Deutsch-Dänisch

Grönland-Konflikt – Botschafterin Meyer sendet klares Signal: „Deutschland steht hinter euch“

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Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen und Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt sind für Gespräche mit US-Vertreterinnen und -Vertretern nach Washington D. C. gereist.

Mit einer ungewöhnlich deutlichen Videobotschaft stellt sich Deutschlands Botschafterin in Dänemark, Anke Meyer, demonstrativ an die Seite der dänischen Bevölkerung. Währenddessen bleiben die Fronten bei den Gesprächen im Weißen Haus verhärtet: USA, Grönland und Dänemark haben unterschiedliche Positionen, sind sich aber darin einig, dass sie uneinig sind.

Kurz vor den mit Spannung erwarteten Gesprächen zwischen Dänemark, Grönland und den USA in Washington am Mittwoch hat Anke Meyer, Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Dänemark, ein deutliches politisches Signal gesetzt. In einer Videobotschaft auf dem LinkedIn-Profil der Deutschen Botschaft in Kopenhagen wandte sie sich direkt an die dänische Bevölkerung.

„Wir leben in unsicheren Zeiten. Neue Gefahren rücken näher, alte Bündnisse geraten ins Wanken. Das spüren wir derzeit sowohl in Deutschland als auch in Dänemark“, sagte Meyer. Gerade in solchen Momenten sei es entscheidend zu wissen, auf wen man sich verlassen könne.

Dann wurde die Botschafterin besonders deutlich: „Lasst mich das ganz klar sagen, liebe dänische Freunde: Deutschland steht hinter euch.“

In unsicheren Zeiten sei es wichtig, in Europa zusammenzustehen – und ganz konkret als Nachbarn, Partner und Freunde über die deutsch-dänische Grenze hinweg. Dafür stehe Deutschland, betonte Meyer ausdrücklich auch in ihrer Funktion als Botschafterin im Königreich Dänemark.

Treffen im Weißen Haus

Videobotschaft von Anke Meyer zum Nachlesen

Der Zeitpunkt der Videobotschaft war kein Zufall. Wenige Stunden später trafen sich Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen (Mod.) und Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt in Washington D. C. mit US-Vizepräsident J. D. Vance und US-Außenminister Marco Rubio. Im Mittelpunkt der Gespräche stand erneut das wachsende Interesse der USA an Grönland.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erneut betont, dass die Insel aus seiner Sicht aus sicherheitspolitischen Gründen unter amerikanische Kontrolle gelangen müsse. Grönland sei von zentraler Bedeutung für die Verteidigungsfähigkeit der Nato im arktischen Raum, insbesondere mit Blick auf Russland und China.

„Einig, uneinig zu sein“ 

Nach dem Treffen sprach Lars Løkke Rasmussen von einer „ehrlichen, aber konstruktiven“ Unterhaltung. An den grundlegenden Positionen habe sich jedoch nichts geändert. Die dänisch-grönländische Delegation habe die amerikanische Haltung nicht verändern können – was er allerdings auch nicht erwartet habe.

„Der Präsident hat seine Position klargemacht, und wir haben eine andere“, sagte der dänische Außenminister. In der Grönland-Frage bestehe eine starke Meinungsverschiedenheit. „Wir sind uns einig, uneinig zu sein“, fasste Løkke Rasmussen die Lage zusammen.

Konkret vereinbart wurde die Einrichtung einer hochrangigen Arbeitsgruppe, die aus Spitzenbeamtinnen und -beamten („topembedsmænd“) bestehen und sich innerhalb der kommenden Wochen erstmals treffen soll. Ziel ist es zu prüfen, ob es Wege gibt, amerikanische Sicherheitsbedenken aufzugreifen, ohne die dänisch-grönländische Position infrage zu stellen.

Dialog statt Eskalation – vorsichtiger Optimismus aus Grönland

Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt äußerte sich nach dem Treffen vorsichtig optimistisch. Entscheidend sei, dass der Dialog zwischen den Beteiligten wieder aufgenommen worden ist. Die Gespräche seien von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen. Nun gehe es darum, auszuloten, ob es Bereiche gebe, in denen man sich annähern könne.

Erhöhte militärische Präsenz in und um Grönland

Unmittelbar vor dem Treffen in Washington hatten Dänemark und Grönland angekündigt, ihre militärische Präsenz in und um Grönland zu erhöhen. Ab Mittwoch sollen in enger Zusammenarbeit mit Nato-Partnern zusätzliche Flugzeuge, Schiffe und Soldaten eingesetzt werden, wie das dänische Verteidigungsministerium und die grönländische Regierung, Naalakkersuisut, mitteilten.

Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) erklärte, die Sicherheit in der Arktis sei von zentraler Bedeutung für das Königreich Dänemark und seine Verbündeten. Ziel sei es, die Fähigkeit der Nato zu stärken und die Präsenz des Bündnisses im hohen Norden auszubauen. Damit machen Dänemark und Grönland deutlich, dass sie ihre sicherheitspolitische Zukunft weiterhin fest im Bündnis mit ihren Nato-Partnern sehen.