Deutsche Minderheit

Eine Stimme von der Westküste: Deswegen kandidiert Rasmus Jessen wieder

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Rasmus Jessen ist mit ehrenamtlicher Arbeit groß geworden. Daher bringt er sich auch selbst in der Minderheit ein (Archivfoto).

Der 34-Jährige aus Tondern wurde vor vier Jahren stellvertretender Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger. Bei der Delegiertenversammlung am 2. Juni stellt er sich wieder zur Wahl und hat dafür mehrere Gründe.

Man sollte glauben, Rasmus Jessen aus Tondern hat genug an den Hacken. Er ist Vater von zwei kleinen Kindern, im Mai soll das dritte folgen, und besetzt als Qualitätschef einen anspruchsvollen Job bei der Firma Hydro Extrusion Tønder in Tondern.

Dennoch kandidiert der gebürtige Hoyeraner am 2. Juni bei der Delegiertenversammlung erneut für den Posten als stellvertretender Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN). 

Er übernahm dieses Amt 2022, um auch der Westküste eine Stimme in der Oberetage der deutschen Minderheit zu geben. Diese Motivation verfolgt er weiter, hat aber mehrere andere Gründe, sich zur Verfügung zu stellen.

Vor seiner Wahl vor knapp vier Jahren kam die ganze Minderheitenspitze mit dem Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen, dessen Stellvertreter Olav Hansen, Hadersleben (Haderslev), und der Kulturausschussvorsitzenden Marion Petersen aus Sonderburg (Sønderborg) von der Ostküste.

Keine geografische Bündelung der Ämter

„Ich glaube, dass diese geografische Bündelung der Ämter nicht günstig ist“, erklärt Rasmus Jessen einen weiteren Grund, erneut zu kandidieren. Er warnt vor dem Ungleichgewicht zwischen West- und Ostküste.

Im Vergleich zu 2022 hat Rasmus Jessen in diesem Jahr mit Jan Wachtberg Schmidt aus Sonderburg (Sønderborg) einen Gegenkandidaten um den Vizeposten beim BDN.

Stefan Kleinschmidt, Sonderburg, und Claudia Knauer, Apenrade, sind Kandidierende um den Hauptvorsitz und beide von der Ostküste. Jan W. Schmidt kommt auch aus Sonderburg. Gleiches tut die Kulturausschussvorsitzende Marion Petersen. 

So breit wie möglich aufstellen

„Setzen sich Stefan Kleinschmidt und Jan Schmidt bei den Wahlen durch, gehen sogar alle drei Mandate nach Sonderburg“, gibt Rasmus Jessen zu bedenken. Er will als Westküstenvertreter das geografische Gleichgewicht sichern. Die Minderheit müsse sich so breit wie möglich aufstellen. 

„Daher ist es sehr schön, dass sich Randi Damstedt aus Tondern als stellvertretende Vorsitzende der Schleswigschen Partei zur Verfügung stellt. Bei der SP ist die Verteilung sehr gut getroffen“, meint Rasmus Jessen. 

Rasmus Jessen wurde in Hoyer geboren, lebt aber schon seit Jahren mit seiner Familie in Tondern.

Ein Vorteil: Nicht bei der Minderheit angestellt zu sein

Er hat mehrere Argumente, die für seine Wahl sprechen. „Jan ist mit seinen 47 Jahren zwar auch jung, ich aber auch. Ich sehe es als weiteren Vorteil an, nicht bei der Minderheit angestellt zu sein. Ich komme aus der privaten Wirtschaft und kann vielleicht mit anderen Augen eine Sache betrachten und angehen.“ 

Seine Funktion als stellvertretender Vorsitzender sei teils auch repräsentativer Art gewesen, wenn Hinrich Jürgensen Veranstaltungen nicht wahrnehmen konnte. „Das kam im vergangenen Jahr allerdings nur einmal vor, als der Ruderverein Hoyer sein Jubiläum feierte“, sagt Rasmus Jessen lachend. Außerdem bekleidet er kraft seines Amtes einen Vorstandsposten an der Deutschen Nachschule Tingleff (Tinglev).

