoch jeder Einrichtung überlassen, wie sie die Vorgaben konkret ausgestaltet.

Sonderregelung für Schulen der deutschen Minderheit

Die Reform ist für die dänischen Volksschulen vorgesehen. Schulen der deutschen Minderheit in Nordschleswig sind als Privatschulen von dem neuen Gesetz nicht direkt betroffen. Da sie dem Freischulgesetz unterliegen, können sie selbst entscheiden, ob und in welcher Form sie die neuen Handyregelungen übernehmen wollen.