Deutsche Minderheit

Der Kindergarten Wilsbek muss schließen: Wann ist klein zu klein?

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Der Kindergarten wollte sich zuletzt mit einem naturpädagogischen Konzept profilieren – aber im Raum Wilsbek gibt es einfach zu wenige Kinder.

Minderheiten-Kindergarten vor dem Aus: Wie viel Zuschuss ist für acht Kinder vertretbar? In Wilsbek ging es um bis zu 1,7 Millionen Kronen – eine Belastung, die der DKA-Vorstand nicht mehr verantworten wollte. Uwe Jessen erklärt die Hintergründe und warnt vor voreiligen Schlüssen für andere Einrichtungen.

Die Entscheidung ist gefallen: Der Deutsche Kindergarten in Wilsbek (Vilsbæk) wird zum 30. Juni geschlossen – das hatte der Vorstand der Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA) am Mittwoch bekannt gegeben.

Im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ erklärt Uwe Jessen, Generalsekretär des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und zugleich Geschäftsführer des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV), weitere Hintergründe zu der schnellen Entscheidung. Denn sie ist das Ergebnis einer Analyse, die noch gar nicht abgeschlossen ist.

Bezuschussung nicht mehr verhältnismäßig

Die Lage: Zum 1. August wären nur noch acht Kinder im Kindergarten Wilsbek gewesen – dabei könnten in dem Gebäude eigentlich 25 bis 30 Kinder betreut werden. „Mit so wenigen Kindern hätten wir rund 1,7 Millionen Kronen an Zuschuss gebraucht“, erklärt Uwe Jessen. Ganz so einfach lasse sich das aber nicht beziffern.

„Man darf Wilsbek nicht isoliert betrachten – wir müssen das Ganze im Zusammenhang mit allen DKA-Einrichtungen sehen. Denn die DKA funktioniere im Grunde wie ein Kindergarten mit mehreren Häusern“, so Jessen. Die 1,7 Millionen seien deshalb eher ein grober Richtwert, der zeigen soll, in welcher Größenordnung sich die Belastung bewegt. „Und das ist einfach nicht mehr vertretbar.“

Dass die Maßnahme getroffen wurde, sei Teil einer umfassenderen finanziellen Analyse des DSSV, insbesondere der DKA, die derzeit noch laufe. Jessen betont jedoch: Die Entscheidung in Wilsbek sei eine Einzelfallentscheidung – keine Blaupause.

Gebäude im Besitz des DSSV – Verkauf wahrscheinlich

Der Kindergarten befindet sich im Eigentum des DSSV. Was mit dem Gebäude künftig passiert, sei noch offen. „Wir müssen so etwas immer mit Berlin abstimmen. Aber ich nehme stark an, dass es verkauft wird“, sagt Jessen und verweist damit auf die Geldgeber und Behörden, denen die Minderheit unterliegt.

Vier Beschäftigte arbeiteten zuletzt in der Einrichtung – nicht alle in Vollzeit. Kündigungen wurden laut Jessen keine ausgesprochen. Stattdessen seien interne Wechsel innerhalb der DKA angeboten worden – unter anderem in den Waldkindergarten Feldstedt, der ebenfalls unter der Leitung von Nina Wickerath steht.

Analyse läuft: Weitere Schließungen nicht ausgeschlossen

In der Öffentlichkeit könnte die Schließung für Unruhe sorgen – steht womöglich die nächste Einrichtung auf der Kippe? Jessen bremst Spekulationen: „Wir bekommen Geld, um kleine Einrichtungen zu betreiben. Das liegt in der Natur der Sache: Wir sind eine Minderheit.“

Es gehe nicht darum, dass ein kleiner Kindergarten Geld kostet. „Kleine Kindergärten dürfen und sollen Geld kosten – das ist Teil unseres Auftrags als Minderheit. Aber es gibt Grenzen.“ Mit anderen Worten: Wann ist klein zu klein? Wann ist der Anspruch, auch wenig belegte Einrichtungen weiterzuführen, finanziell nicht mehr tragbar?

Vor einer Schließung würden stets alle Optionen geprüft, um die Kosten zu reduzieren, betont Uwe Jessen. Im Fall Wilsbek habe dies jedoch nicht ausgereicht. Ob weitere Schritte folgen, lasse sich erst sagen, wenn die umfassende Analyse abgeschlossen ist.

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