Frauenhaus

Privatisierung des Frauenhauses: Immer mehr bitten um Hilfe

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Das Frauenhaus am Agervang liegt auf dem Gelände des Sonderburger Krankenhauses.

„Sønderborg Kvinde- & Krisecenter“ will sich besser für die Zukunft wappnen. Statt fester drei Millionen Kronen von der Sonderburger Kommune im Jahr will die Institution sich selbst finanzieren. Die Vorsitzende schildert, wie das funktionieren soll.

Das „Sønderborg Kvinde- & Krisecenter“ hat seit Jahrzehnten eine feste Betriebsabsprache mit der Kommune Sonderburg. Die Unterkunft von in Not geratenen Frauen und Kindern erhielt jedes Jahr drei Millionen Kronen aus der Kommunalkasse. Als Gegenzug dafür erhielt die Kommune das Geld, das die Heimatkommunen der dort untergebrachten Familien für die Unterbringung zahlen.

Diese Betriebsvereinbarung mit der Kommune Sonderburg kündigt das Frauenhaus am Agervang zum 1. April 2025.

„Der Vorstand hat längere Zeit mithilfe verschiedener Berechnungen herausgefunden, inwiefern wir besser gestellt wären, wenn wir uns privatisieren. Wir kamen zu dem Schluss, dass wir finanzielle Vorteile haben würden, wenn wir künftig keine feste Betriebsabsprache mit der Sonderburger Kommune mehr haben“, sagt die Vorstandsvorsitzende im „Sønderborg Kvinde- & Krisecenter“, Sanne Vahlun.

Immer mehr Frauen bitten um Hilfe

Das Frauenhaus knallt keineswegs mit der Tür: „Wir haben schon seit Jahren daran gearbeitet. Alles ist ganz mit Ruhe und Ordnung vonstattengegangen.“

Dass immer mehr Frauen im Frauenhaus um Hilfe bitten, ist laut Vahlun kein Zeichen für mehr Gewalttätigkeit in den Familien. Es ist legitim geworden, um Hilfe zu bitten, wenn der Ehemann zu psychischer und physischer Gewalt greift. „Heute verschweigt man nichts mehr. Und in der Gesetzgebung ist auch die psychische Gewalt heute verboten“, so Sanne Vahlun. Sie ist Rechtsanwältin, Mediatorin und Coachin aus Sonderburg.

Zu der Privatisierung greift das Frauenhaus aus finanzieller Sicht: Für das Sønderborg Kvinde- & Krisecenter reichen die von der Sonderburger Kommune bewilligten drei Millionen Kronen Zuschuss aufgrund der steigenden Nachfrage nicht mehr.

Der Aufenthaltsraum des Frauenhauses kurz nach der Renovierung 2017

Sozialaufsicht fordert mehr

Was vor zig Jahren graswurzelmäßig mit einem Herz für Bedürftige begann, ist heute ein professionelles Unternehmen, das verschiedene Verpflichtungen einzuhalten hat. Diese werden von der Sozialaufsicht kontrolliert. Dazu gehören heute auch die Kompetenzen der einzelnen Vorstandsmitglieder und -helferinnen.

„Das Haus zu betreiben ist heute nicht mehr genug. Die fachlichen Kompetenzen der einzelnen Vorstandsmitglieder werden laufend verschärft. Alles muss recht professionell zusammengeschraubt werden“, erklärt Sanne Vahlun. „In den einstigen Satzungen konnten vier Freiwillige mit vier Helferinnen von außen einen Dienst übernehmen. So geht das heute nicht mehr“, so Sanne Vahlun.

Die neuen Anforderungen wurden in den jüngst gutgeheißenen Satzungen berücksichtigt. Mit ihnen soll der professionelle Betrieb des Frauenhauses auch künftig gesichert sein.

Der Vorstand hat längere Zeit mithilfe verschiedener Berechnungen herausgefunden, inwiefern wir besser gestellt wären, wenn wir uns privatisieren.

Sanne Vahlun

Eine weitere Wohnung kommt hinzu

Eine steigende Anzahl von betroffenen Frauen und Kindern hat in den vergangenen Jahren Zuflucht im Sønderborg Kvinde- & Krisecenter gesucht. Einige mussten abgewiesen werden, weil alle Räume besetzt waren. Sie mussten sich also notgedrungen an andere Frauenhäuser wenden. Deshalb wird das Frauenhaus in Kürze eine weitere Unterkunft einrichten. Dann kann das Haus am Agervang jeweils sechs Frauen und ihren Kindern helfen.

Im Garten können die Bewohnerinnen und Kinder es sich gemütlich machen.