Arbeit und Ausbildung

Trotz ADHD hat Jacob sein Leben heute besser im Griff

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Jacob Møller ist dankbar für die Hilfe, die ihn an einen Wendepunkt in seinem Leben brachte.

Dem Tonderaner Jacob Møller, der an einem Aufmerksamkeitsdefizit leidet, half ein besonders auf ihn zugeschnittenes Programm des Jobcenters. In dieser Woche erzählte der 23-Jährige vor Folketingsmitgliedern von seinen Erfahrungen und dem Wendepunkt in seinem Leben.

Marienborg, Sitz von Staatsministerin Mette Frederiksen, wurde in dieser Woche von 20 jungen Menschen aus ganz Dänemark eingenommen.

Sie haben alle etwas gemein. Sie haben psychische Leiden, konnten aber mit einem speziell auf sie zugeschnittenen Programm (Ungeløftet) aus ihrer Rastlosigkeit geholt werden. Einige konnten so auf den Arbeitsmarkt eingeschleust werden. Sie erzählten Folketingsmitgliedern sowie Ministerinnen und Ministern von ihrer Erfahrung.

Trotz ADHD aktiv

Aus Tondern reiste der 23-jährige Jacob Møller an. Er leidet an dem Aufmerksamkeitsdefizit mit Hyperaktivitätsstörung ADHD (auf Deutsch: ADHS). Dank des auf seine Person konzipierten Verlaufs kann er heute kleinere Jobs bestreiten und ist sportlich als Fußballspieler und -trainer aktiv. Ungeløftet oder auch das IPS-Programm genannt (Individuelt planlagt Job med støtte) wurde ein Wendepunkt in seinem Leben.

Bei ihm wurde erst spät diese Diagnose gestellt. Er war rastlos und der Besuch der Schule fiel ihm schwer. Für ihn war es eine Erleichterung, eine Erklärung für sein Verhalten zu bekommen. „Ich habe mich selbst kennengelernt und weiß jetzt, dass es mir mit einem vollen Terminkalender gut geht, mein Tag muss aber strukturiert sein“, weiß er heute.

„Ohne das Programm würde ich immer noch von Job zu Job umherirren und würde nach wenigen Monaten wieder ausgelaugt aufgeben“, erklärt der 23-Jährige.

Jacob arbeitete zunächst in der Küche der Ausbildungsstätte EUC Syd, wo ihm mit Verständnis begegnet wurde. Hier lernte er auch andere junge Menschen mit psychischen Leiden kennen. Diese Erfahrung stärkte sein Selbstbewusstsein.

Was bedeutet IPS?

Heute unterrichtet er als Vertretungskraft in den Fächern Englisch, Dänisch und Sport. Außerdem macht er sauber als Vertretungskraft. Die Unterstützung seiner Freundin und seiner Familie war für ihn das Wichtigste. Vermittelt wurde das Programm vom lokalen Jobcenter mit einem für ihn zuständigen Berater.

Der Kontakt zu einer Einzelperson, die ihn durch die Job- und Ausbildungsmöglichkeiten navigiert hat, sei für ihn eine große Erleichterung gewesen, erläutert er. Zunächst fanden die Gespräche physisch statt, später telefonisch und heute nur noch per SMS.

Seine Freundin und seine Familie unterstützten Jacob Møller auf dem Weg aus der Rastlosigkeit.

„Mit IPS hatte ich ein Sicherheitsnetz. Und sie geben dich erst wieder los, wenn sie sicher sind, dass du auf eigenen Beinen stehen kannst.“

Und sie geben dich erst wieder los, wenn sie sicher sind, dass du auf eigenen Beinen stehen kannst.

Jacob Møller

Er hoffe daher, dass die Politikerinnen und Politiker seine Botschaft verstehen, dass es ein großer Vorteil ist, wenn man Menschen auf Augenhöhe begegnet und eine individuelle Struktur bekommt.

41 junge Menschen nahmen im ersten Jahr teil

Dass mehr für Menschen mit psychischen Leiden getan werden musste, erlebte der Arbeitsmarktausschuss der Kommune Tondern im Frühjahr 2023 bei einem Gespräch mit Personen, die der Psychiatrie angeschlossen sind. Deswegen wurde das IPS-Programm als Möglichkeit aufgegriffen und mit Erfolg, heißt es in einer Pressemitteilung der Kommune. Im ersten Jahr beteiligten sich 41 junge Menschen an diesem Programm, mehrere von ihnen arbeiten heute oder machen eine Ausbildung. Andere befinden sich auf einem guten Weg.

Der Vorsitzende des Arbeitsmarktausschusses, Bo Jessen (Tønder Liste), freut sich über die Ergebnisse der Initiative. „Wir entschieden uns dafür, diesen jungen Menschen größere Möglichkeiten zu bieten, damit sie sich auf dem Arbeitsmarkt zurechtfinden. Dass Jacob jetzt seine Geschichte vor Folketingsmitgliedern erzählen konnte, ist ein Beweis dafür, dass unsere Entscheidung richtig war. Daher werden wir diese Arbeit weiterverfolgen, damit noch mehr junge Menschen die Unterstützung bekommen, die sie benötigen“, unterstreicht Bo Jessen.

Dass Jacob jetzt seine Geschichte vor Folketingsmitgliedern erzählen konnte, ist ein Beweis dafür, dass unsere Entscheidung richtig war.

Bo Jessen