Porträt

Wie der Headhunter Lohff in die kriminelle Welt abtauchte

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John Lohff am Laptop in seinem Büro: Dort entstanden mehrere seiner Krimis.

Der Sonderburger John Lohff hat in seinen 40 Jahren als Ratgeber für dänische Chefetagen diverse Fachbücher herausgegeben. Dann floss etwas ganz anderes aus seiner Feder: Der Oberstleutnant ist mittlerweile Krimiautor. Was ihn fasziniert und wie er auf den ersten Plot kam, das verrät er im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Noch liegen John Lohffs fünf Krimis „Kejserpingvinen“ (Der Kaiserpinguin), „Knogleknuseren“ (Der Knochenbrecher), „Edderkoppen“ (Die Spinne), „Hævneren“ (Der Rächer) und „Blodbroen“ (Die Blutbrücke) auf seinem Schreibtisch in seinem Büro am Strandvej. Nicht fertig und flott eingebunden, sondern auf gute alte herkömmliche Art mit einer Heftzange in korrekter Reihenfolge aufeinandergestapelt und als mit der Hand zusammengeheftete DinA4-Seiten.

Am 19. März dürfen die Anhänger von Krimis sich freuen: Der Auftakt zu der neuen Spannungsromanreihe kommt in alle Buchläden des Königreichs.

Dann dürfen alle die Protagonistinnen und Protagonisten aus der Feder des Sonderburger Schriftstellers kennenlernen: den Polizeimeister Henry Jensen und dessen starkes Team aus Grindsted. Mit den Polizisten Siggi, Fodder und Stereo geht es in den Büchern hinein in eine kriminelle Welt voller Konflikte. 

Die ersten fünf Krimis von John Lohff

Lohff einer der ersten Headhunter

Wer die Karrieren und die Höhepunkte von John Lohff (75) aus Sonderburg beschreiben will, muss weit ausholen. Er war zuletzt Oberstleutnant an der Offiziersschule des Heeres, hat organisatorische Änderungen in den Kasernen in die Wege geleitet und unter anderem auch seine psychologischen Fähigkeiten in einem Beifach im Studium an der Universität in Aalborg verfeinert. Sein Wissen über die menschlichen Prozesse nutzte er 1985 zu einem neuen Schritt. Er verließ das Militär und gründete sein eigenes Unternehmen „Lohff Management Consultants“. So wurde er einer der ersten Headhunter, der sich auf die Suche von neuen Kräften für diverse Topposten spezialisierte. 

„Ich habe schon immer mit und für Menschen arbeiten wollen“, so John Lohff, der auch 14 Jahre lang bis 2018 als Politiker der Konservativen Volkspartei im Regionsrat Südjütland und bei den Konservativen als Kreisvorsitzender saß. Beim Regionsrat lagen ihm besonders die Themen Gesundheit und der Transport am Herzen. Auf Regionsebene hat er nicht zuletzt das Brücken-Projekt zwischen Alsen und Fünen in die Gänge gebracht, als sich noch niemand dafür interessierte. Er genießt den Umgang mit anderen: „Rede ich einen Tag lang nicht mit Menschen, dann wird mir schlecht. Ich brauch den Austausch.“

Bei John Lohff die Henry-Jensen-Serie 

Für eine Veröffentlichung seiner Krimiromane brauchte der, der sonst immer anderen hilft, Hilfe von außen. Der Schriftsteller und Journalist Niels Krause-Kjær empfahl ihm den Verlag Mellemgaard in Odense. Das war ein guter Tipp: der Verlag sicherte sich das Manuskript sofort vertraglich.

Der erste Krimi beginnt mit dem Umweltaktivisten Eigil Graven, der von drei mit Pinguinen Masken getarnten Personen in einer Plantage hinterlassen wird - mit einem spitzen Pfeil in einem Schenkel. Vor sich hält er ein Schild mit einer Warnung. Mit diesem Fund beginnt eine intensive Suche nach den Tätern und den Hintermännern. 

Da musste ich mir doch die Zeit mit etwas vertreiben. Innerhalb von drei Wochen hatte ich den ersten Band fertig. Dann habe ich einen mehr geschrieben – und jetzt bin ich bei Nummer 6.

John Lohff

Das Schreiben wurde John Lohff von Tirstrup auf Djursland eigentlich nicht in die Wiege gelegt. „Ich habe ja vorher immer rein professionell Bücher geschrieben. Dann wurde ich beim Fernsehsender DKSyd interviewt. Die Journalistin fragte, ob ich nicht einen Roman schreiben wolle. Darüber hatte ich noch nie nachgedacht. Aber du erzählst so gut, meinte sie“, sagt John Lohff. Monate später begleitete Lohff eine Angehörige ins Krankenhaus. „Da musste ich mir doch die Zeit mit etwas vertreiben. Innerhalb von drei Wochen hatte ich den ersten Band fertig. Dann habe ich einen mehr geschrieben – und jetzt bin ich bei Nummer 6“, sagt John Lohff und muss lächeln.  

Der einst auf dem Lande aufgewachsene John Lohff ist trotzdem bescheiden: „Für mich ist es Training. In den ersten drei Büchern schreibe ich in Präsens. Mich hat der Korrekturleser darauf aufmerksam gemacht, dass die Vergangenheit mir mehr Möglichkeiten gibt.“ Diesen Tipp hat der Krimiautor umgesetzt. Das hat ihm plötzlich mehr Freiheit in seinen Büchern gegeben. „Jetzt schreibe ich über alles, was vor sich geht. Ich hatte wohl schon immer eine sehr lebhafte Fantasie“, meint er lächelnd. Beim bekannten Kopenhagener Krimi-Autor Jussi Adler-Olsen ist es die Abteilung Q – bei John Lohff die Henry-Jensen-Serie. 

