Deutsche Minderheit

Museums-Versammlung: Kein Wort über Jon Thulstrup

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Die Diskussion über den Weggang von Forschungsleiter Jon Thulstrup wurde bei der Generalversammlung des Museums nicht fortgesetzt.

Das Museum der Minderheit verliert in Kürze den Leiter der Forschungsstelle: Jon Thulstrup kann die Wohnsitzpflicht in Nordschleswig nicht erfüllen. Nach einer leidenschaftlich geführten öffentlichen Debatte herrschte bei der Generalversammlung allerdings Funkstille.

In den vergangenen Wochen beherrschte ein Thema die Debatte in der deutschen Minderheit in Nordschleswig: die Wohnsitzpflicht. Auslöser war die Nichtverlängerung des Anstellungsvertrags von Jon Thulstrup, Forschungsleiter am Deutschen Museum für Nordschleswig in Sonderburg. Wer aber erwartet hatte, dass es bei der Generalversammlung des Museums am Freitagabend zu einer Fortsetzung der Debatte kommen würde, sah sich getäuscht: kein Wort fiel über Jon Thulstrup.

Die Kritiker der Wohnsitzpflicht einiger Minderheiten-Verbände – unter anderem beim Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), dem Deutschen Jugendverband für Nordschleswig und dem Sozialdienst Nordschleswig – waren entweder abwesend (Claus Pørksen) oder hielten sich zurück (Frederik Christensen).

Generalsekretär kam nicht zum Einsatz

22 kamen zur Generalversammlung des Deutschen Museums – darunter BDN-Generalsekretär Uwe Jessen.

BDN-Generalsekretär Uwe Jessen hatte am Nachmittag sogar eine Sitzung im neuen Minderheitenausschuss des dänischen Folketings unterbrochen, um gegebenenfalls der Kritik entgegnen zu können. Beim BDN hat er die Wohnsitzpflicht eingeführt, doch bei der Generalversammlung kam er nicht zum Einsatz.

Schon in der Stellenausschreibung zur Forschungsstelle forderte der BDN die Wohnsitznahme in Nordschleswig, und in seinem Arbeitsvertrag hat Jon Thulstrup unterschrieben, dass er innerhalb von zwei Jahren von Odense nach Nordschleswig umsiedeln werde, hat „Der Nordschleswiger“ berichtet.

Aus persönlichen Gründen ist dies aber nicht geschehen, und Jon Thulstrup hat daher die Konsequenzen tragen müssen: Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Selbst war er bei der Generalversammlung des Museums am Freitag nicht dabei, weil er gemeinsam mit Nina Jebsen das Museum bei den Historischen Tagen in Kopenhagen vertrat.

Konsequenz nach Diskussion

Die Vorsitzende, Ilse Friis (im Hintergrund) und Museumsleiter Hauke Grella blickten auf das vergangene Jahr zurück.

Dass sein Name nicht genannt wurde, stimmt nicht ganz: Für seine Arbeit – unter anderem mit dem Lernort-Projekt auf dem Knivsberg – wurde er gelobt. Diese solle weitergeführt werden, so Museumsleiter Hauke Grella.

Eine Konsequenz hat die Diskussion über die Wohnsitzpflicht dann aber doch noch bei der Generalversammlung: In den Satzungen des Museums wird jetzt nämlich festgehalten, dass die Museumsleitung das Personal im Museum und Archiv „in Absprache mit dem Generalsekretär des Bundes Deutscher Nordschleswiger“ leitet.

Viel Hilfe durch Ehrenamt

Die Vorsitzende des Museums, Ilse Friis, legte ihren Fokus auf die freiwillige Arbeit der 14 Ehrenamtlichen am Museum. Die hätten inzwischen 25 Prozent der Akten und Dokumente des Museums erfasst. Obwohl noch viel Material zu bearbeiten sei, forderte sie Privatpersonen, Familien, Vereine und Verbände in der Minderheit dazu auf, historisches Material beim Museum abzugeben.

Gleichbleibende Besuchszahlen

Die Besuchszahlen waren 2024 auf einem stabilen Niveau, stellte Museumsleiter Hauke Grella fest.

Museumsleiter Hauke Grella durfte sich über gleichbleibende Besuchszahlen freuen: 4.290 Personen haben 2024 das Deutsche Museum besucht – 63 weniger als im Vorjahr.

„Zu Beginn des Jahres hatten wir einige unserer besten Monate und ich habe kurzzeitig gehofft, dass wir die Besuchszahlen des Vorjahres überholen würden“, sagte Grella. Die Besuchszahlen würden jedoch von den Aktivitäten im Museum abhängen, und es seien 2024 keine neuen großen Ausstellungen hinzugekommen.

Neu im Museums-Vorstand

Nach zehn Jahren wünschte Jana Surkus, Sonderburg, ihr Amt im Museums-Vorstand abzugeben. Neu im Vorstand ist Schulleiter Niels Westergaard von der Förde-Schule in Gravenstein, während Ilse Friis und Kurt Seifert wiedergewählt wurden.