Deutsche Minderheit

Hauptvorsitz: Das steckt hinter der Kandidatur von Kleinschmidt

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Stephan Kleinschmidt kandidiert 2026 für den Vorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger (Archivfoto).

Stephan Kleinschmidt möchte im Mai 2026 Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger werden. Im Interview erzählt er, was ihn an dem Posten reizt. Teil 1

Wer wird im Mai 2026 die Nachfolge von Hinrich Jürgensen an der Spitze des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), der Dachorganisation der deutschen Minderheit in Dänemark, antreten? Die Frage ist offen, da es bei der Delegiertenversammlung 2026 eine Wahl der BDN-Spitze (Hauptvorsitz, stellvertretender Hauptvorsitz und Kulturvorsitz) geben wird. Aber ein Kandidat hat sich vorige Woche bereits gemeldet: Stephan Kleinschmidt, Kommunalpolitiker aus Sonderburg.

Das Interview führte Chefredakteur Gwyn Nissen im Haus Nordschleswig in Apenrade, wo der 48-Jährige bis Ende November bei der Schleswigschen Partei als Wahlberater angestellt ist.

Warum kandidierst du für den Hauptvorsitz des BDN?

„Hinrich Jürgensen hat sich dafür entschieden, nach knapp 20 Jahren den Vorsitz abzugeben. In meiner eigenen Überlegung, wie ich mich weiterhin in der Minderheit und in Nordschleswig engagieren möchte, wäre es eine interessante Aufgabe und für mich persönlich auch ein natürlicher Schritt nach meinem kommunalpolitischen Engagement in Sonderburg.“

Wie lange hast du darüber nachgedacht, diesen Schritt zu gehen?

„Ich habe im November 2022 das erste Mal mitgeteilt, dass ich nicht erneut für den Sonderburger Stadtrat kandidiere. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist der Wunsch, ein Familienvater sein zu wollen, der bei seinen Kindern ist. Aber mit der Entscheidung, nicht erneut zu kandidieren, festigte sich auch die Ambition, mich für den BDN-Hauptvorsitz anzubieten.“

Ein Leben in der Minderheit

Was reizt dich an dem Posten?

„Die Funktion als Vorsitzender der Dachorganisation der Minderheit – und damit für 15.000 bis 20.000 Menschen – ist eine wichtige politische Aufgabe und eine Interessenwahrnehmung für eine Organisation, von der ich selbst ein Teil bin. Das reizt mich.

Ich bin in der Minderheit, ich komme aus der Minderheit, ich habe die Institutionen der Minderheit besucht, ich habe mich seit Ende der 90er-Jahre in der Minderheit und für die Minderheit engagiert, und meine Kinder besuchen heute den deutschen Kindergarten in Sonderburg.

Ich kenne die Herausforderungen, vor denen die Minderheit steht, und die Chancen, die sich uns bieten. Und es ist eine Aufgabe, die mir liegt, mit all dem, was ich bisher gemacht habe.

Ich war sechs Jahre Stadtrat und Dezernent in Flensburg, davor vier Jahre lang in der Kieler Staatskanzlei und davor wiederum vier Jahre in der Region Süddänemark. Ich engagiere mich in der Kommunal- und Regionalpolitik und habe auch mal für das Folketing kandidiert.

Ich kenne die Strukturen und habe auch auf beiden Seiten der Grenze ein Netzwerk und einen Erfahrungsschatz.“

War es eine Bauch- oder Kopfentscheidung?

„Beides – mit Herz und Kopf. Ich bin auch davon überzeugt, dass das zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Aufgabe für mich ist. Ich bin in einer persönlichen Lebensphase, in die es reinpasst.“

Hauptvorsitz und Familienleben

Stephan Kleinschmidt 2019 mit dem kleinen Julius in der Elternzeit

Wie gehen das Familienleben und der Posten als Hauptvorsitzender Hand in Hand?

„Es dreht sich ja nicht um ein Ehrenamt, das man außerhalb seiner Arbeitszeit hat. Der Hauptvorsitz ist eine Arbeit, und es füllt dich aus.

Dass ich abends und am Wochenende Termine hätte, wäre für mich nichts Neues. Das war in den letzten 25 Jahren so. Dadurch, dass ich nicht im Stadtrat aktiv sein werde, werden zeitmäßig bei mir freie Kapazitäten geschaffen.

Meine Erwartung ist nicht, ich müsste mein Familienleben opfern, sondern ganz im Gegenteil, glaube ich, eine neue Harmonie in meinem Alltag finden zu können, die ich lange vermisst habe.“

Kleinschmidt: Ich bin ungeduldig

Was sind deine Schwächen?

„Ich bin ungeduldig und hatte zumindest früher zu wenig Zeit. Der Tag hat leider nur 24 Stunden und die Woche nur 7 Tage. Und das hat mich zumindest in Teilen auch herausgefordert, meine Aufgaben in der Vielfalt so zu bearbeiten, dass es auch meiner Erwartung vielleicht in Gänze entsprach.

Aber in meiner neuen Lebenssituation, in der ich zurzeit bin, und auch in einer neuen Prioritätensetzung in meinem Alltag merke ich, dass ich eine neue Ruhe und Qualität gefunden habe – aber auch eine Klarheit, wie und womit ich arbeiten möchte.“

Vorsitz füllt das Arbeitsleben aus

Nach vielen Jahren in der Kommunalpolitik will Stephan Kleinschmidt den Sprung an die BDN-Spitze wagen. Die Wahl findet im Mai 2026 statt.

Andere Hauptvorsitzende haben nebenbei auch einen Beruf gehabt. Würdest du als Hauptvorsitzender auch eine Nebentätigkeit haben?

„Ich kann und möchte mich den Aufgaben als Hauptvorsitzender voll widmen, auch um meinen Einsatz zu konzentrieren und mich auf minderheitenpolitische Themen zu fokussieren – also keine halben Sachen machen.
Ob ich nebenbei auch andere Aufgaben und Positionen wahrnehmen kann, mag sein. Aber ich werde keinen weiteren Beruf ausüben.“

Gibt es einen Plan B, falls du nicht gewählt werden solltest?

„Einen Plan B gibt es im Moment bislang nicht. Das hat nichts damit zu tun, dass ich davon ausgehe, dass es ein Selbstläufer ist. Ich habe bis Ende dieses Jahres meine Stadtratsarbeit wahrzunehmen und meine Aufgabe als Vizebürgermeister. Und ich bin vor allem noch bis zum 30. November dieses Jahres für die Schleswigsche Partei im Wahlkampf tätig.

Das sind Aufgaben, die mich ausfüllen. Was nach dem 30. November ist, wird sich dann entwickeln und ergeben. Ich bin nicht auf der Suche.“

Teil 2 des Interviews ist ab Sonntagmorgen hier zu lesen.