Deutsche Minderheit

Akkordeonsolistin sorgte für Stimmung beim Grünkohlessen

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Die Akkordeonsolistin Ose Johannsen sorgte mit ihren musikalischen Beiträgen für Stimmung während des Grünkohlessens im Saal der Ruttebüller Jugendherberge.

Volles Haus in Ruttebüll: Mit Ose Johannsen sangen die begeisterten Festteilnehmerinnen und -teilnehmer im Chor Schlager, Volkslieder und das vor 100 Jahren gedichtete Hoyer-Lied. Genau wie das Grünkohlessen des Ortsvereins in Hoyer ist das zeitgleich stattfindende Aalessen der Tonderanerinnen und Tonderaner eine der traditionellen Rahmenveranstaltungen des Deutschen Tages.

Auch in diesem Jahr ist das Grünkohlessen des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) Hoyer (Højer) in der Ruttebüller (Rudbøl) Jugendherberge in bester Stimmung über die Bühne gegangen.

Dazu trugen nicht nur die Traditionsleckerbissen aus der Küche von Hostel-Betreiberin Kirsten Bossen bei.

Als „Stimmungskanone“ erwies sich die aus Bredstedt (Bredsted) für den Festabend angereiste Akkordeonsolistin Ose Johannsen.

Ose Johannsen, die bereits im Alter von acht Jahren in ihrem Heimatort Niebüll (Nibøl) mit ihrem Akkordeon aufgetreten ist, traf mit ihrer Musik voll den Geschmack der Nordschleswiger in Ruttebüll.

Viele Stücke zum Mitsingen

Sie hatte nach Rücksprache mit dem Vorstand des BDN-Ortsvereins ein Programm mit vielen Volksliedern und Schlagern zum Mitsingen zusammengestellt. Auch neuere Werke wie „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader sorgten für Mitsingfreude, zumal die versierte Akkordeonspielerin kleine Texthefte für ihren Auftritt mitgebracht hatte.

Mit ihren lustigen Sprüchen zwischen den Stücken kam sie gut beim Publikum an. 

Im Textheft für den Grünkohlabend war auch der Text des Hoyer-Liedes von Christine Steenholdt zu finden. Es ist vor rund 100 Jahren entstanden.

Hoyer-Lied als gelungene Überraschung

Als besondere Überraschung hatte sie das von der einstigen Lehrerin in Hoyer, Christine Steenholdt, vor rund 100 Jahren gedichtete Hoyer-Lied einstudiert. Dazu waren ihr aus Hoyer Text und Melodiehinweise zugeschickt worden.

Nach vielen Jahren schallte so wieder einmal „Es gibt kein Städtchen auf der Welt, ich sag es ungeniert; wo's jedermann so gut gefällt, wo man sich amüsiert“ aus voller Kehle durch den voll besetzten Saal. Humor und Augenzwinkern, der seinerzeit in Hoyer bei der Jugend sehr beliebten Pädagogin, sind auch 100 Jahre nach der Erstaufführung des Liedes spürbar.

Auf dem Foto ist die Lehrerin Christine Steenholdt in der Bildmitte zu sehen, zusammen mit Mitgliedern ihres Jugendbundes, von dem während des Ersten Weltkriegs Wollsachen für Soldaten an der Front gestrickt wurden.

1919 erste Frau im Hoyeraner Kommunalparlament

In der Lokalgeschichte hat Christine Steenholdt auch aus einem weiteren Grund einen Platz. Sie wurde 1919, als nach dem Sturz des Kaisers die Republik in Hoyer herrschte, als erste Frau ins Kommunalparlament gewählt. Ab Juni 1920 war Hoyer nach Volksabstimmungen und der neuen Grenzziehung Teil des Königreiches Dänemark.

Genau wie das Grünkohlessen der BDN-Mitglieder aus Hoyer ist das gemeinsame Aalessen der deutschen Vereine in Tondern (Tønder) eine traditionelle Rahmenveranstaltung des Deutschen Tages. Wie schon gute Gewohnheit findet das Aalessen der Tonderanerinnen und Tonderaner in der Gaststätte Rasch in Fegetasch statt – wenige Kilometer von Ruttebüll entfernt, jedoch auf der deutschen Seite der Landesgrenze.

In bester Stimmung wurden Grünkohl und dazugehörige Fleischspezialitäten sowie passende Getränke in Ruttebüll „verputzt“.
Der Vorsitzende des BDN-Ortsvereins Hoyer, Peter Sönnichsen, eröffnete den Grünkohl- und Musikabend am vergangenen Freitag. Mit 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern herrschte „volles Haus“ in der Ruttebüller Jugendherberge.

Mit über 70 Personen war die Veranstaltung komplett ausgebucht. Auf dem Speisezettel stand Dreierlei vom Aal – Aal in Aspik, gebratener Aal und Räucheraal – und zwar satt. Wer keinen Aal mochte und doch mitfeiern wollte, konnte sich an Rindsrouladen mit Beilagen genüsslich halten. Ein musisches Unterhaltungsprogramm gab es zwar nicht, aber auch dort waren die BDN-Mitglieder bester Stimmung.