Deutsche Minderheit

Hauptvorsitz: Das steckt hinter der Kandidatur von Claudia Knauer

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Büchereidirektorin Claudia Knauer kandidiert im Juni als Hauptvorsitzende gegen Stephan Kleinschmidt.

Wechsel: Claudia Knauer möchte im Juni 2026 Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger werden. Im Interview erzählt sie, was sie an dem Posten reizt. Teil 1.

Wer wird im Juni 2026 die Nachfolge von Hinrich Jürgensen an der Spitze des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), der Dachorganisation der deutschen Minderheit in Dänemark, antreten? 

Die Frage ist offen, da die BDN-Spitze (Hauptvorsitz, stellvertretender Hauptvorsitz und Kulturvorsitz) erst bei der Delegiertenversammlung im Frühjahr 2026 gewählt wird.

Dabei gibt es jetzt bereits eine Kandidatin und einen Kandidaten für den Hauptvorsitz: Büchereidirektorin Claudia Knauer aus Apenrade (Aabenraa) und den Kommunalpolitiker Stephan Kleinschmidt aus Sonderburg (Sønderborg).

Kleinschmidt hat bereits im Frühjahr über seine Beweggründe erzählt. Jetzt erklärt auch Claudia Knauer, warum sie Hauptvorsitzende werden möchte. Das Interview mit der 64-jährigen Büchereidirektorin aus Apenrade führte Chefredakteur Gwyn Nissen im Haus Nordschleswig.

Warum kandidierst du für den Hauptvorsitz des BDN?

Claudia Knauer: „Weil ich etwas gestalten will. Weil ich etwas zurückgeben will. Und weil ich denke, ich kann das. 

Ich bringe Erfahrung aus der Politik in Deutschland mit, ich bringe die Erfahrung von hier mit als Journalistin. Und als Mutter bin ich es auch gewohnt, viele Dinge am Laufen zu haben. Und dann bringe ich natürlich auch Leitungserfahrung mit – sowohl als stellvertretende Chefredakteurin als auch als Büchereidirektorin – und die Fähigkeit, mit verschiedenen Charakteren auszukommen. Das macht ganz viel aus, dass du diese verschiedenen Charaktere, aber auch die verschiedenen Kompetenzen ausbalancieren kannst.

Ich würde der Minderheit gerne einen kulturellen Stempel draufsetzen. Noch mehr als heute. Wir haben eine ganz fantastische Musikvereinigung, und es wird tolle Kulturarbeit geleistet. Aber wenn es in andere Bereiche geht wie bildende Kunst und Schreiben, dann wird es etwas dünner. Wir machen auch als Bücherei viel, aber das kann man noch mehr nach vorn bringen. Deutsche Sprache und Kultur, das ist unsere Mission in der Minderheit. Da geht noch mehr.“

Entscheidung auf der Terrasse

Claudia Knauer hat die Entscheidung zu kandidieren auf der Terrasse ihres Vorsitzenden Peter Asmussen (links) getroffen.

Wie lange hast du darüber nachgedacht, diesen Schritt zu gehen?

„Den Gedanken trage ich bestimmt schon über ein Jahr mit mir. Als feststand, dass Hinrich (Jürgensen, jetziger Hauptvorsitzender, Anm. der Redaktion) aufhört, habe ich es mir ernsthaft überlegt. 

Danach tauchte schnell der Name Stephan Kleinschmidt auf, was auf der Hand liegt, mit seinen Kompetenzen. Aber dann gab es auch den Moment, wo ich mir sagte, dass eine Wahl auch eine Wahl sein muss – du probierst es. 

Ich erinnere mich noch, es war Frühjahr, und es war warm. Ich saß auf der Terrasse bei Peter Asmussen (Vorsitzender des Büchereiverbandes, Anm. der Redaktion) als ich mir gesagt habe: Ja, ja du machst es.“

War es eine Bauch- oder Kopfentscheidung?

„Erst einmal war es ein Bauchgefühl, aber danach ist es natürlich auch mit dem Hirn abgestimmt: Was kann ich, und was will ich. Daher ist es eine ganzheitliche Entscheidung, aber vor allem eine Herzensangelegenheit.“

Was reizt dich an dem Posten?

