Deutsche Minderheit

Für Anastasia Naeve beginnt die Zukunft in einer Kaserne

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Anastasia Naeve in einem der Ausstellungsräume des Deutschen Museums Nordschleswig.

Im Februar gibt es für eine junge Mitarbeiterin des Deutschen Museums Nordschleswig eine rapide Veränderung. Schluss mit Grenzlandgeschichte – stattdessen hinaus auf die Felder zum harten Militärtraining. Die Nordschleswigerin aus Sonderburg hat ihren ganz eigenen, etwas ungewöhnlicheren Weg gewählt.

Ihr Vater Jürgen Wörheide war bei der Bundeswehr. Die sportlich gern auf extreme Herausforderungen setzende Anastasia Naeve wusste es eigentlich schon immer: Nach dem Abitur will sie zum Militär.

„Ich kenne eigentlich niemanden, der das probiert hat. Aber es fühlt sich für mich einfach richtig an“, meint sie. Bald ist es so weit: Im Februar beginnt im Norden Jütlands ihre viermonatige Grundausbildung – mit militärischem, physischem Training im Freien, Übungen, erweiterter Erste Hilfe, verschiedenen Theorien und natürlich auch mit Waffe und Munition. Danach geht es für voraussichtlich ein Jahr nach Neuseeland, bevor sie Neurowissenschaft studieren möchte.

Grundausbildung dauert vier Monate

Dass der Krieg in der Ukraine auch für sie erschreckend näher gerückt ist, das hat die frühere Schülerin der Deutschen Schule Sonderburg keinen Rückzieher machen lassen.

„Eine normale Wehrpflicht dauert acht Monate. Dann ist man bereit für einen Notfall. Die vier Monate der Grundausbildung sind eine Vorbereitung und nicht Teil der Mobilisierungspflicht“, meint sie. Sie will in Aalborg erst einmal andere Menschen treffen und viel lernen.

Anastasia Naeve

Offizielle Anmeldung

Bei „Forsvarets Dag“ in Fredericia meldete sich die 20-Jährige ganz offiziell an. Das erzählte sie natürlich auch ihren Freundinnen Katharina Eising Schmidt und Hannah Sølbeck Fink.

„Die haben sich gefreut und fanden das total cool“, so Anastasia Naeve. Sie gehört seit einem Jahr zum festen Stab des Deutschen Museums Nordschleswig. Einige haben die junge Frau auch dort gefragt, was sie später machen will. Ein Mann freute sich: „Danke, dass du unser Land beschützt.“. „Das war groß", meint sie lächelnd.

Das Militär eine gute Entscheidung

Aber wie kam sie auf die Aalborger Kaserne? In der 9. Klasse wurden die Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Sonderburg über die verschiedenen Karrieremöglichkeiten und Wege informiert. Da wurde auch das Militär erwähnt.

„Damals wollte ich noch Polizistin werden. Da war das Militär ein guter Weg, auf eine Polizeiakademie zu kommen. Polizistin habe ich jetzt abgehakt. Ich möchte lieber Forscherin in der Naturwissenschaft werden“, meint die 20-Jährige. Aber das Militär ist weiterhin für sie eine gute Entscheidung.

Anastasai Naeve weiß, was sie will

Nur einmal im Monat heim

Sie verspricht sich viel von der Gemeinschaft im Trainingsregiment des Heeres in Aalborg. „Ich war bei einem Informationstreffen im Oktober, wo wir Fragen stellen durften. Zwei Personen, die gerade die Grundausbildung machen, meinten, dass alle sich dort rasch kennenlernen. Nach einer Woche kannte man alle. Man ist ja auch quasi die ganze Zeit zusammen“, so Anastasia Naeve.

An den Wochenenden haben die Wehrpflichtigen frei. Anastasia Naeve rechnet aber nicht damit, dass sie jedes Wochenende für vier bis fünf Stunden in den für Auszubildende kostenlosen Zug steigt, um nach Sonderburg zu fahren. Die Besuche in der Heimat will sie auf einmal im Monat beschränken.

Das Deutsche Museum Nordschleswig hat eine angenehm warme Temperatur. Im Februar wird es für Anastasia Naeve wesentlich kühler werden.

Sport hat sie immer geliebt

Sport hat für Anastasia Naeve schon immer dazu gehört. Sie läuft seit ihrer Kindheit, fährt Ski, macht Pilates und seit ihrem 14. Lebensjahr Kraftsport. Auch beim Rhönrad in Sonderburg ist sie aktiv dabei. Sie träumt von der Teilnahme an einem Triathlon. „Ich mag es, für etwas zu arbeiten und sich etwas zu verdienen“, stellt sie fest. Auf der Wunschliste der Sonderburgerin steht außerdem das Surfen. Das will sie unbedingt lernen.

Reisen stehen auch bei ihr auf dem Programm. Nach dem Abitur am Deutschen Gymnasium Nordschleswig gab sie in einem Interview Reisen nach Spanien, Afrika, Neuseeland und Südostasien an. Und einen Aufenthalt in einem buddhistischen Tempel in Mannheim. Den letzteren hat sie aufgrund ihrer Abreise nach Neuseeland am 1. Juni 2025 allerdings vorerst verschieben müssen. „Auf den Buddhismus kam ich im Religionsunterricht. Es hat mich fasziniert, wie sinnig Karma und die Dogmen sind. Ich wollte das einmal selbst erleben“, so Anastasia Naeve.

Ich mag es, für etwas zu arbeiten und sich etwas zu verdienen.

Anastasia Naeve

Alles selbst erleben

Anastasia möchte immer gern herausfinden, wie es anderswo tickt. Man kann viel lesen und sich von anderen etwas erzählen lassen. Aber die Nordschleswigerin will mehr: „Es selbst erleben und herausfinden, was, wo läuft. Das finde ich gut.“ Für ihre Reise nach Neuseeland hat sie im Sonderburger Museum und auch im Pflegeheim Grønnegaarden in Apenrade Geld verdient.

Für Neuseeland hat sie ein Work-&-Travel-Paket erhalten. Mit diesem Papier kann sie ein Jahr lang dort arbeiten und Steuern zahlen. Wie lange sie in Neuseeland bleibt, darauf hat sie sich noch nicht festgelegt. „Ich lass immer alles erst einmal auf mich zukommen. Entweder es ist geil, oder es wird nur eine Erfahrung. Ich schaue mal“, meint die Nordschleswigerin. Sie würde aber gern ein ganzes Jahr in Neuseeland verbringen.

Anschließend geht es an die Universität. Anastasia Naeve will Neurowissenschaft studieren: „Das ist der Schlüssel, warum wir etwas machen, warum wir so ticken, und wie wir uns bewegen. Wie wir essen und wie wir denken – das bestimmen das Gehirn, die Neurotransmitter und die Synapsen.“