Deutsche Minderheit

Deshalb findet das große Theater an der DSS zum letzten Mal statt

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Michael Kindel und seine diesjährige Theater-Crew vor der Weihnachtsfeier am Mittwoch

Die Eltern der älteren Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Sonderburg dürfen sich beim Theaterstück „Fahr mal wieder U-Bahn“ auf das letzte Grande Finale der Theatergruppe freuen. Mit einem Trip nach Berlin endet eine langjährige Tradition des Weihnachtsfests der Schule.

Für einige wird es ein Theaterbesuch mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Die Oberstufe der Deutschen Schule Sonderburg führt in diesem Advent zum letzten Mal ein Theaterstück auf.

Seit Jahrzehnten krönt eine große Aufführung des Wahlfachs Theater die Schul-Weihnachtsfeier. Das diesjährige Stück „Fahr mal wieder U-Bahn“ ist ein Finale. Der engagierte Regisseur Michael Kindel geht im kommenden Jahr in Rente, und dann ist Schluss mit dem Theater der Oberstufe.

„Es gibt auch eine Umstrukturierung. Es soll künftig eine normale Oberstufen-Weihnachtsfeier abgehalten werden. Ein Theaterstück ist sehr auf die Menschen auf der Bühne bezogen. Es wäre sowieso ein Wechsel gekommen. Die Theateraufführung wird es so nicht mehr geben. Es ist für uns nicht mehr machbar“, so Kindel. Er macht keinen halben Kram. Voll-Power oder gar nichts. „So ein kleiner Sketch wäre nicht mein Ding“, stellt der 66-Jährige fest.

Michael Kindel neben dem Plakat „Fahr mal wieder U-Bahn"

Die Arbeit mit Kindern ist das Wichtigste

Michael Kindel kam 1999 von Flensburg (Flensborg) nach Sonderburg. Die großen Theateraufführungen begannen mit seiner Kooperation mit dem damaligen Schulleiter Helmuth Petersen. Die beiden schrieben Stücke für die Oberstufe. So wurde das Weihnachtsprojekt größer und größer. Immer mehr Proben und immer mehr Aufwand.

Als Schulleiter Petersen aufhörte, wurde das Weihnachtsprojekt in Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen Marion Petersen, Tanja Bethge und seit einigen Jahren mit Michelle Jensen bewältigt. „Wir haben uns alles immer selber ausgedacht. Die Stücke sind auch ziemlich auf die Schüler zugeschnitten. Wenn wir mehr Tänzer oder auch einen Saxofonspieler hatten, dann wurden die eingebaut“, so Kindel.

Mit diesen beiden Rockstars und begeistert applaudierenden Fans beginnt das diesjährige Theaterstück in der Deutschen Schule Sonderburg. Es ist die Geschichte von Kira aus Ottenburg, die in Berlin nach Kurt sucht.

Wo er sein Theater-Gen eigentlich herhat, auf diese Frage kann der Lehrer nicht antworten: „Ich glaube, meine Mutter hatte das auch ein wenig. Ich gehe zum Beispiel nicht ins Theater. Die Zusammenarbeit mit den Kindern ist einfach das Fantastische.“

Für alle gibt es bei uns einen Platz. Selbst wenn man kein Talent für das Singen oder Tanzen hat, dann kann man bei der Gruppe dabei sein.

Michael Kindel

Für alle gibt es einen Platz

Es ist jedes Jahr ein Wahnsinnsprojekt, stellt der Lehrer fest. Jedes noch so kleine Detail muss die Theatergruppe beschaffen – ob Utensilien, Bekleidungsstücke oder Make-up.

Die jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspieler sind alle verschieden. „Das berücksichtigen wir. Für alle gibt es bei uns einen Platz. Selbst wenn man kein Talent für das Singen oder Tanzen hat, dann kann man bei der Gruppe dabei sein“, stellt Michael Kindel fest.

Michael Kindel freut sich auf die Vorstellungen am Mittwoch und Donnerstag.

Es gibt kein Casting und daher entwickeln die Vorstellungen sich während der unzähligen Proben für die große Vorstellung.

Kinder spüren, was sie leisten

„Manche, denen wir anfangs nur eine kleine Rolle gegeben hatten, wachsen mit der Aufgabe. Und vielleicht endet es für sie mit einer großen Rolle“, so Michael Kindel. „Wir lassen sie auch mitentwickeln und einige haben Szenen geschrieben. Das ist ganz, ganz unterschiedlich.“ Den Kindern könne die Theater-AG sehr viel geben.

„Die Kinder müssen Extra-Texte lernen. Selber spüren, dass sie was geleistet haben. Sie erleben auch, wie sie auf Außenstehende wirken. Einige im Publikum lachen über die Witze, andere weinen auch. Die Theaterleute lernen sich selber kennen. Alle, die hier auf der Bühne stehen und etwas vor einem Publikum präsentieren, das bringt ihnen etwas. Es ist keiner besser als der andere“, weiß Michael Kindel aus jahrelanger Erfahrung.

Für alle gibt es einen Platz

„Im Grunde schaffen wir das Unmögliche, und zwar mit Engagement und Herzen. Versprich dich, vertanz dich und treffe den falschen Ton. Aber mach es aus voller Überzeugung“, so Michael Kindels Rat an die Darstellerinnen und Darsteller.

Er weiß, dass die Kinder sich auch später immer daran erinnern werden, welche Rolle sie an der DSS einmal im Theaterstück hatten. „Es hat sich vieles verändert. Die Schüler müssen einfach viel mehr – unter anderem Praktika und Projekte. Es ist kaum noch zu schaffen, ein so großes Projekt auf die Beine zu stellen“, stellt der Theater-Leiter fest.

Michael Kindel

Das große Theaterprojekt beginnt jedes Jahr nach den Sommerferien. 18 Jugendliche stehen dieses Mal auf der Bühne. Vier Eleven helfen hinter der Bühne, wie auch einige Lehrerinnen und Lehrer.

Sie machen ihre Eltern stolz

Michael Kindel lobt das Engagement der Theatergruppe und er macht den Darstellenden Mut: „Dass ihr jetzt hier seid, darauf könnt ihr stolz sein. Was ihr hier macht, ist etwas Tolles. Ihr macht eure Eltern stolz.“ Auf dem Knivsberg machte die Theatergruppe zwölf Stunden lang Proben. „Sie sind die entscheidenden“, mein Kindel bewundernd.

Mit Michelle Jensen ist er ein gut eingespieltes Team: „Wir fahren für eine Stecknadel nach Kopenhagen. Oder wir beschaffen einen Elefanten. Für alles gibt es eine Lösung.“

Michael Kindel im Schulhof der Deutschen Schule Sonderburg

„Fahr mal wieder U-Bahn“ ist also Kindels letztes großes Theaterstück. „Aber ganz raus bin ich ja doch nicht. Ich helfe Jan Schmidt noch bei der Mittelstufe im April“, meint er lächelnd.