Deutsche Minderheit

Reaktionen aus der Minderheit – Campus-Traum wird erfüllt

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Jens Mittag, Schulleiter des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig, freut sich über die Finanzierungszusage für den Campus Apenrade (Archivbild).

„Wahnsinn! Ich bin überwältigt.“ Mit diesen Worten bringt Kerstin Jürgensen die Stimmung in der deutschen Minderheit auf den Punkt. Die Zusage von 14 Millionen Euro aus Berlin für den Campus Apenrade löst Jubel, Erleichterung – und viele Zukunftspläne aus. „Der Nordschleswiger“ hat nachgefragt, wie das DGN, die Kindergärten und der DSSV diese Entscheidung erleben.

Nach Monaten der Unsicherheit ist nun klar: Der „Campus Apenrade“ kann gebaut werden. In der Nacht zum Freitag verabschiedete der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einen Zuschuss von 14 Millionen Euro für die deutsche Minderheit in Nordschleswig – die höchste Einzelförderung, die sie je aus Berlin erhalten hat.

Damit stehen zentrale Elemente des Campus-Projekts auf dem Gelände des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN) auf einer sicheren Grundlage: ein gemeinsamer Neubau für die beiden Apenrader Kindergärten, eine gemeinsame Küche samt Kantine sowie ein komplett neu errichteter Internatstrakt mit rund 100 Plätzen.

Ein historischer Zuschuss – und was er ermöglicht

Das Projekt soll bis 2030 fertiggestellt werden und wird europaweit ausgeschrieben. Weitere Mittel stammen aus den dänischen Minderheitenzuschüssen, sodass das Projekt in seiner ursprünglichen Form realisiert werden kann. Für die Institutionen der Minderheit bedeutet diese Entscheidung Planungssicherheit und einen Modernisierungsschub, der seit Jahren überfällig war.

„14 Millionen Euro laden zum Träumen ein“ – Freude am Deutschen Gymnasium

Für Jens Mittag, Schulleiter des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN), ist klar: Mit der Finanzierungszusage geht ein jahrelanger Wunsch in Erfüllung.

„Das ist eine große Freude! Für mich bedeutet das erst einmal, dass sich acht Jahre Jammern gelohnt haben“, sagt er und lacht. Seit Langem habe das Gymnasium auf Verbesserungen im maroden Internat gedrängt. „Wenn der Bau fertig ist, wird er das Internat um ein Vielfaches attraktiver machen – und damit natürlich auch unsere Schule insgesamt“, so Mittag.

Nun könne erstmals ernsthaft geplant werden, was moderne Unterbringung für die Jugendlichen wirklich bedeuten kann. „14 Millionen Euro laden wirklich zum Träumen ein – da lässt sich richtig etwas gestalten.“ Besonders wichtig sei ihm, dass das künftige Internat flexibler werde: „Manche wollen Party, andere wollen Ruhe, manche Einzelzimmer, andere Doppelzimmer. Und die Duschen sind 60 Jahre alt – keiner ist zufrieden“, sagt der Schulleiter.

Mit dem Neubau eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, um Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler besser umzusetzen. „Wir sind in diesem Jahr das erste Mal über 200 Schüler am DGN. Wir hoffen, diese Zahl halten zu können – und dazu wird das neue Internat beitragen.“

„Positive Aufregung“ – was der Campus für die Kindergärten bedeutet

Auch in den beiden Apenrader Kindergärten, Margrethenweg und Jürgensgaard, sorgte die Nachricht für spontane Euphorie.

„Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht! Da haben wir uns sehr darüber gefreut“, sagt Kindergartenleiter Aljoscha Heitsch. Kolleginnen und Kollegen hätten die Information rasch weitergegeben – „das hat schnell die Runde gemacht“.

Noch sei der Alltag unverändert, betont Heitsch – schließlich soll das Projekt erst 2030 abgeschlossen sein. „Für uns bedeutet das, Stand heute, erst einmal nicht so viel. Deshalb ist es wichtig, dass wir trotzdem weiter die volle Energie und Liebe in die jetzigen Standorte stecken.“ Gleichzeitig merke man natürlich, dass das Team gedanklich schon freudig in die Zukunft schaut.

