Tag der Deutschen Einheit

Mit Kitt und Wein: Ein Fest, das Nordschleswig zusammenbringt

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Ein Stimmungsbild: Hans-Iver Kley und Henriette Hindrichsen freuen sich, viele bekannte Gesichter auf dem Knivsberg zu treffen.

Verkostung edler Tropfen aus dem Saarland und viele nachdenkliche, aber auch optimistische Worte bildeten den Rahmen der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit auf dem Knivsberg. Und es wurde deutlich: Auch für die Nordschleswigerinnen und Nordschleswiger ist dies ein wichtiger Tag für den Zusammenhalt in der Minderheit.

„Ich finde es wichtig, dass wir diesen Tag feiern – denn es ist schlicht ein Tag zum Feiern. Solche positiven Umbrüche gibt es viel zu selten. Und dazu kommt: Es gibt eine kulturelle Verbundenheit“, sagt Hauke Grella, Leiter des Deutschen Museums Nordschleswig, am Rande der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit auf dem Knivsberg.

Nicht zu vergessen sei dabei, dass die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands auch Teil der Geschichte der deutschen Minderheit ist.

Nordschleswig weiß, was möglich ist

Hinrich Jürgensen, Vorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), hebt das in seiner Ansprache hervor: „Wir leben jeden Tag mit der Erfahrung, dass Grenzen zwar real sind – aber dass sie nicht trennen müssen. Wir sind deutsch und dänisch. Wir wissen, dass Zusammenwachsen möglich ist, auch wenn es Zeit braucht.“

Gerade deshalb sei dieser Tag so bedeutend – auch als Erinnerung daran, wie zerbrechlich Einheit sein kann, „wenn man nicht ständig daran arbeitet“, wie Jürgensen sagt und spielt damit auch auf die zahlreichen Spannungen in der Welt an.

Ein Weinglas für Museumsleiter Hauke Grella

Doch er wäre nicht Jürgensen, würde er den Anwesenden nicht auch einige zuversichtliche Worte mitgeben: „Vielleicht ist das Glas nicht immer voll. Aber es ist auch nicht leer. Vielleicht ist es halbvoll – und wir können es gemeinsam nachfüllen …“

Ein Satz als Einladung – denn kurz darauf fließt der erste Wein des Abends zur Verkostung in die Gläser der Gäste.

Reden ist Gold

Ilse Friis vermag es, lächelnd zu trinken.

Auch Honorarkonsulent Carsten Friis greift den Gedanken auf: Sorge, ja – aber ebenso Hoffnung. Entscheidend sei es, so Friis, den richtigen Moment nicht zu verpassen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dann müsse man bereit sein: „Bereit, das Richtige zu tun. Bereit, neue Wege zu gehen. Bereit, miteinander zu reden.“

Während die zweite Flasche Wein zum Verkosten durch die Reihen gereicht wird, sagt Hans Iver Kley, dass er es als wichtig empfinde, bei einem Anlass wie diesem das Deutsche in der Minderheit zu würdigen.

„Außerdem trifft man nette Leute – und auch das Programm ist immer interessant“, ergänzt Henriette Hindrichsen mit einem Lächeln.

Die Reihen sind gut gefüllt, kaum ein Platz ist an diesem Freitagabend leer geblieben. Und genau das ist es wohl, was Markus Bollmohr, Beauftragter für die deutsche Minderheit und Kontakte im Grenzland, meint, wenn er vom „Kitt“ spricht, der die Minderheit zusammenhält: Man bewahrt, was verbindet – und das sind eben auch solche Feiertage.

Simone Sippel Pedersen schenkt sich den edlen Saarländer Tropfen ein.

Der Kitt der Minderheit

Genau diesen von Bollmohr genannten „Kitt“ schätzt auch Jette Erichsen an solchen Zusammenkünften: „Wir sind hier unter uns – und das finde ich schön. Es ist auch eine Gelegenheit, mal wieder alle zu sehen.“

Sie findet es gut, dass die deutsche Minderheit diesen geschichtsträchtigen Tag würdigt, und erzählt: „Ich habe heute ein Interview mit Angela Merkel gehört. Sie sagte, dass sie nicht verstehen könne, warum zu diesem Feiertag keine ausländischen Gäste eingeladen wurden – einfach, um in dieser Weltlage zu zeigen: Grenzen können überwunden werden.“ Und fügt hinzu: „Wir feiern den Tag der Deutschen Einheit sogar im Ausland.“

Jette Erichsen genießt die Vetrautheit der Feierlichkeiten.

Angela Merkel dürfte beeindruckt sein.