Für den Headhunter ist Gerechtigkeit etwas sehr Wichtiges. In seinen Krimis findet der Polizist alles, was unter den Steinen versteckt wird. Aber der Humor darf bei ihm auch nicht fehlen.

Man muss wissen, womit alles endet. Dann kann man die Personen im Krimi unterwegs verschleiern und tarnen.

John Lohff

Recherche vor Ort

Wer für einen Roman oder einen Krimi einen Plot erfindet, der muss den Schluss schon im vorherein kennen. „Man muss wissen, womit alles endet. Dann kann man die Personen im Krimi unterwegs verschleiern und tarnen“, meint er geheimnisvoll. Lohff liebt es, auf einen Plot zu kommen und anschließend herauszufinden, was alles drum herum passiert.

Egal, in welche Stadt der Polizist Henry Jensen kommt, ob Grindsted, Varde, Sønder Fjelding, Apenrade (Aabenraa) oder auch Sonderburg. Die Gegenden hat der Autor vorher erkundet. Wenn er von einer Ecke zweier Straßen berichtet, dann gibt es diese Ecke.

Der eine Krimi spielt in der Blanser Gegend, in vier Schweinefarmen und mehr oder weniger legalen Aktionen von Tierschutzaktivisten aus Horsens. In dem Krimi „Blodbroen“ (Die Blutbrücke) stirbt der Politiker Stark Kjeldsen – John Lohff lächelt und meint erklärend: „wie Kjeld Stærk“ – auf dem Rathausmarkt vor Mens Cut. Der Venstre-Politiker Kjeld Stærk sitzt im Sonderburger Stadtrat und ist Vorsitzender im Wirtschaftsrat. 

"De bedste egnede" var John Lohffs erstes Buch.

Handliche Bücher mit 150 Seiten

Für John Lohff ist das Schreiben ein konzentrierter Prozess. Er kennt so gut wie alle Orte, wo sein Henry Jensen die Aufklärung einer Straftat übernimmt. Geht alles nach Lohffs Plan, wird der Polizist Jensen in ganz Dänemark für Ordnung sorgen. 

Lohff ist nun halbwegs fertig mit dem sechsten Krimi. „Dann wird Henry Jensen in einen anderen Polizeibezirk versetzt“, so der Plan des Sonderburgers. Laut Kontrakt hat der Verlag Mellemgaard die Buchproduktion von fünf Krimis und den Vertrieb der dazugehörigen E-Bücher übernommen. 

Für den Schreiber werden die Krimis kein großer Verdienst werden: Er erhält 20 Prozent pro verkauftes Buch. Die Bücher werden keine dicken Klopper. Lohff begrenzt sich immer auf rund 150 Seiten. 

Der Junge, der Rüben hackte

John Lohff hat in seinem Leben schon immer viel erreichen können. Ob als Oberstleutnant in Mitteljütland, in Sonderburg oder Kopenhagen als Headhunter, als Regionspolitiker und auch als aktiver Mann im Lokalgeschehen Sonderburgs. Zu seinen Aufgaben zählte unter anderem auch der Stellvertreterposten im Vorstand des Sønderjyllands Symfoniorkester. 2009 wurde Lohff der königliche Orden „Ridder af Dannebrogordenen“ überreicht. Mit der Auszeichnung wurde er für seinen außerordentlichen militärischen, zivilen und kulturellen Einsatz von Königin Margrethe II. gewürdigt. 

Er wohnt mit seiner Frau Jytte in einer Patriziervilla am noblen Strandvej in Sonderburg, hat den Finger wie eh und je am Puls und kann auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken. Trotzdem meint er, dass er ein ganz normales Leben führe. Vielleicht sind es auch die Werte und die Erfahrung, die er schon als Kind erhielt: Er ist und bleibt der Junge, der Steine sammelte und Rüben hackte und so sein erstes Geld verdiente. 

 

CV

John Lohff hat 40 Jahre lang mit dem Top-Level-Management in Dänemark gearbeitet. Er ist Hauptaktionär in der Firma Lohff Management Consultants, die sich auf die Kandidaten der obersten Niveaus – Direktorinnen und Direktoren und Funktionschefs – spezialisiert hat. Mit Marck Thorning und Preben Svendsen ist Lohff Miteigner des Konsulenten-Unternehmens Lohff/Thorning. John Lohff wurde ursprünglich als Linienoffizier der Offiziersschule des Heeres und später als exam.art.psych. an der Universität in Aalborg ausgebildet. Er hatte leitende Stellungen bei der Verteidigung und im privaten Gewerbe und hat neun fachliche Publikationen veröffentlicht. Drei Perioden saß er im Regionsrat der Region Syddanmark, war Mitglied des Hauptvorstands der konservativen Volkspartei und auch erster Stellvertreter im Folketing. 

John Lohff ist mit cand.mag. Jytte Lohff verheiratet. Zur Familie gehören außerdem Jane Lohff und Joan Grubak Lohff und die Enkel Nora Grubak Lohff und Ellie Grubak Lohff. Die beiden Töchter leben mit ihren Familien in Sonderburg und Düppel (Dybbøl). 

(Quelle: 40 fortællinger: En headhunters beretninger)

Der erste Krimi von John Lohff wird im Februar in die dänischen Buchläden kommen.