Zudem ist er Mitglied des Geschäftsausschusses und des Hauptvorstandes des BDN, der zehnmal im Jahr tagt. Als Stellvertretender nehme man auch an Verbands- und Strategiegesprächen teil, sei es unter anderem beim „Nordschleswiger“ oder im Jugendverband. So kämen ganz schön viele Abendsitzungen zusammen. Oder man betreut in Schlips und Kragen Gäste der Minderheit beispielsweise beim Deutschen Tag oder beim Knivsbergfest, erzählt er weiter von seinen Aufgaben.

Ab Mai sind sie zu fünft: Eva Maria und Rasmus Jessen sowie ihre Söhne Wilhelm und Lauritz (Archivfoto).

„Die Arbeit ist spannend und ich bin motiviert. Aber mich würde es nicht abschrecken, wenn neue Aufgaben mit dem Amt als stellvertretender Vorsitzender verknüpft würden. Mich würde eine Mitarbeit im Hauptvorstand des Deutschen Schul- und Sprachvereins schon reizen. Außerdem ist das Verteilen von Aufgaben gesund."

Mich würde eine Mitarbeit im Hauptvorstand des Deutschen Schul- und Sprachvereins schon reizen.

Rasmus Jessen

Bessere Zusammenarbeit ist wichtig

Als große Aufgabe der Minderheit sieht er die Bildung neuer Strukturen. „Es geht um die Stärkung der kleineren Ortschaften. Wenn eine Schule oder ein Kindergarten schließt, hat dies erheblichen Einfluss auf die Minderheitenarbeit vor Ort. Das haben wir vor vielen Jahren in Hoyer erlebt, obwohl es dort noch den Schützenverein, den BDN, den Ruderverein und den Sozialdienst gibt. Aber was nützt es, wenn zu 90 Prozent die gleichen Leute in den Vorständen sitzen und nach ihrem Rücktritt nichts nachkommt? Die Bündelung der Kräfte und eine Zusammenarbeit sind daher wichtiger denn je. Auf BDN-Ebene sind Osterhoist und Lügumkloster mit gutem Beispiel vorangegangen. Aber solche Ideen müssen von unten kommen, von der Basis. Wichtig ist auch eine bessere Zusammenarbeit der Vereine und Verbände“, meint Jessen.

Rasmus Jessens Lebenslauf

  • Rasmus Jessen wurde vor 34 Jahren geboren und wuchs mit vier Geschwistern in Hoyer (Højer) auf.
  • Nach Besuch der Deutschen Schule Hoyer und der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern machte er sein Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig. Während seiner Zeit im Gymnasium war er drei Jahre Vorsitzender der Jungen Spitzen. Zehn Jahre vorher hatte sein älterer Bruder Jesper dieses Amt inne.
  • Nach dem Abitur ging er zum Studieren nach Aarhus, doch nur für ein halbes Jahr. Er vermisste Nordschleswig, sodass er zurückkehrte und in Sonderburg bei der Süddänischen Universität sein HD-Wirtschaftsstudium absolvierte.
  • Er ist beruflich in mehreren Funktionen bei den Hydro-Werken in Tondern beschäftigt gewesen. Seit fünf Jahren gehört er der Qualitätsabteilung von Hydro Extrusion Tønder an, die drei letzten Jahre als Chef.
  • Obwohl er Aufstiegsmöglichkeiten im Ausland in seiner Firma hätte, sei dies wegen seiner Kinder in den nächsten 15 Jahren nicht aktuell.
  • Er ist mit Eva Maria Jessen verheiratet. Das Paar hat die Söhne Wilhelm (5 Jahre) und Lauritz (3 Jahre). Anfang Mai erwarten sie das dritte Kind.
  • Bei der Sportgemeinschaft West (SG West) ist er in die Bresche gesprungen, als kein anderer den Vorsitz übernehmen wollte. Er gehört auch dem Vorstand des Deutschen Jugendverbands für Nordschleswig an.
  • Das Ehrenamt ist ihm in die Wiege gelegt worden, da sich seine Eltern und vorher auch seine Großeltern auf vielfältige Weise ehrenamtlich für die Minderheit engagiert haben.