Aljoscha Heitsch, Leiter der Kindergärten Margrethenweg und Jürgensgaard, sieht im neuen Campus Apenrade große Chancen für Kinder, Familien und das Team.

Die Vorteile einer Zusammenlegung sieht er klar: „Ein super Effekt ist, dass wir alle Altersklassen dann unter einem Dach haben. Die Synergieeffekte erleben wir ja jetzt schon, wenn wir gelegentlich alle im Jürgensgaard zusammen sind.“

Dazu komme die räumliche Nähe zur Deutschen Privatschule Apenrade und zum Gymnasium: „Das wird spannendes Zusammenarbeiten ermöglichen.“

Darüber hinaus blickt er auf die Entwicklung der Stadt insgesamt. Apenrade habe aus seiner Sicht enormes Potenzial – gerade für Familien mit kleinen Kindern. „Und ich denke, dass ein neuer Standort einfach attraktiv und interessant sein wird und wahrscheinlich neue Familien anzieht, sodass wir dadurch hoffentlich auch wachsen können“, so Heitsch.

„Wahnsinn! Ich bin überwältigt“ – Anerkennung und Aufbruch beim DSSV

Besonders emotional reagierte Kerstin Jürgensen, ehemalige Vorsitzende des Gymnasiumsausschusses und neue DSSV-Hauptvorsitzende.

„Ich finde das fantastisch“, sagt sie. Jahrelang habe man an diesem Projekt gearbeitet. „Gerade das Internat braucht das ganz dringend. Und ich muss sagen: Das ist ein wirklich tolles Projekt – und ein Projekt für die Zukunft, das uns in der Entwicklung beim DSSV und beim BDN guttut.“ 

Die Entscheidung aus Berlin sei daher nicht nur finanziell wichtig, sondern ein starkes Zeichen: „Das ist eine ganz tolle Anerkennung, dass die Bundesrepublik Deutschland diese hohe Summe zugesagt hat. Wahnsinn! Ich bin überwältigt und hätte damit nicht mehr gerechnet.“

Kerstin Jürgensen, neue DSSV-Hauptvorsitzende, zeigt sich begeistert über den Startschuss für den Campus Apenrade.

Für Jürgensen ist der Campus ein „Quantensprung“ – für den DSSV und für die gesamte Minderheit. „Das wird ganz toll. Und es ist auch dringend notwendig. Wir brauchen auch mal was Gutes“, sagt sie schmunzelnd.

Die Perspektive der Schulrätin: Ein Projekt mit großem Mehrwert

Auch DSSV-Schulrätin Simone Sippel Pedersen reagierte auf die Nachricht mit sofortiger Begeisterung.

„Ich bin natürlich super froh, zumal ich bis zum letzten Jahr auch noch am DGN war“, sagt sie. Sofort habe sie Schulleiter Jens Mittag angerufen, um zu gratulieren. „Da wartet zwar noch viel Arbeit, aber ich bin wirklich glücklich, dass das geklappt hat.“

Sippel Pedersen hebt lobend hervor, dass der Campus nicht nur das Internat stärkt, sondern auch die Kindergärten: „Wir freuen uns, dass in diesem Großprojekt auch die beiden Kindergärten berücksichtigt werden.“

Simone Sippel Pedersen, DSSV-Schulrätin, sieht in der Campus-Zusage eine langfristige Entlastung.

Die Zusammenlegung könne langfristig dazu beitragen, Struktur und Finanzen zu stabilisieren. „Alle wissen, wie es um den DSSV momentan steht – und natürlich ist das erst einmal eine große Ausgabe. Aber insgesamt wird es uns auf Sicht finanziell entlasten“, so die Schulrätin.

Bürgermeister begrüßt neue Perspektiven

Auch Apenrades Bürgermeister, Jan Riber Jakobsen (Konservative), nennt die Entscheidung „eine großartige Nachricht“. „Der Bau des Campus war schon lange ein Wunsch des BDN, und es wurde viele Jahre dafür gekämpft“, sagt er.

„Das Gymnasium ist gut ausgelastet. Mit dem neuen Campus erhalten Apenrade und die Schülerinnen und Schüler ein besseres Ausbildungsangebot und moderne Einrichtungen. Das verschafft dem Campus Apenrade zusätzlichen Gewinn – auch im internationalen Vergleich. Darüber freue ich mich sehr als Bürgermeister.“