Sprachencharta

Einladung zur Krebsvorsorge: Deutsch fehlt bei QR-Code-Übersetzungen

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In der Regel hat die Region Süddänemark die Sprachencharta im Hinterkopf. In diesem Fall offenbar nicht.

Obwohl Deutsch als Minderheitensprache anerkannt ist, fehlt sie bei den neuen QR-Code-Übersetzungen der Einladung zur Darmkrebsvorsorge in Süddänemark. Die Region verweist auf ein Projekt der Krebshilfe – doch der BDN-Kommunikationschef sieht es eher als Umgehung der Sprachrechte.

Wer in der Region Süddänemark lebt, erhält mit dem 50. Lebensjahr automatisch eine Einladung zur Darmkrebsvorsorge. Das offizielle Schreiben, das im Namen der Region verschickt wird, enthält neuerdings einen QR-Code. Dieser führt zu Übersetzungen des Einladungstextes – allerdings nicht auf Deutsch. Ein Umstand, der nicht nur bei Mitgliedern der deutschen Minderheit in Nordschleswig für Verwunderung sorgt.

Die Einladungsschreiben in der Region Süddänemark werden zentral vom „Sygehus Lillebælt“ versendet. Auf Nachfrage bestätigt die medizinische Fachangestellte Mette Bech aus der Koloskopieabteilung des Krankenhauses in Vejle, dass der QR-Code auf die Initiative der dänischen Krebshilfe (Kræftens Bekæmpelse) zurückgeht. Die Organisation will mit der sprachlichen Öffnung insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund besser erreichen. Übersetzt wurde das Schreiben daher ins Englische, Türkische, Arabische, Urdu und Somali. Deutsch fehlt.

„Die Krebshilfe allein hat das Projekt verantwortet. Sie hat die Sprachen der Minderheiten in Dänemark ausgewählt, bei denen sie meinte, dass es am meisten Sinn ergibt“, so Bech auf Anfrage des „Nordschleswigers“. Allerdings handelt es sich bei Türkisch, Somali und Co. nicht um anerkannte Minderheitensprachen in Dänemark – im Gegensatz zu Deutsch.

Nicht nur ein symbolisches Problem

Gesundheitsinfo auf Türkisch, Somali & Co. – aber nicht in der Sprache der anerkannten Minderheit.

Dass die deutsche Sprache bei dieser Maßnahme außen vor bleibt, ist nicht nur ein symbolisches Problem. Schließlich hat Dänemark die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen unterzeichnet und ratifiziert. Darin verpflichtet sich der Staat, die Verwendung anerkannter Minderheitensprachen – wie Deutsch im Raum Nordschleswig – in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu fördern, auch im Gesundheitswesen.

„Eine Minderheitensprache überlebt nur dann, wenn sie überall und nicht nur zu Hause verwendet wird“, heißt es auf der offiziellen Webseite des Europarates. Genau hier sieht Harro Hallmann, Kommunikationschef des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), ein Problem. „Die Krebshilfe selbst ist natürlich nicht von der Charta umfasst, aber ich bin der Auffassung, dass die Schreiben, die von der Region verschickt werden, natürlich unter die Regeln der Sprachencharta fallen – und dass diese deshalb auch auf Deutsch angeboten werden müssten“, so Hallmann gegenüber dem „Nordschleswiger“. Alles andere sei eine Umgehung der Regeln.

Ein mögliches Tagesordnungsthema

Er kündigt an, die Region Süddänemark in der kommenden Woche schriftlich auf das Versäumnis aufmerksam zu machen. Möglicherweise wird der Punkt auch Thema im nächsten Ausschussgespräch mit der Region.

Die Region Süddänemark genießt in Sachen Minderheitenschutz sonst einen recht guten Ruf, wie Hallmann dem „Nordschleswiger“ bestätigt. Umso erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet bei einem sensiblen Thema wie der Krebsvorsorge eine anerkannte Minderheit übersehen wird – und das in einem Schreiben, das direkt von einer öffentlichen Verwaltung verschickt wird.