Stadtentwicklung

Ohne Mindestpreis: Ehemalige Distriktschule in Scherrebek soll neues Wohnquartier werden

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Die alte Distriktschule besteht aus mehreren Gebäudetrakten wie diesen (Archivfoto).

Zentrale Lage, große Fläche – und kein fester Verkaufspreis. Die Kommune Tondern bietet die ehemalige Distriktschule in Scherrebek öffentlich zum Verkauf an. Entscheidend ist nicht das Höchstgebot, sondern ein Projekt, das den Ort langfristig voranbringt.

Der Gebäudekomplex der ehemaligen Distriktschule von Scherrebek (Skærbæk) steht vor einem grundlegenden Wandel. In dieser Woche hat der Kommunalrat der Kommune Tondern beschlossen, das zentral gelegene Areal an der Skolegade 19 öffentlich zum Verkauf anzubieten – ohne festen Mindestpreis. Statt auf einen schnellen Erlös setzt die Kommune bewusst auf ein überzeugendes Wohnprojekt.

„Uns ist das Projekt wichtiger als der Verkaufspreis“, betont Bürgermeister Jørgen Popp Petersen von der Schleswigschen Partei (SP). „Wir hoffen auf ein Projekt, das auf Sicht der Kommune mehr Einnahmen generiert, als uns die reine Verkaufssumme bringen würde.“

Wohnen im Herzen von Scherrebek

Das rund 17.700 Quadratmeter große Gelände liegt mitten im Ort und ist ein zentraler Baustein der Stadtentwicklungsplanung Scherrebek 2025–2030. Geplant ist ein vielfältiges Wohnquartier mit Etagenwohnungen, dichter und offener Bebauung – gedacht für unterschiedliche Zielgruppen, von jungen Familien bis zu Seniorinnen und Senioren.

„Es lag die ganze Zeit in den Karten, dass die alte Distriktschule zu Wohnzwecken umgewandelt werden sollte“, sagt der Bürgermeister. „Und es hat auch schon entsprechende Anfragen gegeben.“

Nach dem Umzug aller Schülerinnen und Schüler in den Neubau im Frühjahr 2021 stand ein Großteil der alten Schulgebäude leer oder wurde zwischenzeitlich anders genutzt. Die frühere Turnhalle wurde bereits an die benachbarte Skærbæk Realskole verkauft, andere Gebäude dienen aktuell der Polizei als Schulungszentrum. „Dafür finden wir sicherlich auch andere geeignete Gebäude in der Kommune“, ist Popp Petersen überzeugt.

Seniorengerechtes Wohnen ausdrücklich erwünscht

Seniorinnen und Senioren wollen generell in kleinere Wohnungen in den Ortskern ziehen.

Jørgen Popp Petersen

Besonders gut kann sich die Kommune vorstellen, dass auf dem Gelände seniorengerechte Wohnungen oder sogar Senioren-Wohngemeinschaften entstehen. Der Bürgermeister verweist dabei auf einen klaren Trend: „Seniorinnen und Senioren wollen generell in kleinere Wohnungen in den Ortskern ziehen. Das ist die Entwicklung, die wir überall sehen.“

Das habe gleich mehrere positive Effekte, erklärt Popp Petersen: „Wenn die ältere Generation in die Städte zieht, werden ihre Einfamilienhäuser und Bungalows in den Wohngebieten am Ortsrand oder auf dem Land frei – und das kommt jungen Familien mit Kindern zugute.“

Lange Ausschreibung für gute Ideen

Die Kommune hat sich bewusst für eine 14-wöchige Ausschreibungsfrist entschieden – deutlich länger als gesetzlich vorgeschrieben. Ziel sei es, Projektentwicklerinnen und -entwicklern genügend Zeit zu geben, tragfähige und realistische Konzepte zu erarbeiten.

„Wir haben uns für diese längere Frist entschieden, damit die Interessenten eine echte Chance haben, gute Ideen nicht nur zu entwickeln, sondern sie auch durchzurechnen“, sagt der Bürgermeister. „Ja, es hat bereits Interessenten gegeben“, bestätigt er auf Anfrage, fügt aber augenzwinkernd hinzu: „Aber es dürfen gerne noch mehr werden.“

Scherrebek ist gut gelegen, und es gibt kaum noch freie Baugrundstücke.

Lars Møldrup

Auch Kommunaldirektor Lars Møldrup zeigt sich optimistisch: „Der Ort hat in den vergangenen Jahren vieles auf die Beine gestellt, das gelungen ist. Scherrebek ist gut gelegen, und es gibt kaum noch freie Baugrundstücke.“

Nachhaltigkeit und Architektur im Fokus

Die ehemalige Distriktschule in Scherrebek ist der Gebäudekomplex mit den dunklen Dächern in der Bildmitte.

Das ausgeschriebene Projekt ist an klare Vorgaben geknüpft. Die Kommune legt großen Wert auf nachhaltiges Bauen, Wiederverwendung vorhandener Bausubstanz und eine Architektur, die sich harmonisch ins Ortsbild einfügt. Vorgesehen sind unter anderem robuste Materialien wie Ziegel, Holz oder Naturstein, begrünte Flächen, Regenwassermanagement und eine hohe Aufenthaltsqualität im Außenraum.

„Die Kunst ist, für Menschen zu bauen“, bringt es Kommunaldirektor Møldrup auf den Punkt.

Bürgermeister Popp Petersen ist überzeugt, dass sich ein Investor für ein solches Projekt finden wird. „Wir waren hier im südwestlichen Zipfel des Landes lange in einer Art Vakuum. Kaufwillige konnten kaum Geld für den Immobilienkauf oder -bau leihen oder hatten die Befürchtung, ihre Immobilien nicht verkaufen zu können. Heute hat sich der Markt verändert – es herrscht fast Balance.“

Die Ausschreibung läuft bis Ende Mai 2026. Spätestens dann wird sich zeigen, welche Ideen sich Projektentwicklerinnen und -entwickler für das ehemalige Schulgelände im Herzen von Scherrebek vorstellen können.