Leichtathletik

Mental erschöpfte Sprintkönigin wechselt die Sportart

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Mathilde Uldall Kramer nahm für Dänemark an Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften teil.

Mathilde Uldall Kramer aus Loitkirkeby ist Olympiateilnehmerin und siebenfache dänische Meisterin über die 100 Meter, doch nach Enttäuschungen auf der Tartanbahn und der Geburt ihres ersten Kindes fehlte zuletzt die Motivation für die Leichtathletik. Jetzt übt die 32-Jährige einen Mannschaftssport auf höchstem nationalen Niveau aus.

Noch sträubt sie sich dagegen, den Abschied von der Leichtathletik als endgültig zu bezeichnen, die Sprinterkarriere von Mathilde Uldall Kramer macht aber erst einmal Pause, auf unbestimmte Zeit.

Die 32-Jährige aus Loitkirkeby (Løjt Kirkeby), die in Solrød Strand lebt, hat die Sportart gewechselt und einen Vertrag bei der Volleyball-Mannschaft von Team Køge Nord in der ersten dänischen Liga unterschrieben.

Mentale Erschöpfung 

„Das vergangene Jahr war ein schwieriges Jahr für mich. Da ist viel passiert. Wir haben die Olympischen Spiele verpasst, und mein Trainer kollabierte auf der Bahn. Zum Glück hat er überlebt, aber ich habe nicht nur wegen der verpassten Ziele eine mentale Erschöpfung gespürt und tat mich schwer, egal was und wie viel passierte, meine Leistung zu bringen“, sagt Mathilde Uldall Kramer zum „Nordschleswiger“.

Die Sprinterin hatte vor, in den Siebenkampf zu wechseln, um neue Motivation zu finden, verwarf diese Idee aber wieder, als sie im Sommer 2024 schwanger wurde. Sport trieb sie in ihrer gesamten Schwangerschaft, bevor sie im April Töchterchen Ronja zur Welt brachte.

„Ich war nicht besonders motiviert, habe aber mein Leichtathletik-Training durchgeführt. Ich habe angefangen, zweimal in der Woche Volleyball zu spielen, und das hat mir mega viel Spaß gemacht. Selbstverständlich muss man aufpassen, dass man keinen Schmetterball gegen den Bauch abbekommt, aber ich habe bis Woche 38 meiner Schwangerschaft gespielt“, so Kramer.

Ich kenne nicht einmal alle Regeln beim Volleyball, aber meine Körpergröße, meine Sprungkraft und meine Schnelligkeit können diese Schwächen kompensieren.

Mathilde Uldall Kramer

Bei Team Køge Nord zeigte man sich vom Einsatz der groß gewachsenen Sprinterin in der zweiten Mannschaft so begeistert, dass daraus ein Vertragsangebot für das Liga-Team wurde. 

„Ich spiele auf der Center-Position. Bälle blockieren und Schmetterbälle sind meine primären Aufgaben. Was Technik und Spielverständnis angeht, habe ich noch meine Herausforderungen. Ich kenne nicht einmal alle Regeln beim Volleyball, aber meine Körpergröße, meine Sprungkraft und meine Schnelligkeit können diese Schwächen kompensieren. Es zahlt sich aus, dass ich viel Power trainiert habe“, meint Mathilde Uldall Kramer.

DM-Finale vier Monate nach der Geburt

Der Volleyball hat erst einmal die Leichtathletik in den Hintergrund geschoben, obwohl sie bereits vier Monate nach der Geburt ihrer Tochter wieder im 100-Meter-Finale der dänischen Leichtathletik-Meisterschaften stand und in 12,36 Sekunden den sechsten Platz belegte. 

„Es hat mir viel bedeutet, dass ich als Mutter nur vier Monate nach der Geburt bei der DM an den Start gehen konnte. Der Körper kann viel mehr, als man glaubt, aber als ich dieses Ziel erreicht hatte, spürte ich gleichzeitig, dass ich den Wettkampf nicht vermisst hatte. Ich habe weiter die Idee, dass ich noch schneller werden kann, aber es ist auch lange her, dass ich für das, was ich in die Leichtathletik gesteckt habe, belohnt worden bin“, so Kramer.

Nach der verpassten Olympia-Teilnahme und anderen Enttäuschungen in der Leichtathletik sind die Fördermittel von der dänischen Sporthilfe mächtig gekürzt worden und entsprechen dem Niveau von vor 2018.

„Wir sind weit zurückgeworfen worden. Der Weg zurück ist weit, nicht nur für mich persönlich nach einer Geburt, sondern auch für die dänische Leichtathletik“, sagt die Sprinterin, die 2021 in 11,40 Sekunden ihre Bestzeit über die 100 Meter erzielte.

Ida Karstoft, Mathilde Uldall Kramer, Astrid Glenner-Frandsen und Emma Beiter Bomme (von links) stellten bei den Olympischen Spielen in Tokio in der Zeit von 43,51 Sekunden einen dänischen Rekord auf.

Für die dänische Leichtathletik wird sie erst einmal nicht auf der Tartanbahn, sondern hinter den Kulissen kämpfen. Die 32-Jährige ist in den Vorstand des dänischen Leichtathletik-Verbandes, „Dansk Atletik“, gewählt worden.

Zweite Olympia-Teilnahme kein Thema

„Ich möchte meine Erfahrungen einbringen. Die Liebe für die Leichtathletik ist weiterhin groß, aber in aktiver Hinsicht ist die Leichtathletik erst einmal in die Schublade gelegt worden. Ich trainiere weiterhin das, was für mich Sinn ergibt, und überlege auch, ob ich in der Hallen-Saison über die 60 Meter oder im Weitsprung an den Start gehe. Ich habe zum dänischen Staffel-Projekt für dieses Jahr Nein gesagt, aber wenn sich die Dinge im Volleyball ändern, kann ich vielleicht in der Leichtathletik wieder aufdrehen“, so die siebenfache dänische Meisterin über die 100 Meter.

„Ich hatte eigentlich vor, im nächsten Jahr die Europameisterschaften anzupeilen, aber ich muss vielleicht redefinieren, was die Leichtathletik für mich bedeutet. Will ich auf EM-Niveau mitmischen oder trainiere ich nur? Ich glaube nicht, dass die Olympischen Spiele oder eine WM für mich noch einmal infrage kommen“, meint Mathilde Uldall Kramer.

Mathilde Uldall Kramer war bis Oktober 2016 Mitglied von AAIG in Apenrade, wechselte danach über FIF zu Aarhus 1900 und gehört jetzt Køge Atletik an.

Die 32-Jährige aus Loitkirkeby wurde von 2014 bis 2022 siebenmal dänische Meisterin über die 100 Meter, zweimal über die 200 Meter und einmal über die 100 Meter Hürden.

Kramer nahm 2021 mit der dänischen 4x100-Meter-Staffel an den Olympischen Spielen in Tokio teil und startete auch bei Welt- und Europameisterschaften für Dänemark.