„Vor allem die Möglichkeit, etwas gemeinsam mit anderen zu gestalten – und das in einer Balance zwischen Ehrenamt und Hauptamt. Ich denke, die Zusammenarbeit kann noch weiter vertieft werden. Das gilt auch für die Balance zwischen der Zentrale hier in Apenrade und den Ortsvereinen außerhalb.

Ich kenne es von den Büchereifilialen und den Lokalredaktionen her: dieses Gefühl, dass zentral alles bestimmt wird. Das Gefühl lässt sich zwar nie ausräumen, aber ich möchte noch mehr Leute an den Tisch holen und ihnen zumindest erst mal zuhören. 

Natürlich ist das Haus Nordschleswig ein zentraler Ort, in dem Entscheidungen getroffen werden, aber ich möchte noch mehr Leute einbinden und noch mehr Teamwork. 

Bei uns in der Minderheit wird ganz viel Arbeit im Ehrenamt bewältigt – das ist eine zentrale Größe, die gehört und gesehen werden muss. Dabei meine ich nicht, dass dies heute nicht der Fall ist, aber man kann da vielleicht noch eine Schippe mehr drauflegen.“

Obwohl ungeduldig: Aktiv zuhören

Claudia Knauer kürzlich im Haus Nordschleswig beim Jubiläum der Bücherei

Was sind deine Stärken?

„Aktives Zuhören, was mir zwar nicht immer leicht fällt, weil ich gerne rede. Aber es ist nicht immer gut, wenn man als Leitung gleich eine Lösung präsentiert. Also möchte ich wirklich hören, was Leute zu sagen haben.

Ich bin pünktlich und zuverlässig. Ich versuche auch immer wieder in eine Selbstreflexion zu gehen, oder frage auch schon mal andere, wie sie Dinge empfunden haben. Das ist dann nicht immer witzig, wenn man sich selbst gegenüber kritisch sein muss oder andere einem sagen, dass man nicht ganz so gut war, wie man es vielleicht selbst geglaubt hat. Aber dann muss ich eben darüber nachdenken, wie ich damit weiterarbeiten kann. 

Ich kenne meine Grenzen und weiß, wo ich mich nicht auskenne und Fachleute zur Beratung herholen muss. Ich habe nicht die Vorstellung von mir, dass ich alles weiß und der Nabel der Welt bin.“

Was sind deine Schwächen?

„Das Klassische: Ich bin relativ ungeduldig. Und ich kann keine Mathematik, was schlimm ist, wenn man einen Sohn hat, der Mathematiklehrer ist. Dafür habe ich bei mir in der Bücherei eine fantastische Assistentin, die, was Zahlen angeht, alles im Griff hat. 

Manchmal kann ich auch ein wenig dickköpfig und genervt sein, aber das gilt vor allem zu Hause, wie meine Familie, fürchte ich, bestätigen würde.“

Knauer mit Plan B

Andere Hauptvorsitzende haben noch eine Nebentätigkeit gehabt. Was schwebt dir vor?

„Ich würde in dem Fall gerne wieder mehr schreiben. Ich würde versuchen, mein Länderporträt über Dänemark in einer dritten Auflage zu aktualisieren. Ich schreibe außerdem seit Längerem mit einem Bekannten an einem Krimi – das würde ich dann auch gerne weiter vorantreiben. 

Ich würde einen Newsletter von der Hauptvorsitzenden und auch gerne wieder für Zeitungen schreiben wollen. Das würde mich schon wieder reizen – schließlich ist das Schreiben ein Bestandteil meiner DNA.“

Gibt es einen Plan B, falls du nicht gewählt werden solltest?

„Ja, B wie Bücherei.“

Teil 2 des Interviews ist Montagmorgen hier zu lesen.

Mehr zum Thema: Die Minderheit wählt

Auf unserer Themenseite „Minderheit wählt“ gibt es die gesamte Berichterstattung rund um die Wahl und die Kandidierenden zum neuen Hauptvorsitz, dem stellvertretenden Hauptvorsitz sowie dem Vorsitz des Kulturausschusses. Gewählt wird bei der Delegiertenversammlung am 2. Juni 2026.