Kultur

Ohne Gage: Internationales Orchester spielt Egerländer Blasmusik

Veröffentlicht Geändert
Spaß und gute Laune werden bei den Svanberg Musikantinnen und Musikanten großgeschrieben.

In Dänemark und Deutschland wohnhafte Musikprofis haben sich zum Blasmusikorchester Svanberg Musikanterne zusammengeschlossen. In der Regie des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) laden sie am 18. Mai zu einer Reise nach Böhmen in der Tonderner Schweizerhalle ein. Die Frist für den Kartenverkauf wurde bis zum 11. Mai verlängert.

Sie spielen keine Blasmusik, die das Publikum in bayerischen Bierzelten von den Sitzen reißt, und auch keine Schlager mit Blasmusik. Vielmehr teilen die 20 Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker, die seit Kurzem als Svanberg Musikanterne auftreten, die gemeinsame Liebe zur Egerländer Blasmusik, die sich durch gefühlvolle Walzer, mitreißende Märsche und flotte Polkas auszeichnet.

Mit seiner Musik will das international besetzte Blasorchester am 18. Mai nach Tondern kommen und ab 13 Uhr in der Schweizerhalle das Publikum zu einer Reise nach Böhmen einladen. Mitveranstalter ist der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN). Drei Orchestermitglieder sind der deutschen Minderheit zugehörig.

Drei Musiker aus der Minderheit

Das ist zum einen Tubaspieler Klaus Heil aus Tondern, der bis zum vergangenen Jahr Mitglied des Haderslebener Militärorchesters SMUK (Slesvigske Musikkorps) war, und Trompeter Peter Deichgräber aus Sonderburg (Sønderborg), ehemaliges Mitglied von Sønderjyllands Symfoniorkester, Prinsens Musikkorps, SMUK und Sinfonieorchester Aarhus, der heute als Freiberufler auftritt. Der Dritte im Bunde ist Elias Heigold, Trompeter im Nordschleswigschen Sinfonieorchester und Ehemann von Susanne Heigold, Dirigentin der Musikvereinigung Nordschleswig.

Dem Spitzenensemble gehören weitere ehemalige und jetzige Orchestermitglieder von SMUK, den drei Sinfonieorchestern aus Nordschleswig, Schleswig-Holstein und Odense sowie freiberufliche Musiker mit hochklassigen Referenzen an. Sie sind in Dänemark oder Deutschland wohnhaft, kommen aber aus Ungarn, Schweden, den USA, Deutschland, Dänemark und der Schweiz.

Klaus Heil (r.) aus Tondern und Lars Olsen spielen Tuba.

Das Orchester ist nach seinem Dirigenten Carsten Svanberg aus Sonderburg (Sønderborg) benannt. Er lehrte als Professor an der Musikuniversität in Graz und spielte als Soloposaunist unter anderem in Danmarks Radios Underholdningsorchester und „DR“-Sinfonieorchester, Det Danske Livsregiments Musikkorps und Den Kgl. Livgardes Musikkorps.

Die 20 Profimusikerinnen und -musiker trafen sich erstmals im Juni 2023 zur Probe. Kaum war die Gründung eines neuen Blasorchesters angedacht, vergingen nur 14 Tage, bis sich ein fast komplettes Orchester gebildet hatte. Dabei lockte nicht das große Geld, denn das Orchester tritt ohne Gage auf. Jeder bezahlt die Ausgaben aus der eigenen Tasche, erzählt Klaus Heil, der Mitinitiator der neuen Musikformation ist.

Laila List ist eine von drei Frauen im Orchester.

Klaus Heil kennt die Egerländer Musik seit Kindheitstagen. Diese gehörte unter anderem zum Repertoire des Blasorchesters des Deutschen Jugendverbandes unter Leitung von Hans Jensen. „Dort haben wir oft diese Volksmusik gespielt, und ich liebe sie immer noch“, erinnert sich der Tubaspieler.

Das Spitzenensemble hat seit seiner Gründung zwei öffentliche Konzerte gegeben. 2024 zunächst in Hadersleben. Am 16. März dieses Jahres folgte der Auftritt im Foyer der Sønderjyllandshalle in Apenrade. Es kamen immerhin 80 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die Mitglieder des Orchesters bekommen keine Gage. Sie machen mit aus Spaß an der Freud und wegen der Liebe zur Musik.

„Die Egerländer sind eine Art Vorbild für uns“, sagt der Dirigent Carsten Svanberg. Die Musik aus Böhmen sei seit mehr als 200 Jahren ein fester Bestandteil der europäischen Musik. Böhmen wurde auch als Konservatorium Europas bezeichnet, weiß Musikprofessor Carsten Svanberg. Diese Musik hat heute noch einen großen Einfluss in der Musik und im Kulturleben in Zentraleuropa, besonders im südlichen Teil Europas.

Infos zum Konzert

„Wir hoffen, dass wir mit unserer Musik Freude bereiten und auch besonders die junge Generation dazu bewegen können, ein Musikinstrument zu spielen. Musik zu spielen ist Fitness für das Gehirn und Freude für das Herz“.

Ernst Mosch – bekanntester Vertreter der Egerländer Musik

Der bekannteste Vertreter der Egerländer Musik ist Ernst Mosch. Er wurde im Egerland (heute Tschechien) geboren. Mit seinem 1956 gegründeten Orchester Original Egerländer brachte er es fast 40 Jahren zu Weltruhm. Die Egerländer wurden zu einem der erfolgreichsten Orchester der Welt mit vier Millionen verkauften Schallplatten und trat sogar auch in der Carnegie Hall in New York auf.

Musik zu spielen ist Fitness für das Gehirn und Freude für das Herz.

Carsten Svanberg

Ernst Mosch floh 1945 wie Millionen von Sudentendeutschen im Rahmen der systematischen Vertreibung deutschgesinnter Familien nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bayern, wo er 1992 verstarb.

Wechselhafte Geschichte

Carsten Svanberg ist Dirigent, seine Frau Marion Sängerin des Orchesters und singt das bekannte Knödellied.

In ihrer historischen Entwicklung gehörten die böhmischen und mährischen Länder zunächst zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, seit 1815 zum Deutschen Bund und nach 1866 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum österreichisch-ungarischen Kaiserreich. Danach fielen die Gebiete der Ersten Tschechoslowakischen Republik zu. Beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 1. Oktober 1938 wurde die Region bis 1945 ein Teil des Deutschen Reichs. Das Egerland war bis 1945 zu mehr als 90 Prozent von Deutschböhmen und Deutschmährern bewohnt, von denen die meisten nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet, ausgewiesen und vertrieben wurden. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs gehört das Egerland zu Tschechien (früher Tschechoslowakei).